Weserbergland – Am Ende der Welt

Weserbergland - Am Ende der Welt (Apollon, 15.4.20)(42:35, CD, Vinyl, Digital, Apollon Records, 2020)
Wer sich hier nur vom Bandnamen und Albumtitel leiten lässt, wird schnell auf die falsche Fährte geführt. Denn bei Weserbergland handelt es sich um eine norwegische Formation, die bereits bei ihrem Debüt “Sehr komisch, ganz progisch” die deutsche Sprache als verwirrendes Element heranzogen. Andererseits: so ganz unlogisch ist diese Herangehensweise nicht, denn in Teilen der elektronischen Komponente der Kompositionstechnik sind durchaus teutonische Wurzeln Richtung Krautrock und Elektronik zu finden. Der Nachfolger “Am Ende der Welt” fügt als Ergänzung noch moderne Klassik- und Freiform-Elemente hinzu.

Die gerade aus zwei Titeln – passend für die Vinylausgabe in “Am Ende der Welt Side A” und “Am Ende der Welt Side B” tituliert – bestehenden, rein instrumentalen Klang- und Soundexkursion setzen auf die Verbindung von Computersounds mit “echten”, teils klanglich verfremdeten Instrumenten, sowie der Verwendung von Turntables. Die Verschmelzung von abstrakten Elektronikklängen und stolpernder Rhythmik mit Breakbeats hin zu weichen Violenklängen sind fließend. Die Grenzen zwischen Kunst, extremen Kontrasten und unbekannter Klanästhetik sind an dieser Stelle dominierende Merkmale.

Es handelt sich jedoch keineswegs um Avantgarde um jeden Preis. Die gelegentliche Melodieführung, der monoton sich steigernde Aufbau, der Wechsel aus weichen und harschen Momenten eröffnen gemeinsam neue Blickweisen, auf die man sich zweifellos einlassen muss. Gerade im Endteil von “Side A”, sowie im Großteil von “Side B” geht es recht wild, krachig, wüst und sehr extrem zur Sache, was für einige Zuhörer sicherlich komplett zu viel sein wird. Man kann dies natürlich auch rein sportlich betrachten: was bin ich bereit auszuhalten, bis es (mir) zu viel wird?

Hinter diesem Bandprojekt steckt in erster Linie Ketil Vestrum Einarsen (u.a. Pymlico, Gaute Storvse Trio, Suburban Saves, Kaukasus, +Ingelrii+), der die Musik schrieb, produzierte und abmischte, wobei als alleiniges Instrument “Computer” angeführt ist. Als Gäste sind beteiligt: Gaute Storsve – Prepared Guitar, Jan Terje Augestad – Prepared Piano, Jørgen Mathiesen – Saxophon, Maria Grigoryeva – Streichinstrumente und Molesome an den Turntables. Für das Mastering zeichnete sich zudem Jacob Holm-Lupo (u.a. White Willow, The Opium Cartel) zuständig.

“Am Ende der Welt” ist vielleicht kein Ort, an dem man allzu oft hinreist, er offenbart jedoch für offene Ohren experimentelle, neue spannende Eindrücke und wagt bisweilen den Blick über das Ende hinaus.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

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Abbildungen: Weserbergland / Apollon Records