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Sean Noonan Pavees Dance – Tan Man’s Hat

Sean Noonan Pavees Dance - Tan Man's Hat(65:19, Vinyl, CD, Digital, RareNoiseRecords, 2019)
Sean Noonan bevorzugt die Bezeichnung ‘rhythmic storyteller’. Weil hier eigentlich alles drin ist, was den Vorzeigeschlagzeuger auszeichnet. Der Schlagzeuger, der 2016 die “Zappanation Rock Opera” verzapfte und sich seit 1999 mit Projekten wie The Hub, dem MoonWard Duo, dem Memorable Sticks Trio oder mit diversen, im Universum ethnischen Drummings flanierenden Soloveröffentlichungen einen Namen machte, hat seit 2014 einen ganz speziellen Trumpf im Ärmel.

Hier erschien nämlich “There’s Always The Night”, das Debüt seines Pavees Dance, mit welchem er eine Riege an hochkarätigen Mitstreitern präsentierte. Da ist erst einmal Malcolm Mooney, ehemals Sänger der legendären Can, Bassist Jamaaladeen Tacuma zupfte den Tieftöner einst bei Ornette Coleman’s Prime Time, Gitarristin Ava Mendoza sorgt bei den New Yorkern Experimentalrockern Unnatural Ways für offene Münder und rangiert nebenbei in der ‘Guitar World’ unter den ’10 Female Guitarists You Should Know’ und Keyboarder Alex Marcelo verdient sich sonst seine Brötchen bei Yusef Lateef. Womit sich Sean Noonan hier wirklich ein kongeniales Ensemble zusammengestellt hat, welches bei Pavees Dance die Möglichkeit hat, so richtig vom Leder zu ziehen.

Auch hier, auf “Tan Man’s Hat”, dem zweiten Release dieses beeindruckenden Konglomerats, regiert der Geist der drei ‘Z’ – Zappa / Zorn / Zawinul. Wie, um das gleich von Anfang an zu bestätigen, startet das Album mit dem jazzig/experimentellen ‘Boldly Going’, in dem schon alle Beteiligten, vor allem aber Keyboarder Alex Marcelo, zur absoluten Hochform auflaufen. ‘Gravity And The Grave’ kollabiert zur fast schon kompromisslosen Materialschlacht in Noise’n Freerock, ‘Tell Me’ kommt mit der Wucht Crimson’schen Artrocks auf Speed. Dahingehend lässt sich ein ‘Turn Me Over’ relativ beschwingt und harmonisch an, wobei man aber eben nicht die Rechnung mit der Lauflänge dieses Kalibers gemacht hat, das, wie erwartet, in einen Pavees Dance-kompatiblen zappaesken Experimentalrocker umschlägt.

Hier ist wirklich alles Chaos, wo Sean Noonan Pavees Dance draufsteht. Wie, um die Ausnahmen wieder die Regel bestätigen zu lassen, empfiehlt sich das Projekt inklusive eines sehr aufgeräumt croonenden Mooney mit dem balladesken ‘Winter Inside’. Nach diesem intensiven Marathon ein guter Zeitpunkt zum Durchatmen.
Bewertung: 11/15 Punkten (CA 11, KR 11)

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