1

Amenra – De Doorn

Amenra – De Doorn (Relapse Records, 25.06.21)(47:27, CD, Vinyl, MC, Digital, Relapse Records, 2021)
Von Amenra hatte ich für eine gewisse Zeit ein verzerrtes Bild, da ich die Band aus dem belgischen Kortrijk erst spät und zudem zuerst von ihrer akustischen Seite kennenlernen durfte. Eine Seite, von der sich Amenra so zerbrechlich wie gefühlvoll zeigen und die mich vom ersten Moment an verzauberte. Dass die Flamen ursprünglich aus der Hardcore-Szene stammen und auf ihren regulären Studioalben einer stilistischen Mischung aus Sludge, Doom, Post Metal und Blackgaze nachgehen, war für mich zu diesem Zeitpunkt praktisch unvorstellbar.

Und so brauchte ich dann auch einige Durchgänge, um mich an das düster schroffe Antlitz des Sextetts zu gewöhnen, das mich nach kurzer Zeit aber mindestens genauso faszinierte wie ihr akustisches.

Obwohl „De Doorn“, das erste reguläre Studioalbum-Amenras darstellt, das nicht zur bisher sechsteiligen „Mass“-Reihe gehört, steht das neueste Werk der Belgier doch stark in der Tradition seiner Vorgänger. Und dennoch fühlt sich „De Doorn“ irgendwie anders an. Der Grund hierfür sind vor allem der vermehrte Anteil an Klargesang und Spoken Words-Passagen seitens Colin H. van Eeckhout sowie die Gastbeiträge der Oathbreaker-Frontfrau Caro Tanghe. Zudem sind sämtliche Texte des Albums erstmals in der Bandgeschichte auf ‚Vlaams‘ verfasst worden, dem Belgischen Niederländisch Flanderns. Und so klingt „De Doorn“ in seiner Gesamtheit ein wenig intimer als die vorangegangenen Messen, wodurch eine kleine Brücke zu den Akustikauftritten des Kollektivs geschlagen wird. Ganz besonders deutlich wird dies im gut vierminütigen Ambient-Stück „De Dood In Bloi“, das mit seinen sanften Klängen als atmosphärisches Intro für das anschließende ‚De Evenmens‘ dient.

Und auch die erste Hälfte des abschließenden ‚Vor Immer‘ zeigt das Kollektiv von seiner eher andächtigen Seite.

Ansonsten bleibt bei Amenra alles beim Alten: schleppende Doom-Riffs, keifender Gesang, bedrückende Klanglandschaften und die Vereinigung von Langsamkeit und unheilvoller schwarzmetallischer Atmosphäre. Charakterstika, die besonders gut bei der Single ‚De Evenmens‘ zum Tragen kommen.

So ist auch „De Doorn“ ein weiterer bewegender Trauergottesdienst der Church of Ra. Erhaben, erschütternd und ehrfurchtgebietend.
Und nicht zuletzt versetzt mit einem gewissen Funken Hoffnung.
Bewertung: 12/15 Punkte (FF 12, KR 12)

Amenra – De Doorn (Relapse Records, 25.06.21)

Credit: Stefaan Temmerman

Tracklist:
1. ‚Ogentroost‘ (10:22)
2. ‚De Dood In Bloei‘ (4:43)
3. ‚De Evenmens‘ (8:05)
4. ‚Het Glore‘ (11:33)
5. ‚Voor Immer‘ (12:44)

Besetzung:
Lennart Bossu (Gitarre)
Bjorn Lebon (Schlagzeug)
Mathieu Vandekerckhove (Gitarre)
Tim De Gieter (Bass)
Colin H. van Eeckhout (Gesang)
Caro Tanghe (Gesang)

Surftipps zu Amenra:
Homepage
Facebook
Instagram
Twitter
MySpace
Tumblr
Bandcamp
Soundcloud
YouTube
Spotify
Apple Music
Amazon Music
Deezer
Tidal
Napster
Last.fm
Discogs
Prog Archives
Wikipedia
Rezension: „Mass VI“ (2017)

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Petting Zoo Propaganda zur Verfügung gestellt.