Rise Twain – Rise Twain

(50:18, CD, InsideOut Music/Sony Music, 2019)
Hinter Rise Twain steckt das musikalische Duo Brett William Kull (vor allem bekannt als Gitarrist / Sänger von Echolyn, aber ebenfalls als Produzent, Toningenieur, Musiklehrer tätig, gleichfalls Bandmitglied von Grey Eye Glances und Francis Dunnery’s New Progressives, der Band um ex-It Bites Frontmann Francis Dunnery) und J.D. Beck (Beck-Fields, The Scenic Route). Beide Songwriter und Multi-Instrumentalisten stammen aus Philadelphia und trafen bereits 2007 aufeinander, als Kull J.D.s Band The Scenic Route produzierte. Man blieb über die Jahre im Kontakt, das Endresultat der ersten gemeinsamen Zusammenarbeit liegt nun vor.

Die Musik von Rise Twain weist nicht unbedingt offensichtliche progressive Merkmale auf, sondern steht mehr in einer musikalisch sehr offenen Tradition amerikanischer Singer / Songwriter. Dennoch ist auf ihrem Debütalbum erkennbar, dass man über ein Faible für verschachtelte Arrangements verfügt und auf anspruchsvolle, keinesfalls alltägliche Arrangements setzt. Selbst wenn die unterschwellig eingängigen zehn Songs des Debüt im Bereich zwischen drei und sechs Minuten angelegt sind, gehören subtile Zwischentöne und teils zurückgehaltene, teils euphorische Passagen zum Repertoire des amerikanischen Duos. Zwar ist man augenscheinlich im Rockbereich zu Hause, doch steckt hinter der Musik ein deutlich vernehmbarer Qualitätsanspruch.

Wer bereits die Soloalben von Brett Kull kennt, weiß, dass dieser musikalisch eben nicht nur im progressiven Fahrwasser unterwegs ist, sondern sein musikalischer Horizont wesentlich weiter gefasst ist. Doch ist es vor allem J.D. Beck, der besonders mit seiner ergreifenden Stimme dieses Album bestimmt. Oder wie Kull ihr erstes Treffen umschreibt als “..eine Art Jeff Buckley-Ding, ich war sofort gefangen von seinem Gesang”. Gerade der Name des viel zu früh verstorbenen Jeff Buckley wird von Kull mehrfach erwähnt, den er zudem als jemanden bezeichnet, der alles von R&B, Gospel bis Rock abdeckte, aus seiner Sicht damit ein wirklich progressiver Künstler war.

Diese Zweier-Kollaboration überzeugt vor allem durch ihre musikalische coole Lässigkeit, rockmusikalische Offenheit, die augenscheinlich durch den gemeinsamen Respekt, aber ebenso mit jeder Menge Spaß funktioniert. Man verzichtet wohl ganz bewusst auf ausschweifende instrumentale Exkursionen, setzt lediglich auf kurze Soloparts. Es dominiert die kompositorische Kraft, ohne auf Dynamik, gewisse Bombastpassagen, gleichfalls ergreifende Melodien und einen organischen, sehr dichten Gesamtsound zu verzichten.

Kull zieht sich als Sänger bei diesem Projekt zwar weitgehend zurück, überlässt das gesangliche Feld meist seinem Mitstreiter, dafür punktet er aufgrund seiner Produzententätigkeit mit einer warmen, natürlich klingenden Produktion. Auf den Punkt gebracht: zeitlose, feingliedrige Rockmusik von hoher Qualtität.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

Rise Twain (Foto: William Schwartz)

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