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Hipokamp Projekt – Futurocklogia

Hipokamp Projekt - Futurocklogia (unsigned, 3.4.21)(66:12, Digital, Eigenveröffentlichung, 2021)
Ursprünglich begann das Hipokamp Projekt als Zusammenarbeit der polnischen Musiker Maciej Zamczała (Gitarre, Bass, Keyboards) und Łukasz Oliwkowski (Schlagzeug, Percussion). Für ihr drittes Werk holten sich die beiden die Quidam Musiker Zbigniew Florek (Keyboards) und Jacek Zasada (Flöte), sowie als Sprecherin die Schauspielerin Beata Kawka mit an Bord. Dummerweise (für uns deutsche Fans) sind nahezu alle Information, die man zur Band, sowie dem aktuellen Album “Futurocklogia” findet, komplett in Polnisch gehalten.

Doch mittels Hilfen aus dem Internet erfährt man – sofern die Übersetzungen stimmen – wesentlich mehr darüber, was hinter “Futurocklogia” steckt. Es handelt sich um ein Konzeptwerk, welches sich mit den in den 1940er Jahren geschriebenen Gedichten des berühmten polnischen Philosophen und Schriftstellers Stanisław Lem beschäftigt, der dort vor allem das Trauma des Holocausts verarbeitete, während er später besonders als renommierter Science-Fiction-Autor internationale Anerkennung erhielt. Die skurrilen Weltraumabenteuer seines Heldens Ijon Tichy wurden u.a. vor mehr als einem Jahrzehnt als freie Interpretation im ZDF bzw. ZDF Neo ausgestrahlt.

Das Material von “Futurocklogia” verbindet die literarische Kraft des Künstlers durch gesprochene Worte mit einer musikalischen Umsetzung, die sinfonisch-progressive Zutaten auf überaus interessante Weise vereint. Jede Menge instrumentale Exkursionen leben in einem Spannungsfeld zwischen melodischer Eleganz und satten Retro-Sounds. Es fehlt weder an überraschenden Wendungen, bombastischen Einflüssen, einigen wohl dosierten Ecken und Kanten (z.B. im dramatischen über 14-minütigen Longtrack ‘Cmentarz Polny / Piątką Przez Kraków’), wobei vor allem die elegant jubilierende Gitarre die dominante instrumentale Führungsrolle übernimmt.

Als kontrastreiche Begleitung sorgen geschmackvoll ausgewählte Keyboardsounds zwischen Mellotronteppichen und analogen Klängen für den nötigen Unterbau. Gelegentlich noch etwas Flöte dazu und fertig ist ein überaus kurzweiliges Werk, das vor allem durch seine lebendige, flirrende Instrumentalarbeit einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

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Abbildungen: Hipokamp Projekt