Abraham Sarache – Kaleidoscope of Dreams

(30:39, Digital, Eigenveröffentlichung, 2020)
Es ist immer wieder spannend, Künstler zu entdecken, die wirklich innovativ sind und Aspekte in die Welt der Musik einfließen lassen, die man in dieser Art zuvor noch nie gesehen, beziehungsweise gehört hat.

Der Wahl-Amsterdamer Abraham Sarache ist ein solcher Künstler, denn er hat ein Musikinstrument in die Rockmusik eingeführt, welches in dieser Form zuvor noch nicht gespielt worden ist. Es handelt sich dabei um die elektrische Variante der südamerikanischen Cuatro, einer vier-saitigen Ukulele-ähnlichen Kastenlaute, die vor allem im Norden Südamerikas verbreitet ist, insbesondere in Kolumbien und Venezuela, dem Heimatland Saraches. Ihren charakteristischen Klang erhält die Cuatro dadurch, dass ihre vierte Saite im Vergleich zu einer Ukulele eine Oktave tiefer gestimmt ist. Sie ist ein Rhythmusinstrument, das nicht nur durch Zupfen gespielt wird, sondern durch schnelles rhythmisches Anschlagen auch als Percussion funktioniert. Abraham Sarache spielt das Cuatro allerdings nicht nur elektrisch und verzerrt, sondern er benutzt es untypischerweise auch als Lead-Instrument. Das Ergebnis ist die Erweiterung des Klangkosmos der progressiven Rockmusik um wahrlich unerhörte Aspekte.

Sarache veröffentlichte sein erstes Album “The Gardener” bereits im Jahre 2016. Kurze Zeit später stießen dann der schottische Bassist Tristan Turner sowie der russische Schlagzeuger Garri Snowman zu ihm dazu, so dass aus dem Soloprojekt eine wirkliche Band wurde. Gemeinsam nahmen sie eine erste EP auf, welche im Jahre 2018 unter dem Titel “Kaleidoscope of Fears” auf den Markt kam. Das nun veröffentlichte “Kaleidoscope of Dreams” (mit dem Chilenen Giuliano Squadrito am Schlagzeug) ist quasi das Zwillingsalbum zu seinem Vorgänger, denn beide EPs beschäftigen sich thematisch mit der zwischen 1981 und 1996 geborenen Generation Y, deren Angehörige auch als Millennials bekannt sind. Während bei “Kaleidoscope of Fears” die negativen Einflüsse im Mittelpunkt standen, welche die Generation Y auf die moderne Gesellschaft hat, rückt sein Nachfolger “Kaleidoscope of Dreams” deren positive Aspekte in den Mittelpunkt.

Musikalisch ist “Kaleidoscope of Dreams” zwischen Post Rock, Progressive Metal und dem Alternative der 90er Jahre beheimatet. Abraham Sarache selbst gibt unter anderem A Perfect Circle, Deftones und Faith No More als Einflüsse an, obgleich die technisch überzeugende Rhythmusabteilung bei mir eher Erinnerungen an Primus aufkommen lässt. Doch es ist nicht die Musik, die einen zurück in die 90er versetzt, sondern vielmehr Saraches Gesangsorgan, welches perfekt auf eine jede Grunge-Platte gepasst hätte. Auffallend anders zu ähnlichen Bands ist natürlich das Cuatro Electrico, das auf dieser EP in Gänze die Gitarren, inklusiver derer Soli, ersetzt. Vor allem, wenn es, wie im Post Rock typisch, zur Erzeugung jaulend-repetitiver Klänge eingesetzt wird, entstehen völlig neue Soundscapes. Das Sahnehäubchen sind allerdings die Einlagen, die Abraham Sarache auf der akustischen Cuatro spielt, da sie der Platte ein leicht südamerikanisches Flair verleihen.

Alles in allem ist “Kaleidoscope of Dreams” ein technisch komplexes wie emotional berührendes Album, das über Weiten vertraut, doch an manchen Ecken auch erfrischend anders klingt. Es ist Progressivität, wie ich sie mir wünsche: experimentell, innovativ, kreativ und vor allem exotisch!
Bewertung: 12/15 Punkten (FF 12, KR 12)

Tracklist:
1. Kaleidoscope of Dreams (4:58)
2. Sentiment Analysis (5:00)
3. A Forest of Hope (5:08)
4. Submergence (6:20)
5. Wabi-Sabi (9:13)

Besetzung:
Abraham Sarache (Gesang & Cuatro)
Tristan Turner (Bass & Begleitgesang)
Giuliano Squadrito (Schlagzeug & Percussion)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Abraham Sarache zur Verfügung gestellt.