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Christian Fiesel – About Lost Faith and Found Hope

Christian Fiesel – About Lost Faith and Found Hope (Aural Films, 12.09.2022) COVER(68:16, digital, Aural Films, 12.09.2022)
Mal wieder ein neues Album aus der “Hunsrücker Schule”, für deren Namensgebung Christian Fiesel mitverantwortlich zeichnet. Weit weniger bekannt als die Berliner Schule, aber es wird weiterhin fleißig daran gearbeitet, dass dieser Begriff in der Elektronik-Szene mehr Beachtung findet. Dabei handelt es sich um eine Spielart, die mit dem „großen Bruder“ kaum etwas gemein hat. Der EM-Fan sollte also tunlichst unterlassen, sich dem Album mit der Erwartungshaltung zu nähern, Musik im Stile der klassischen Berliner Schule geboten zu bekommen.

Hier geht es nicht um Sequenzer-betonte Elektronische Musik, sondern um ambiente Klanglandschaften mit intensiver Atmosphäre. Einen guten Anhaltspunkt bietet das Album “Rising Over the Plains” aus dem Vorjahr. Denn in diesem Muster agiert der Soundtüftler auch auf “About Lost Faith and Found Hope”. Weite Klangflächen erwarten den Hörer, und diese werden oft durch Mellotronsounds erzeugt, der M-Fan kommt also diesbezüglich voll auf seine Kosten. Man nehme sich mal exemplarisch den Titel ‘At the End of the Other Side of This’ vor, eine wunderbare Komposition, die das Mellotron klar in den Vordergrund stellt. Eine Art “Epsilon in Malysian Pale” von Edgar Froese nach Hunsrücker Art. Wer sich mit einem derartigen Soundkosmos anfreunden kann, wird von diesem Werk begeistert sein.

Waren auf ‘At the End of the Other Side of This’ noch die Streicher vorherrschend, bestimmen im nachfolgenden elf-minütigen ‘The Sky is on Fire’ synthetische Stimmen den Gesamtsound. Und so geht es fließend weiter, wobei oft der Mellotronsound einen entscheidenden Faktor darstellt. Die sieben Kompositionen bringen es auf insgesamt fast 70 unterhaltsame Minuten, veröffentlicht beim US-amerikanischen Label Aural Films. Es gibt keine Melodielinien, die sich schnell in den Gehörgängen festsetzen, aber die erzeugte Atmosphäre hinterlässt nachhaltigen Eindruck, zumal Fiesels Kompositionen keineswegs sperrig wirken, was ja bei anderen Alben durchaus auch mal anders aussieht. Erneut also ein bemerkenswertes Album aus dem Hause Fiesel.
Bewertung: 12/15 Punkten

Christian Fiesel (Foto: Künstler)

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Abbildungen: Giuseppe Milazzo (Artwork) /& Christian Fiesel