Frankie Goes To Hollywood - Welcome To The Pleasuredome (Limited Super Deluxe Edition)


New Wave • Synthpop • Konzeptalbum
(7CD+Blu-ray Audio; Universal Music Recordings/FGTH Records; 31.10.2025)
Endlich komme ich dazu „Welcome To The Pleasuredome“ von Trevor Horn zu hören. Oh, warte… Entgegen der damaligen Einschätzung entpuppen sich Frankie Goes To Hollywood auf Demos (so diese kein Fake sind) als veritable, mehr als gutklassige Funk-Band.

Auf die überragende Kreativität eines der wichtigsten Alben der 80er will ich kaum eingehen. Kurz: Nahezu einzigartig. Oder etwas anders: Wenn The Buggles die 80er eingeleitet haben, haben FGTH und ZTT die 80er definiert.

Der Surround-Mix; entgegen der Annahme, dass es sich bei Frankie um Bum-Bum-Pop handelt, ist es, im Gegenteil, sehr aufwendig arrangierte, produzierte, und in Teilen komplexe Musik. Das ist die Basis (neben dem typischen 80er Sound – elektronisch, rhythmisch, klinisch) für grandiose Surround-Mixe.

Noch eines vorweg: Holly Johnson ist die Reinkarnation von Frank Sinatra. Wurde mir auch eben erst klar.

Bass, Drums und Leadvocals kommen von vorne. Alles andere spielt sich im Raum ab. Dabei gefällt mir der zu defensive Background-Gesang nicht. Mehr Wucht wäre deutlich überzeugender gewesen.

Alles andere? Zum Zunge schnalzen. Bass; Hammer! Percussion; aus allen Rohren. Gitarren; omnipräsent und viel akustischer als anzunehmen wäre. Das (synthetische) Orchester überzeugend. Gerade die Zwischen-Sequenzen (von Horn) machen einen überaus edlen Eindruck und verpassen dem Album dieses Konzept-Gefühl. Und da der unfassbar dominante Gesang von Holly Johnson hier keine Rolle spielt, entfaltet sich der Surround-Mix noch besser.

Alles in allem das erwartet großartige immersive Album. Das mit dem Chorgesang ist eventuell Gewöhnungssache. Aber ich hätte es gerne nahezu gleichgestellt mit dem Leadsänger (nervt mich auch immer live, wenn die Chöre „leiser gestellt“ werden). Das war es an Kritik. Ach ja, etwas mehr Kreativität bei den Animationen. Warum nicht die Videos einpflegen?

Kommen wir noch zu den Audio-CDs, welche (so mich meine Kenntnis über das Ouevre der Band nicht im Stich lässt) den kompletten Katalog aller Veröffentlichungen rund um das Album beinhaltet. Und mehr.

CD 1 glänzt mit Demos und Radio-Sessions. Davon ausgehend, dass die Band das tatsächlich selber eingespielt hat, bestätigt sich der oben erwähnte Verdacht, dass FGTH mitnichten eine „schlechte“ Musikgruppe war.

Die CDs 2 – 5 bieten dann in chronologischer Reihenfolge die unterschiedlichen Versionen (Remixe, Maxi-Versionen usw.) sowie die jeweils dazugehörigen B-Seiten. Also:

  • ‚Relax‘
  • ‚Two Tribes‘
  • ‚Welcome To The Pleasuredome‘
  • ‚The Power Of Love‘

Das ist insofern interessant, als dass das Album ja im Grunde schon wie eine remixte Maxi-Version wirkt. Insbesondere wenn man sich mit den Demos beschäftigt, erkennt man die erhebliche Ausarbeitung der Stücke. Also das, was aus der Platte ein Produzenten-Album macht.

Schlussendlich ist „Welcome To The Pleasuredome“ ja auch deshalb ein Genie-Streich, weil die Band (und vor allem Trevor Horn) aus eigentlich nur 4 Stücken mit Substanz für 10 Minuten, ein 60-Minuten-Konzept baut. Diese Idee wird bei den Remix-Versionen vollkommen auf sie Spitze getrieben und lässt sich jetzt wunderbar auf den einzelnen Scheiben nachhören.

Noch besser funktioniert das nur bei den Remixen von Propaganda (das andere ZTT/Horn-Baby) und später bei dem sensationelle „Slave To The Rhythm“ von Grace Jones, bei dem man einen einzigen Song auf rund 45 Minuten hochjazzt mit einem Remix nach dem anderen. Fun Fact: „Slave To The Rhythm“ war eigentlich als Nachfolger von „Welcome To The Pleasuredome“ für FGHT geschrieben worden…

Schließlich gibt es eine weitere CD mit „den Resten“, die sich weniger schön auf den Remix-CDs gemacht hätten, sowie das Album natürlich auf aktuelles Niveau gemastert (was aber gar nicht mal nötig erscheint).

Die auf Surround getrimmten Bonustracks sind übrigens:

  • ‚Ferry Cross The Mersey‘
  • ‚Relax (Instrumental Mix)‘
  • ‚War (B-Side-Version)‘
  • ‚The World Is My Oyster (B-Side-Version)‘
  • ‚Happy Hi‘
  • ‚Disneyland

Alles glanzvoll von – nein, nicht Trevor HornSteven Wilson auf Surround getrimmt.

Das Album ist unzweifelhaft 15/15. Gehört in die Riege der „Schöpfungs-Alben“. „Welcome To The Pleasuredome“ mag nicht der „Erfinder“ der 80er gewesen sein, aber es hat die 80er definiert.

Fazit: Super Box, super Surround-Mix. Superteurer Preis. Aber dafür gibt es immerhin die wesentlichen Single-B-Seiten und Alternativen in Surround. Das bekommt man üblicherweise nicht geboten
Ohne Bewertung


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Alle Abbildungen: wurden uns freundlicherweise von Universal Music Recordings/FGTH Records zur verfügung gestellt..