SBB – Budapest 1978

(42:30 + 49:42, CD, Universal Music Polska, 2019)
Mitunter kann man selbst als enthusiastischer Fan den Überblick verlieren. Die Anzahl an Livealben bzw. Neuauflagen ist im Fall von SBB so riesig, dass das vor einigen Monaten veröffentlichte “Budapest 1978” ganz locker unter dem eigenen Radar hindurchlief. Denn es existierte bereits seit längerer Zeit ein Album vom gleichen Veranstaltungsort, nämlich dem Budai Ifjusagi Park in Budapest, doch stammt dieses aus dem Jahr 1977. Also mit einiger Verspätung doch noch zugegriffen und damit die eigene Sammlung um ein weiteres Album aus dem in der Bandhistorie überaus produktiven Jahr 1978 erweitert.

Der Konzertmitschnitt aus Budapest vom 22.7.1978, der damit rund drei Wochen nach dem Auftritt auf dem legendären Roskilde Festival entstand, bietet rund 90 Minuten SBB in Bestform. Zwar kennt man einen Großteil des Materials und deren Präsentation vor allem durch andere Auftritte aus dem gleichen Jahr, doch wer sich mit den polnischen Progressive Rockern intensiver beschäftigt, der weiß, dass auch immer Platz für ausgiebige Improvisationen bleibt. Das Trio Józef Skrzek (Gesang, Keyboards), Apostolis Anthimos (Gitarre, Schlagzeug) und Jerzy Piotrowski (Schlagzeug) setzt vor allem auf ein umfangreiches Tastenarsenal, sehr viel Atmosphäre und teils temporeiches Spiel, schon der grandiose Einstieg mit dem unverwüstlichen Instrumental ‘Walkin’ Around The Stormy Bay’ nimmt gewaltig Fahrt auf.

Bis auf ein umgefallenes Mikro, das kurzfristig einen bösen Knall erzeugt und einer zu früh eingesetzten Blende gegen Ende des Konzerts ist der Sound, wohl direkt vom Mischpult mitgeschnitten, soweit in Ordnung, auch wenn alles etwas trocken und sehr direkt aus den Boxen dringt. Doch machen die mitreißende Spielfreude, die instrumentalen Interaktionen an Gitarre und Keyboards dieses Manko mehr als wett. Gerade 70er Jahre Klassiker bzw. Longtracks wie ‘ Ze słowem biegnę do ciebie’, ‘Going Away’ oder ‘Follow My Dream’ werden auf der Bühne wesentlich energetischer und mit verspielter Leidenschaft präsentiert, geht alles zudem nahezu übergangslos ineinander über und beweist einmal mehr, mit welcher progressiven Power SBB zu ihrer Blütezeit agierten.
Bewertung: 11/15 Punkten

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Abbildungen: SBB / Autor