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Murcof – The Alias Sessions

Murcof - The Alias Sessions (The Leaf, 21.05.21)(88:00, Vinyl, CD, Digital, The Leaf Label, 2021)
Murcof ist der Künstlername von Fernando Corona, einem Musiker aus Mexiko, der jedoch seit Jahren in Barcelona lebt. Sein Hauptaugenmerkt lag und liegt auf der elektronischen Musik, jedoch sammelte er ebenso in den späten 90ern Erfahrungen in der Progband Sonios und war unter dem Pseudonym Terrestre in dem in Tijuana ansässigen Nortec Collective zugange. Auch mit zahlreichen Remix-Arbeiten und diversen Filmmusiken machte er auf sich aufmerksam. So war er zusammen mit der französischen Pianistin Vanessa Wagner an einigen faszinierenden Interpretationen von Arvo Pärt, Philip Glass und dem Kronos Quartett beteiligt.

Elektronischer Musik sagt man öfter nach, dass sie steril und kalt klinge. Das mag vielleicht stimmen, wenn man sich u.a. den Industrial anschaut, wo aber Sterilität und Kälte oft sogar ein gewünschtes Merkmal sind. Anders sieht es zum Beispiel bei Musik von Klaus Schulze aus, der mit einigen seiner Alben diese Behauptung ohne Weiteres widerlegen kann. Auch viele großartige Ambient-Künstler wagen dieses Vorurteil anzuzweifeln. Genauso auch Murcof mit seinem aktuellen Doppelalbum “The Alias Sessions” und seinem möglicher Weise bisher umfangreichsten Gesamtwerk. Nur so kann man es bezeichnen, denn nur im Gesamten wird es für den Hörer funktionieren. Durch seine Erfahrungen im Bereich der Filmmusik, erschafft Murcof eine im ersten Teil des Albums fast bedrohliche, aus minimalistischen Soundstrukturen fein konstruierte, düstere Atmosphäre, die bestens in einem Film wie z.B. Blade Runner 2049 untergebracht wäre.

Geisterhafte Samples, abstrakte Beats und exquisite Spannung schlängeln sich durch die ersten 45 Minuten. ‘Shadow Surfing’, der letzte Song des ersten Teils, leitet über in Teil zwei, den melodischeren Teil, mit einer wunderschönen Transformation aus der bedrohlicheren Endzeitstimmung hinein in emotionale, warme Intensität.

Die präzise Architektur und der grandiose Spannungsaufbau von Songs wie ‘Dividing Space’, ‘Unread Letter’ oder dem wunderbaren ‘Fire Thief’ sind absolut mitreißend und gehören zu den schönsten Elektronik-Stücken, die der lobhudelnde Betreuer und beauftragte Schriftsetzer in den letzten Jahren gehört hat. Ein hochemotionaler Mix aus Dramatik, Trauer, Erhabenheit und Sequenzen zum Dahinschweben

Murcof liefert mit ‘The Alias Sessions’ ohne Zweifel eines der wohl besten Elektronik-Alben der letzten Jahre ab.
Bewertung: 14/15 Punkten

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Abbildungen: The Leaf Label