Various Artists – A Tribute To Keith Emerson & Greg Lake

(48:49, CD, LP, Digital, Purple Pyramid Records / Cleopatra Records, 2020)
Es gab mal Zeiten, da hatte ich selbst noch Lust auf Tributealben. Das hat sich jedoch nach einigen Jahren schwer gelegt, da die Resultate musikalisch immer uninteressanter wurden. Besonders Purple Pyramid Records setzen noch immer auf diese Schiene, wobei deren unzähligen Tribute Alben leider mittlerweile eher berühmt berüchtigt sind. Es ist natürlich erst einmal lobenswert, wenn man vor allem das Werk von bereits verstorbenen Musikern würdigen möchte oder den eigenen Idolen seine Ehrerbietung darbringt, aber gerade in der Vergangenheit waren die musikalischen Huldigungen bei diesem amerikanischen Label eher von bekannten Namen, denn von musikalischer Inspiration oder inhaltlichen Wagnissen geprägt. Nun sind also die leider so früh verstorbenen Keith Emerson und Greg Lake an der Reihe.

Auf den ersten Blick alles wie gewohnt, jede Menge bekannte Musiker, die sich an das Vermächtnis beiden heranwagen, als da wären (in der Reihenfolge ihres Auftretens): Todd Rundgren, Brian Auger, Leslie Hunt, Derek Sherinian, David Sancious, Jon Davison, Larry Fast, Thijs van Leer, John Wesley, Patrick Moraz, Sonja Kristina, Steve Porcaro, Martin Turner, Geoff Downes, Aaron & Ethan Emerson, Arthur Brown, Jordan Rudess und logischerweise der bei nahezu jedem Tributealbum vertretene Billy Sherwood. Zudem darf – als Bonustitel auf der CD – noch The Royal Philharmonic Orchestra eine ELP Suite aus ‘Tarkus’ und ‘From The Beginning’ interpretieren.

Natürlich denkt man zuerst bei den zwei gewürdigten Musikern an Emerson Lake & Palmer, auch wenn sie daneben einen musikalische Fußabdruck bei z.B. The Nice, King Crimson oder mit ihrem Solomaterial, sowie den ELP-nahen Ablegern Emerson Lake & Powell oder 3 hinterließen. So ist bis auf King Crimsons ’21st Century Schizoid Man’ (mit ‘America’ Einschub), im Original von Greg Lake gesungen, das restliche Material komplett aus dem Fundus von ELP. Dabei sind bei den elf Titeln jede Menge Klassiker wie ‘Fanfare For The Common Man’, ‘Lucky Man’, ‘Hoedown’ oder ‘Still…You Turn Me On’, sowie Ausschnitte von ‘Karn Evil 9’ bzw. ‘Tarkus’ am Start. Doch bleibt natürlich die bange Frage: wie werden diese interpretiert? Sind neue interessante Ansätze zu finden, die den Originalen eine andere Sichtweise geben oder wird einfach nach besten Wissen und Gewissen nur nachgespielt?

Nun ja, es wird eigentlich “nur” nachgespielt und damit die Chance vertan mehr als nur ein weiteres Album voll Cover_Versionen im allseits bekannten Gewand zu präsentieren. Ein kurzer jazziger Ausflug von David Sancious oder Flötenparts von Thijs van Leer sind da die wenigen instrumentalen Ausnahmen. Gerade beim Nachspielen der Soloparts wird dann jedoch offensichtlich, welch begnadeter Virtuose Keith Emerson war, denn seine Kollegen tun sich mitunter etwas schwer damit, sein Spiel zu kopieren. Positiv stechen hier besonders Derek Sherinian (‘A Time And A Place’), Patrick Moraz (‘Hoedown’), Jordan Rudess (‘Karn Evil #9 1st Impression Part 2’), sowie die verwandschaftlich zu Keith Emerson verbundenen Aaron & Ethan Emerson (‘Fanfare For The Common Man’) heraus.

Ebenso kommt beim Gesang niemand an Greg Lake heran, doch die meisten Leistungen sind mit ihrem eigenen Timbre als durchaus gelungen zu bezeichnen. Dummerweise gibt es jedoch mit Sonja Kristinas (Curved Air) Version von ‘Still…You Turn Me On’ einen stimmlichen Totalausfall zu beklagen. Und Arthur Brown s Fassung von ‘Karn Evil #9 1st Impression Part 2’ scheint sprechgesanglich völlig überdreht. und ist zumindest auf sehr eigene, etwas befremdliche Art interpretiert.

Die allgemeine Umsetzung ist letztendlich solide und professionell, aber eben einfach zu nah an den Originalversionen angelehnt. So reiht sich dieses Tribute-Album letztendlich in den nie endenden Tribute-Katalog von Purple Pyramid ein. Wer diesen komplettieren möchte, ist herzlich eingeladen, ansonsten ist man mit Originalen besser bedient.
Ohne Bewertung

Surftipps zu Keith Emerson:
Homepage
Facebook
Twitter

Surftipps zu Greg Lake:
Homepage
Facebook
Wikipedia
Twitter

Presseinfo:
Glass Onyon

Abbildungen: Purple Pyramid Records