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Jelly Fiche – Comme au dernier jour

Jelly Fiche - Comme au dernier jour (unsigned, 26.4.19)(42:26, Digital, Eigenveröffentlichung, 2019)
Mit den beiden Alben „Tout ce que j’ai rêvé“ (2008) und “ Symbiose“ (2011) lieferten die Franco-Kanadier Jelly Fiche zwei wunderbare Kleinodien ab, die ganz in der prog-musikalischen Tradition der heimischen Quebec-Szene anzusiedeln sind, auch wenn die Band ursprünglich aus Montréal stammt. Die Verbindung aus chansonesker Lässigkeit gepaart mit fein verwobenen sinfonischen, atmosphärischen Progelementen, erfuhr vor allem auf dem Debüt ihre perfekte Umsetzung.

Es wurde sehr lange ruhig um die Band, bis man vor mehr als einem Jahr „Comme au dernier jour“ veröffentlichte. Dass erst jetzt dieses Album an dieser Stelle besprochen wird, lässt schon erahnen, dass hier wohl irgendwas schief gelaufen ist. Oder sagen wir es anders: die Band ist zwar grundsätzlich ihrem melodischen Ansatz treu geblieben, hat dabei jedoch größtenteils einen songdienlichen, weniger sinfonischen Ansatz gewählt. Somit tendiert der ursprüngliche Art Rock der Kanadier nun meist hin zu „normaler“ Rockmusik, die zwar atmosphärisch unterfüttert und vielschichtig arrangiert wurde, aber in ihrer Gesamtheit eben eine komplette stilistische Richtungsänderung darstellt.

Während der Titelsong noch eine gewisse Verbindung zur eigenen musikalischen Vergangenheit erkennen lässt, ist das folgende Material um einiges geradliniger, direkter, hin und wieder mit französisch geprägtem, leicht folkigen Touch ausgestaltet. Gefällig und ansprechend anzuhören, teilweise mit Saxophon, weiblichem Backgroundgesang und Streichinstrumenten verfeinert, aber eben sehr weit weg von den früheren Großtaten. Dafür decken Jelly Fiche in ihrem neuen Terrain ein breites Spektrum von akustisch geprägten, melancholischen Balladen, bluesigen Momenten bin zu fast schon wavigem, treibenden Rock ab.

Somit haben sich Syd Bédard (Gesang, Bass), Jean-François Arsenault (Gitarre), Eric Plante (Keyboards, Saxophon) und Jean Ainsley (Schlagzeug) gewollt neu ausgerichtet. Einzig das Album abschließende, über 10 Minuten lange ‚Fenêtre ouverte‘ stellt als inhaltlicher Gegensatz so etwas wie eine musikalische Rückkehr dar und ist vor allem von einer lässigen, sehr, sehr deutlich an 70er Jahre Pink Floyd erinnernden Stimmung und Verwendung ähnlicher Sounds durchzogen.

Ein stilistischer Neuanfang für Jelly Fiche, dem man entsprechend der eigenen Offenheit eine neue Chance geben kann.
Bewertung: 9/15 Punkten (nahezu ohne Progfaktor)

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Abbildungen: Jelly Fiche