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Ask The Slave – Good Things Bad People

Ask The Slave – Good Things Bad People (Crime Records, 04.06.21)

Credit: Hörður Ólafsson


(48:42, CD, Digital, Crime Records, 2021)
Nicht nur in der Popmusik sind die allermeisten Bands nahezu vorhersehbar, in dem, was sie tun. Auch im Progressive Rock bewegt sich die Mehrzahl der Gruppierungen innerhalb eines bandspezifischen musikalischen Rahmens, der nur wenig Raum für wirkliche Überraschungen lässt. Andererseits gibt es jedoch auch solche Formationen, die nahezu vom Wahnsinn getrieben sind und die Hörer nicht nur kontinuierlich überraschen, sondern gleichzeitig auch überfordern, da so etwas wie musikalische Struktur nur in Ansätzen vorhanden ist.

Ask The Slave hingegen gehören zu einer dritten Spezies, denn sie verbinden scheinbar berechenbaren Progressive Rock und Metal mit immer wieder unvorhersehbaren bis wahnwitzigen Ausbrüchen. Ganz so als hätten sie einen Narren daran gefressen, harmonische Songstrukturen nur deshalb zu komponieren, um sie im Anschluss wieder über den Haufen werfen zu können. ‚Können‘ ist dabei das entscheidende Wörtchen, denn, ob die Isländer ein Stück binnen Sekunden ad absurdum führen oder es harmonisch über die Ziellinie bringen, ist genauso wenig kalkulierbar, wie die dazu benutzten musikalischen Stilmittel. Die Isländische Presse hat zu diesem Verhalten übrigens den passenden Begriff gefunden:

brain-stimulating musical perverts – hirnstimulierende musikalische Perverse

Das hier vorliegende „Good Things Bad People“ ist bereits das dritte Album der isländischen Band und erscheint nach einer Schaffenspause von langen elf Jahren. Und so kommt es einem fast vor, als wollten die Insulaner die verronnene Zeit mit möglichst großer Vielfalt wieder wettzumachen. Denn Ask The Slave vereinen nicht nur unterschiedliche Stile, sondern vor allem auch eine Unmenge unterschiedlicher Stimmungen: „Good Things Bad People“ klingt gleichzeitig heavy und düster, soft und schön, ernst und ärgerlich – sowie vor allem auch immer wieder wahnwitzig und albern.

Zu viel ins Detail gehen sollte man bei der Beschreibung dieser Scheibe alllerdings nicht, da dies dem Hörer die Überraschungen des ersten Hördurchgangs vorwegnehmen würde.

Fans von Bands wie Primus, Faith No More, 90er Jahre King Crimson, Tool und System of A Down sollten hier jedoch fast blind zugreifen können. Nicht notwendigerweise aufgrund der (definitiv bestehenden) musikalischen Parallelen, sondern vielmehr wegen des ähnlich gelagerten eklektischen Ansatzes, der alles möglich macht, jedoch niemals etwas erzwingt.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW22/2021

Freut euch auf schwere Riffs, großartige Refrains, bewegende Melodien und eingängige Hooklines und noch viel mehr auf krumme Takte, schrägen Humor sowie unvorhersehbare Drehungen und Wendungen. Und natürlich vor allem auf den all umfassenden kalkulierten Wahnsinn!
Bewertung: 13/15 Punkte

Tracklist:
1. ‚Catch 22‘ (2:43)
2. ‚Wounded Knee‘ (6:27)
3. ‚White Vigilante‘ (4:57)
4. ‚Good Things Bad People‘ (2:56)
5. ‚Katie Mae‘ (6:10)
6. ‚Slave‘ (2:46)
7. ‚The Beginning of the Blues‘ (4:21)
8. ‚Eulogy‘ (4:10)
9. ‚Tag, You’re It!‘ (6:18)
10. ‚Chain Gang‘ (4:09)
11. ‚Catch 33‘ (3:45)

Besetzung:
Elvar Atli Ævarsson (Gitarren & Gesang)
Hálfdán Árnason (Bass & Synthesizer)
Ragnar Ólafsson (Piano & Leadgesang)
Skúli Gíslason (Schlagzeug & Perkussion)
Valur Árni Guðmundsson (Gitarren & Gesang)

Gastmusiker:
Axel ‚Flex‘ Árnason (zusätzliche Perkussion & Programmierung)
Hörður Ólafsson (Erzählung – Track 6)
Ingólfur Ólafsson (Geschrei – Tracks 2, 5 & 9)
Lotta Ahlbeck (Violinen – Track 3)
Martin Machiedo (Chant – Track 3)
Sólveig Ásgeirsdóttir (Begleitgesang – Tracks 1, 5, 8 & 9)
Thomas Alexander Clark (Erzählung – Track 9)
Ólafur Ingólfsson (Stimme – Track 4)
Ingibjörg Svala Jónsdóttir (Stimme – Track 4)
Jón Björn Ólafsson (Stimme – Track 4)
Kana Yoneyasu (Stimme – Track 4)
Frosti Elvarsson (Stimme – Track 4)
Steinunn Lindbergsdóttir (Stimme – Track 4)
Málfriður Freyja Arnórsdóttir (Stimme – Track 4)
Emma Ævarsdóttir (Stimme – Track 4)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Crime Records via CMM GmbH zur Verfügung gestellt.