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Our Oceans – While Time Disappears

Our Oceans – While Time Disappears (LongBranch, 27.11.20)

© Patrick Atkins

(54:56, Digital, Vinyl, CD, MC, Long Branch Records/SPV, 2020)
Our Oceans wurde ursprünglich als Seitenprojekt des Exivious– und Ex-Cynic-Gitarristen Tymon Kruidenier gegründet, um so seine Singer-/Songwriter-Einflüsse besser ausleben zu können. Zu ihm gesellten sich seine ehemaligen Exivious-Kollegen Michel Nienhuis an der zweiten Gitarre und Robin Zielhorst (Cynic, OneGodless) am Bass, sowie  Jasper Barendregt am Schlagzeug. Die zunächst angedachte finnische Sängerin Noora Hääkinen verabschiedete sich schnell wieder von dem Projekt, so dass Tymon Kruidenier letztendlich auch den Gesang übernahm. Die positiven Reaktionen auf das „Our Oceans“ betitelte 2016er Debütwerk führten in der Folge dazu, dass sich Exivious auflösten, so dass sich die Musiker auf ihre neue Band fokussieren konnten.

Im Jahre 2020 ist von der Ursprungsbesetzung Our Oceans‘ nicht mehr viel übriggeblieben, da Michel Nienhuis und Jasper Barendregt die Band mittlerweile verlassen haben. Während die Position hinter der Schießbude durch Yuma van Eekelen (Quadvium, ex-Pestilenz) neu besetzt worden ist, entschloss man sich dazu, das neue Album „While Time Disappears“ mit lediglich einem Gitarristen aufzunehmen. Our Oceans sind somit auf Trio-Stärke zusammengeschrumpft.

Vergleicht man den neuen Output mit dem vier Jahre alten Debütalbum, so kann man auf Anhieb feststellen, dass die Niederländer heute aggressiver und abwechslungsreicher klingen als auf ihrem Erstwerk. Schon der Opener ‚Unravel‘ beginnt mit Feedbacks und Noiseattacken, die auch gut von einer Blackgaze-Band stammen könnten.

Doch Our Oceans haben auf „While Time Disappears“ keinen Stilwechsel vollzogen, sondern ihren Klangkosmos lediglich erweitert. Noch immer spielen die Niederländer melancholisch-emotionalen Progressive-Rock mit Singer/Songwriter-Wurzeln und latenten Jazz-Einflüssen. Auch auf dem neuen Album treffen lyrische Fretless-Basslinien und kräftige Drums immer wieder auf fesselnde Gitarrenriffs. Einzig die Ausdrucksweise der Emotionen hat sich bei den neuen Stücken durch Stilmittel aus Post Rock und Noise Rock um einige Grade verschärft.

Auffallend ist auch die um Weiten bessere Vokalleistung von Bandkopf Tymon Kruidenier. Er ist zwar kein Sänger im klassischen Sinne, doch er ist ein Meister darin, Emotionen mit seiner Stimme auszudrücken. Kruidenier wechselt immer wieder zwischen flehendem Gesang, flüsterndem Sprechgesang und aggressivem Geschrei und bringt so große Gefühle wie Sehnsucht, Traurigkeit, Schweremut, und Schönheit aber auch Wut und Verzweiflung zum Ausdruck. Tymon selbst sagte zum Albumkonzept:

Fundamentally, Our Oceans is about an honest and personal portrayal of emotions, thoughts and experiences, at least it is for me. As such, ‘While Time Disappears’ conceptually is very much about the past five years of my life. It tells the story of seemingly being in a good place in life, unexpectedly being broken to your core, getting back up and overcoming. It’s a very dark album, in places, but ultimately, it does have a positive undertone

Während Tymons Geschrei und diverse Noiseattacken für den Hörer teils fast schmerzhaft und entsprechend schwer auszuhalten sind, fesseln Our Oceans bei anderen Gelegenheiten auf eine herzerwärmende Art und Weise, die in ihren besten Momenten an den legendären Jeff Buckley denken lässt.

Es ist genau dieser Gegensatz, der den Character von „While Time Disappears“ ausmacht, denn nur wer die schmerzhaften Erfahrungen aushalten kann, der weiß auch die ganz großen Gefühle zu schätzen, die diese Platte transportiert.
Bewertung: 12/15 Punkten (FF 12, KR 12)

Tracklist:
1. ‚Unravel‘ (04:49)
2. ‚Weeping Lead‘ (05:03)
3. ‚The Heart’s Whisper‘ (05:30)
4. ‚Motherly Flame‘ (05:34)
5. ‚Passing By‘ (04:42)
6. ‚Face Them‘ (05:28)
7. ‚Your Night, My Dawn‘ (06:58)
8. ‚You Take‘ (05:23)
9. ‚With Hands Torn Open‘ (05:59)

Besetzung:
Tymon Kruidenier (Gesang & Gitarre)
Robin Zielhorst (Bass & Gesang)
Yuma van Eekelen (Schlagzeug)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.