Traumhaus – In Oculis Meis

(49:11, CD, Vinyl, Digital, Progressive Promotion Records, 2020)
Sieben Jahre nach “Das Geheimnis” melden sich Traumhaus mit einem in Latein verfassten Albumtitel “In Oculis Meis” (dt. Übersetzung: In meinen Augen), sowie einer Umsetzung des neuen Materials in deutscher, sowie überraschenderweise auch in englischer Sprache zurück. In der Besetzung Alexander Weyland (Gesang, Keyboards, Programming), Tobias Hampl (Gitarre), Till Ottinger (Bass) und Ray Gattner (Schlagzeug) hat man acht neue Stücke eingespielt und orientiert sich stilistisch an einer elegant ausgedachten und verschachtelt umgesetzten Mixtur aus hymnischer, melodietrunkener Sinfonik, unterfüttert von einer prog-metallischen Note.

Standen in der Vergangenheit vor allem die Keyboards im Vordergrund, tritt die Gitarre auf “In Oculis Meis” mit erhöhtem Härtegrad und Riffing noch etwas mehr in den Fokus. Auch die Tastensounds wurden klanglich leicht verändert, mitunter verschoben von den analogen Orgel- / Mellotronklängen des 2013er Vorgängers “Das Geheimnis” teils hin zu moderneren, Elektronik-lastigeren Sounds, ohne aber ganz auf einen gewissen Retro-Anteil zu verzichten.

Auf epische Longsongs, wie noch vom Vorgänger gewohnt, wird ebenfalls verzichtet, sondern alles bewegt sich bis auf den zweiminütigen Opener ‘Das Erwachen’ / ‘The Awakening’ im Bereich von fünf bis neun Minuten. Dennoch ist der modifizierte Stil sowohl von den wuchtigen Arrangements, wie ebenfalls in der klanglichen Ausgewogenheit eindeutig als Traumhaus identifizierbar. Soweit die groben Eckpfeiler von “In Oculis Meis”.

Verpackt in abwechslungsreiche Arrangements verleiht die neue Härte, gepaart mit ordentlichem Sinfonikbombast, dem Traumhaus Material wesentlich mehr Druck. Dabei fehlen keineswegs verzwirbelte Instrumentalpassagen, wie z.B. im powervollen, mit einigen Mellotron-Passagen versehenen ‘Verstehen & Bewahren’ / ‘ Understand And Preserving’. Die ganz offensichtlichen Retro-Prog-Elemente bleiben jedoch dieses mal meist außen vor, der Grundansatz wirkt insgesamt zeitgemäßer. Abgesehen von den angesprochenen Veränderungen liegt hier wiederum ein packendes Album vor, das sowohl musikalisch, als auch textlich auf hohem Niveau agiert.

Was die sprachliche Ausrichtung angeht, so bleibt dies letztendlich Geschmackssache. Da Traumhaus schon immer sehr gelungene lyrische Texte in deutscher Sprache verfassten, so schielt die englische Version wohl mehr auf den internationalen Markt. Einen doppelsprachigen Versuch unternahmen in der Vergangenheit schon andere Bands (siehe “Jumbo” von Grobschnitt oder diverse Alben von P.F.M.). Authentischer und passender wirkt nach eigenem Gusto jedoch hier die Muttersprache. Auf der Doppel-CD sind übrigens beide Sprachversionen vereint, Digital und auf Vinyl hat man die Wahl. Wobei sich die auf 250 Exemplare limitierte Vinylversion aufgrund der aktuellen Situation leider noch einige Wochen verzögert.

Ansonsten gilt kurz und knapp: Traumhaus ist mit leichter Richtungsveränderung ein weiteres sehr gutes Album gelungen.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 12, KR 12, KS 12)

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Abbildungen: Traumhaus