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Kaskadeur – Uncanny Valley

Abbildung: Kaskadeur

(36:19, Vinyl, CD, Digital, Noisolution/Soulfood, 2020)
Kaskadeur? Der Name wird sicherlich noch nicht allzu geläufig sein. Doch das wird sich hoffentlich bald ändern können. Die Gründe dafür sind zweierlei: zunächst ist da das vorliegende Debüt, welches gar kein Debüt ist. Und dann ist da noch die Tatsache, dass es sich bei den vier Musizierenden um alles andere als Unbekannte handelt. Aber Schritt für Schritt.

Im sonnigen Potsdam gab es einmal eine Band namens Stonehenge. Das Quartett aus Brandenburg machte sich einen Namen, indem sie auf mehreren Alben und EPs sowie auf vielen Bühnen ihren progressiven und doomigen Stoner Rock präsentierten. Das ging soweit, bis die musikalische Entwicklung der Band so weit fortschritt, dass das Genre Stoner Rock nicht mehr die richtige Kragenweite zu sein schien. Stonehenge wurden kurzerhand aufgelöst. Und noch im selben Atemzug wurde von den selben vier Menschen die Band Kaskadeur gegründet. Der Neuanfang eröffnete künstlerische Tiefen und Weiten, die nun auf dem ersten Album unter neuem Namen präsentiert werden.

„Uncanny Valley“ setzt sich aus sechs Liedern zusammen, von denen fünf Stück jeweils durch eine kurze Einleitung begleitet werden. Für etwas länger als eine halbe Stunde werden Grenzsteine zwischen Genres und Stilen im freudigen Tanzschritt übersprungen, neu gesetzt oder komplett ad absurdum geführt. Stoner Rock? Mathrock? Post Rock? Prog Rock? Psychedelic Rock? Die Antwort fällt in jedem Fall positiv aus und trifft doch nie hundertprozentig zu. Kaskadeur fahren mit Vollgas im Rückwärtsgang an der Szenepolizei vorbei und halten höchstens zum Tanken.

„Uncanny Valley“ ist die vollendete Anarchie, die man erhält, wenn Chaos, Genie und Wahnsinn sich im goldenen Schnitt treffen und ihre innere Ordnung finden. Es ist ein Album, das so voller Überraschungen und Wendungen steckt, dass sie eine Einheit bilden. Schwer greifbar und doch eingängig.
Bewertung: 13/15 Punkten

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