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Ozric Tentacles – Vitamin Enhanced

Ozric Tentacles - Vitamin Enhanced (Kscope/Edel, 30.04.21)(6 CDs, Digital, Kscope/Edel, 2021, 1984-1989)
Was heute wieder bei den Nerds en vogue ist, war in den 80ern ein bestimmender Teil der vitalen Undergroundszene: Veröffentlichungen auf Kassette. Noch bevor Ozric Tentacles ihre ersten regulären Alben auf Vinyl herausbrachten, war für die ersten Aufnahmen noch das gute alte Tapedeck als effektive Vervielfältigungsmöglichkeit angesagt. Einfach die Takes aus dem Proberaum klanglich etwas aufgehübscht, dazu noch eine kunterbunte Verpackung für das Kunststoffgehäuse kreiert, diese danach kopiert und voilà: schon war die kostengünstige Eigenveröffentlichung fertig, die man in erster Linie auf Konzerten an die Leute bringen konnte. Tja, in den 80ern war alles eben etwas rudimentärer und handgemacht.

“Vitamin Enhanced” ist die mittlerweile vierte Auflage der raren und gesuchten Frühwerke der britischen Kultband Ozric Tentacles. Einmal mehr wurden “Erpsongs”, “Tantric Obstacles”, “Live Ethereal Cereal”, “There Is Nothing”, “Sliding Gliding Worlds” und die Raritätensammlung “The Bit Between The Bits” als umfangreiche Werkschau vereint. In der Vergangenheit erschienen bereits diese MCs auf Vinyl und CD, für die aktuelle Ausgabe überarbeitete Ed Wynne, die treibende Kraft hinter den psychedelischen Space Rockern, nochmals den historischen Backkatalog in den heimischen Blue Bubble Studios. Die historischen Aufnahmen wurden remastered, um aus ihnen klanglich so viel wie möglich herauszuholen.

Natürlich darf man hier keinen High-End Genuss erwarten, denn dafür ist das originale Material klanglich eher in den Bereich authentisch und ungeschliffen einzuordnen. Auch hinkt der Vergleich mit den regulären Alben etwas, wirkt alles noch unfertiger und spontaner, ist die Band noch auf der Suche der eigenen Identität, selbst wenn zum Großteil bereits deutlich zu erkennen ist, wohin die rein instrumentalen Reisen einmal gehen werden. Deutlich inspiriert von Gong und Steve Hillage, wie ebenfalls gewisse Elemente von Kraan und sogar den frühen Santana zu erkennen sind, werden die klanglichen Abstriche durch spielerische Leidenschaft und jam-artigen Passagen mehr als wett gemacht. Ebenfalls gehörten bereits damals Elemente aus Dub, Reggae, ethnische Einflüsse und Ambient zur stilistischen Raffinesse.

Hinzu kommt noch eine großformatige Verpackung mit einem 48-seitigen Artbook, das diverse optische Eindrücke und Artefakte aus jener Zeit, einen kurzen Abriss der frühen Bandhistorie, sowie auch einige nette Anekdoten enthält. Eine wunderbare und überaus lohnenswerte Neuauflage der Anfangstage der Ozrics.
Bewertung: 11/15 Punkte

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Abbildungen: Ozric Tentacles / Kscope