Le Orme – Sulle Ali Di Un Sogno

(41:00, CD, LP, RCA Records, 2019)
Songrecycling, die Zweite. Wie beim 2017er Le Orme Album “ClassicOrme“, als ein Streifzug durch die eigene Historie mit klassischer Unterstützung unternommen wurde, ist auch “Sulle Ali Di Un Sogno” eine Songsammlung mit größtenteils altem Material (plus zwei neue Songs), welches neu interpretiert wurde. Wo verbirgt sich denn nun der tiefere Sinn darin, erneut den Blick in die Vergangenheit zu richten?

Da wäre zunächst der eigentliche Grundgedanke, nämlich einen Teil des Materials rein akustisch neu zu interpretieren, sowie den anderen Teil von der aktuellen Besetzung neu einzuspielen. Weiterhin wurde als Gast ex-King-Crimson-Geiger David Cross verpflichtet, der mit seinem sanften, den neuen Arrangements angepassten Stil, einigen Songs nochmals eine gänzlich andere klangliche Färbung verpasst.

So wurden im ersten Teil des Albums die Songs im Grunde genommen komplett entkernt, größtenteils von jeglicher instrumentalen Wucht und jeglichem Bombast befreit und präsentieren sich nun in einem fragilen, nahezu kammermusikalischen Korsett fast ohne Schlagzeug. Damit entsteht eine sehr entspannte, geradezu meditative Stimmung, bei der die weiche Seite von Le Orme noch mehr Betonung erfährt.

Der Grat zum gelegentlichen Schmalz ist hin und wieder fließend. Vor allem bei den beiden Gesangstiteln, dem von Gastsängerin Francesca Michielin intonierten ‘Gioco Di Bimba’ , sowie das vom klassischen Tenor Eero Lasorla interpretierten ‘La Via Della Seta’. Aber diese etwas übertrieben emotionale Note war ja schon immer ein Kennzeichen der Italo-Prog-Dinosaurier.

Eingespielt vom einzig übrig gebliebenen Originalmitglied Michi Dei Rossi (Schlagzeug, Percussion, Glockenspiel), zusammen mit Alessio Trapella (Gesang, Bass, Kontrabass), Ivan Geronazzo (akustische und elektrische Gitarre) und Michele Bon (Hammondorgel, Klavier, Synthesizer, Keyboards) werden dann im zweiten Teil des Albums wieder die Stecker eingestöpselt und die Instrumente elektrifiziert. Vor allem durch vermehrten Gitarreneinsatz wird der ansonsten von Le Orme gewohnten Keyboardwucht ein neuer, wesentlich rockigerer Kontrapunkt gesetzt.

Doch kommen gleich zwei Einschränkungen hinzu. Der neue Frontmann Alessio Trapella hat eine ordentliche, jedoch eher unauffällige Stimme, kann sich somit nicht mit dem langjährigen Sänger / Bassisten Aldo Tagliapietra messen. Ebenso sind die zwei neuen Titel eben “nur” Rock (‘La Danza Di Primavera’), während ‘Un Altro Cielo’ auf die wohlbekannte Akkordfolge von Johann Sebastian Bachs Air aus der Suite Nr. 3 D-Dur baut (vgl. auch Procol Harums ‘A White Shade Of Pale’).

Insgesamt ein Album mit Licht und Schatten und damit wohl eher für Le-Orme-Komplettisten interessant.
Bewertung: 9/15 Punkten

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Abbildungen: Le Orme / RCA Records