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Solstice – Sia

Solstice - Sia (GEP, 23.11.20)(50:53, CD, Giant Electric Pea, 2020)
In den 80ern wurden Solstice etwas irreführend der britischen Neo-Prog-Bewegung zugeordnet, wobei ihnen leider nie der große Durchbruch gelang. Daran änderte sich auch nichts, als man 1983 auf dem legendären Reading Festival auftrat, zu dessen Billing damals u.a. Marillion, Pallas, Pendragon. Twelfth Night und The Enid zählte. Bereits auf dem 84er Debüt „Silent Dance“ bevorzugte die Band aus dem englischen Milton Keynes einen geradlinigeren, dabei oft etwas süßlicheren, leicht folkigen Stilmix mit progressiver Einfärbung.

In größeren Pausen und mit wechselnden Besetzungen, bei denen Solstice vor allem durch Bandmitbegründer und Gitarrist Andy Glass zusammengehalten wurde, erschienen seitdem insgesamt fünf Studioalben. Mit „Sia“ (das gälische Wort für Sechs) liegt nun das neueste Werk vor, das – Nomen est omen – sechs Titel enthält, sowie als Bonus eine Neuaufnahme des von World Music beeinflussten Klassikers ‚Cheyenne‘.

Schon beim Einstieg, dem zwölfminütigen ‚Shout‘ begibt man sich auf eine hippieske Zeitreise. Die für die Band typischen Violinentöne und ein leichtfüssiges Sinfonik- bzw. Rock-Flair versprühen gleich eine relaxte Stimmung. Getragen von Sängerin Jess Holland wandelt der Opener zwischen verspielten, teils improvisativ wirkenden Instrumentalparts und griffiger Melodik. Dabei dominieren bei den Keyboards satte Orgelsounds, während das Gegeige für lässiges Folk-Feeling sorgt, durchbrochen von satten Gitarrenläufen. Das Ganze hat also wirklich keinerlei für die 80er Jahre typische Neo-Prog-Färbung. Sondern es geht kompositorisch und von der Ausstrahlung der Musik eher tief in die 70er zurück.

Auch wenn das Album aufgrund der aktuellen Gegebenheiten getrennt aufgenommen wurde, so durchzieht die Musik doch eine organische und vor allem sehr eigenständige Atmosphäre. Inhaltlich wechseln sich fragile, sparsam arrangierte Nummern wie z.B. ‚Long Gone‘ mit ausladenden, harmonischen Arrangements und ergreifenden Melodien ab. Besonders im Vergleich zum 2013er Vorgänger „Prophecy“ wirkt „Sia“ insgesamt ausgereifter und trotz seiner meist zurückhaltenden Art wesentlich zwingender. Vor allem das das Album abschließende ‚A New Day‘ beeindruckt mit sich steigernder Dynamik und wunderschöner, bombastisch-sinfonischer Melodieführung.

Beteiligt an den Aufnahmen war folgendes Line-Up:
Andy Glass – Gitarre
Pete Hemsley – Schlagzeug
Jenny Newman – Violine, Gesang
Jess Holland – Gesang
Robin Phillips – Bass
Steve McDaniel – Keyboards.

„Sia“ überzeugt mal besinnlich, mal ausschweifend, vor allem durch seinen wunderbaren, niemals platten Wohlklang, der das Album zusammen hält. Einfach schön.
Bewertung: 11/15 Punken

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Abbildungen: Solstice / Giant Electric Pea