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Bertrand Loreau – Let the Light Surround You

(71:35, CD, Spheric Music, 2022)
Wie die Zeit vergeht… das Spheric Music Label des Elektronikmusikers Lambert Ringlage feierte mittlerweile 30-jähriges Bestehen (herzlichen Glückwunsch und weiter so!). Und auch die Rezension des letzten Albums des seit einigen Jahren bei Spheric Music beheimateten Franzosen Bertrand Loreau liegt bereits zwei Jahre zurück.

Das neue Werk heißt “Let the Light Surround You” und enthält 14 Titel, also kaum Raum für weit angelegte Klangexkursionen, sondern eine Vielzahl EM-untypischer kurzer Stücke. Der achtminütige Opener ‚Journey That Never Ends‘ ist in vier Abschnitte unterteilt – unter anderem den Titelsong enthaltend – und zeigt gleich das Talent von Loreau für bedächtige und emotionale Kompositionen. Die beiden nachfolgenden ‚Speak to Me‘ und ‚Breath of Life‘ sind nur namenstechnisch dicht an Pink Floyd, auch diese sind melodische Titel, die die Kategorisierung durch das Label recht passend erscheinen lassen: „Peaceful Electronic“.

Das Highlight des Albums ist aus Rezensentensicht der zehnminütige Titel ‚Crystal Sea‘, der wie eine verschollene Aufnahme von Klaus Schulze zur Zeit von „Mirage“ klingt. Perlende Synthesizerklänge vom Allerfeinsten, da muss man zwangsläufig an den Klassiker des Großmeisters denken. Direkt im Anschluss folgt eine melancholische Piano-Nummer betitelt ‚You and him‘, die bestens aufzeigt, dass es hier nicht nur um ein rein Berliner Schule inspiriertes EM-Album geht, sondern klassisch anmutende Titel und sehr melodische Instrumentals eine wichtigere Rolle spielen, fernab von typischem Sequenzer-betonten Material, das ansonsten oft auf dem Spheric Music Label zu hören ist. ‚Walking Hand in Hand‘ macht genau in diesem Sinne weiter, ist aber ebenso kurz geraten wie das Vorgängerstück. Und so geht es weiter bis zum mit knapp elf Minuten Spielzeit längsten Stück des Albums, das ‚Lead You Through the Dream‘ heißt und – als einziger Track auf „Let the Light Surround You“ – eine Zusammenarbeit des Franzosen mit Label Inhaber Lambert ist. Auch diese Nummer startet sanft und leicht melancholisch, doch behutsam schleichen sich dann die ersten Sequenzen ein, die dem Piano unterlegt sind. Wunderbare Nummer.

Eingespielt wurde das Album mit folgendem überschaubaren Instrumentarium:
Montage / JV2080 / D50.

Loreau hat schon eine beeindruckende Vielzahl an Alben veröffentlicht und zeigte dabei verschiedene Facetten, eine wesentliche dabei sicherlich die Inspiration durch die Berliner Schule und damit verbunden auch teilweise ein ausgiebiger Gebrauch von Sequenzen, die einen Track begleiten. Hier jedoch zeigt er sich zum größten Teil von einer sehr sanften, oft melancholischen Seite. Da besitzen 3-Minuten Titel mehr Faszination als manch ein 20-Minuten-Klangkoloss. Der EM-Fan sollte hier also keinesfalls ein typisches Berliner Schule Album erwarten, sondern ein sehr emotionales Album, auf dem Sequenzen nur begrenzt eine Rolle spielen.

“Let the Light Surround You” ist ein ausgesprochen persönliches Album geworden, denn es ist der vor einiger Zeit verstorbenen Mutter des Künstlers gewidmet. Das erklärt auch die auf dem Album immer wieder zu fühlende Melancholie.

Fazit: Hier liegt kein Loreau-Album aus der Reihe seiner Sequenzer-betonten Werke vor. “Let The Light…” ist ein sehr emotionales, bisweilen recht klassisch angehauchtes, melancholisches Album geworden. Fans der Berliner Schule EM sollten dies bei ihrer Erwartungshaltung bedenken.
Bewertung: 11/15 Punkten

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Abbildungen: Spheric Music