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Mogwai – As The Love Continues

Mogwai – As The Love Continues (Rock Action Records/[RIAS], 19.02.21)(1:01:24, Digital, CD, Vinyl, Rock Action Records/[PIAS]/Rough Trade, 2021)
Neun vollwertige Studioalben und diverse Live-Aufnahmen, Soundtracks und EPs haben uns Mogwai bisher in ihren 26 Jahren Bandgeschichte beschert und dabei den Sound des Post Rock-Genres so sehr geprägt wie kaum eine andere Band. „As The Love Continues“ ist nun das zehnte reguläre Album der Schotten und erscheint exakt ein Vierteljahrhundert nach deren Debütsingle ‚Turner’/’Lower‘ und nur wenige Monate nach dem Soundtrack für die Serie „ZeroZeroZero“.

Und schon nach wenigen Takten ist „As The Love Continues“ eindeutig als Mogwai-Album identifizierbar. Sprich, auf dem neuen Album der Formation aus Glasgow ist (fast) alles beim Alten geblieben. Langweilig wird es dadurch allerdings nicht, denn auf „As The Love Continues“ spielen Stuart Braithwaite (Gitarre), Dominic Aitchison (E-Bass, Gitarre), Martin Bulloch (Schlagzeug) und Barry Burns (Keyboard, Flöte, Gitarre, Bass) noch immer Post Rock auf aller höchstem Niveau.

„As The Love Continues“ beginnt in Form von ‚To The Bin My Friend, Tonight We Vacate Earth‘ mit sehr dezenten Tönen, sanftem Schlagzeugspiel und sparsamen Melodien. Ganz in Bandtradition legen die Schotten im Laufe dieses Stücks Soundschicht um Soundschicht übereinander, bevor der Einsatz verzerrter Gitarren und die so Mogwai-typische Laut-Leise-Dynamik das Stück in einer voluminösen, aber dennoch organischen Wall of Sound zu Ende gehen lassen.

Das anschließende ‚Here We, Here We, Here We Go Forever‘ wird durch piepende Synthesizer-Sounds eingeleitet, welche stilistisch an die schottischen Landsleute von Boards of Canada denken lassen. Die Melodieführung des Stückes ist so eingängig wie zuletzt vielleicht auf dem 2001er Album „Rock Action“, klingt jedoch so, als würden die Instrumente von einem Roboter gespielt werden.

Auch ‚Dry Fantasy‘ führt den sanften Tonfall seiner beiden Vorgänger weiter. Mogwai erzeugen hier eine fast schon isländisch anmutende, traumhafte Atmosphäre, so als ob die Elektronik-Experimentalisten von Múm im Studio vorbeigeschaut hätten.

Stilistisch eher in Richtung Indie Rock geht es beim vierten Stück der Platte, ‚Ritchie Sacramento‘. Eingängige Gesangsmelodien und eine tolle Gitarren-Hookline täuschen hier über die Tatsache hinweg, dass es sich textlich um ein eher trauriges Stück handelt. Es ist vielleicht das beste Gesangsstück, dass die Band aus Glasgow in ihrer langen Geschichte aufgenommen hat.

Bis zu diesem Zeitpunkt bilden die Songs von „As The Love Continues“ so etwas wie eine harmonische Einheit. Es ist der perfekte Soundtrack für die späten Abendstunden, mit welchem man die Geister der Nacht beschwören könnte. Doch spätestens nach gut zwei Minuten von „Drive In Nails“ ist es mit diesem Schmusekurs vorbei, denn der Songs macht mit seinem monotonen Industrial-Sound seinem Namen alle Ehre.

‚Fuck Off Money‘ schlägt mit seinen Vocoder-Spielereien in eine ähnliche Kerbe wie ‚Hunted By Freak‘ vom 2003er Album „Happy Songs for Happy People“, verliert aber den direkten Vergleich, da es zu lange braucht, um endlich in die Gänge zu kommen.

Dementsprechend gewaltig ist der Kontrast zum anschließenden ‚Ceiling Granny‘ , denn das Stück geht schon vom ersten Moment an ab wie Schmidts Katze. Wer bisher dachte, das Mogwai nur Post Rock könnten, der wird spätestens hier eines besseren belehrt, denn das Stück ist moderner Indie Rock im Pixies-haften Retrogewand.

‚Midnight Flit‘ bewegt sich mit seinem gefühlvollen Spannungsaufbau wiederum auf klassischem Mogwai-Terrain und überzeugt vor allem in der zweiten Songhälfte durch die von Atticus Ross (u.a. Nine Inch Nails) arrangierten Streicher.

‚Pat Stains‘ ist dann der einzige leichte Durchhänger des Albums, da das Stück ein wenig zu lange vor sich hin driftet. Leider kann daran auch der Gastbeitrag von Colin Stetson nichts ändern, da sein Saxofon-Spiel zu sehr im Hintergrund des Liedes bleibt.

In eine ganz andere Kerbe schlägt hiernach ‚Supposedly, We Were Nightmares‘, bei welchem das Zusammenspiel der Rhythmussektion im Fokus der Aufmerksamkeit steht.

Das abschließende ‚It’s What I Want To Do, Mum‘ schlägt dann noch einmal den Bogen zum Beginn der Platte, denn ähnlich wie bei ‚To The Bin My Friend, Tonight We Vacate Earth‘ gibt es hier noch einmal dezente Töne und sparsame Melodien. Ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“.

Und so geht ein weiteres Mogwai-Album zu Ende von dem man zu keiner Sekunde enttäuscht worden ist, von dem man aber auch nicht wirklich überrascht werden konnte. Doch zumindest kann „As The Love Continues“ mit den ersten vier Stücken einen der besten Albumeinstiege seit dem 2006er „Mr. Beast“ für sich verbuchen, darunter das wundervolle Vocals-Stück ‚Ritchie Sacramento‘. Vielleicht wäre es ja endlich einmal an der Zeit, dass sich Mogwai bei ihrem nächsten Album komplett auf Lieder mit Gesang einlassen. Zumindest wäre dies um einiges überraschender, als die hochqualitativen Instrumentalstücke, die zu oft nach altbekanntem Muster gestrickt sind.
Bewertung: 12/15 Punkten

Credit: Antony Crook

Tracklist:
1. ‚To The Bin My Friend, Tonight We Vacate Earth‘ (5:09)
2. ‚Here We, Here We, Here We Go Forever‘ (4:45)
3. ‚Dry Fantasy‘ (5:10)
4. ‚Ritchie Sacramento‘ (4:12)
5. ‚Drive The Nail‘ (7:14)
6. ‚Fuck Off Money‘ (5:53)
7. ‚Ceiling Granny‘ (3:58)
8. ‚Midnight Flit‘ (6:09)
9. ‚Pat Stains‘ (6:55)
10. ‚Supposedly, We Were Nightmares‘ (4:36)
11. ‚It’s What I Want To Do, Mum‘ (7:23)

Besetzung:
Stuart Braithwaite (Gitarre)
Dominic Aitchison (E-Bass, Gitarre)
Martin Bulloch (Schlagzeug)
Barry Burns (Keyboard, Flöte, Gitarre, Bass)

Gastmusiker:
Atticus Ross (Streicher-Arrangement – Track 8)
Colin Stetson (Saxofon – Track 9)

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Rezension: „Atomic: A Soundtrack“

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von [PIAS] zur Verfügung gestellt.