Night Of The Prog 2019 – Festivalbericht

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Freitag 19.07.2019:

Am Vorabend des Festivals bereits angereist und noch etwas besorgt, ob das Wetter halten würde, ging es am Freitag dann relativ früh hoch zum Felsen der Loreley. Der Einlass war geplant für 13:30 Uhr und die erste Band, Dilemma, sollte bereits um 14:15 Uhr loslegen. Die Tore wurden auch pünktlich geöffnet und es hatte sich bereits eine stattliche Schlange des sehr bunten und aus allen möglichen Ländern angereisten Festivalpublikums gebildet. Man hörte spanische, italienische, englische, französische, niederländische und alle möglichen skandinavischen Stimmen. Freundliche, vom Veranstalter zusätzlich eingesetzte Helfer, sorgten dafür, dass die Eintrittskarten gegen die in diesem Jahr gelben Festivalarmbändchen eingetauscht wurden, um so größeren Verzögerungen an der Festivalkasse vorzubeugen. Die Sicherheitskräfte am Eingang selber waren jedoch mit nur vier Leuten für den ersten Ansturm unterbesetzt, so dass die Rucksack-, Picknickmöbel- und Taschenkontrollen doch länger dauerten und die Schlange nur sehr allmählich kürzer wurde. Das führte dann leider auch dazu, dass einige den Anfang des Konzertes von Dilemma nur über die Ohren aus der Ferne miterleben konnten. Hier reagierte das Team von WIV-Entertainment auch prompt und die freundlichen Bändchenverteiler wurden für die nächsten Tage dann als Verstärkung für die Sicherheitskontrollen eingesetzt. Das führte zu einem wesentlich schnelleren Einlass an den Tagen Zwei und Drei und keiner musste mehr die Auftaktbands verpassen.

Dilemma ist eine englisch/niederländische Progcombo, die im November 2018 nach längerer Pause ihren Longplayer “Random Acts of Liberation” vorgestellt hat. Schlagzeuger und wohl Kopf der Band Collin Leijenaar begrüßte sichtlich beglückt ob der Möglichkeit hier aufzutreten das Publikum mit “We’re all here for the love of music, this is family!” Diese Begrüßungsworte könnte man tatsächlich als Leitmotiv dieses friedvollen Festivals hinstellen. Jedes Jahr trifft man viele gleiche Gesichter, alle vereint in der Begeisterung für die Musik und für diesen außergewöhnlichen Austragungsort. Dilemma boten eine grundsolide ca. 60 minütige Show und lösten auch bereits die ersten Beifallsbekundungen des nun immer voller werdenden Halbrunds aus.

Nach der üblichen etwa halbstündigen Umbaupause bekam es das Festivalvolk dann mit Special Providence aus Budapest zu tun. Der Slot, der ursprünglich für die abgesprungene Truppe von Dave Kerzner’s In Continuum vorgesehen war, wurde aber eindrucksvoll von den jungen Ungarn genutzt. Eine instrumentale Mischung aus Progmetal und schnellem, komplexen Jazz fegte über das erstaunte Festivalpublikum hinweg. Die vier Musiker, die sich bereits als Support von Dream Theater, Haken oder Spock´s Beard verdingen durften, sind ausnahmslos hochvirtuos an ihren Instrumenten und sorgten für einige Begeisterung. Christoph Rombach, Bassist von Chandelier beschrieb die Musik des Quartetts später so: “Sie spielen in einem Song mehr Töne als wir in unserem ganzen Set (but in a good way!)”. Ob der Bandname an die für eine Progband ungewöhliche Herkunft aus Ungarn erinnern soll, ist dem Verfasser dieser Zeilen nicht bekannt. Wer Lust hat, kann sich aber bereits mit dem kürzlich erschienenen Livealbum “EU Live Cut 2018” einen Eindruck von der Energie dieser sehr sympathischen Truppe verschaffen.

Special Providence

Special Providence

Special Providence

Special Providence

Sehr gut angenommen wurden auch wieder die im letzten Jahr eingeführten Signing-Sessions. Die Fans nutzten die Gunst der Stunde, um sich entweder mitgebrachte oder gerade erst am Merchandise-Stand erworbene Musikkonserven von den allzeit gut aufgelegten Musikern unterzeichnen zu lassen.

Signing Sessions Freitag

Martin Eden und Udo Lang (Chandelier) bei der Signing Session (Foto: Christian Gerhardts)

Diesen Reigen eröffnete am Freitag die Neusser Neoprog-Combo Chandelier, die nach der Trennung vor ca. 20 Jahren einen angeblich einmaligen Auftritt auf die Bühne der Loreley bringen sollte. Die mittlerweile gestandenen Familienväter waren sichtlich aufgeregt bei der Autogrammstunde, stand Ihr Auftritt doch erst noch bevor. Sänger und Kopf der Truppe Martin Eden wurde während der Autogrammstunde nicht müde, auf seine Prog-Trash-Novela “Commander Pimmel” hinzuweisen, ein Buch, welches er vor kurzem erst veröffentlicht hatte. Eine kostenlose Leseprobe hatte er am Merch-Stand ausgelegt und diese diente dann auch so manchem als Träger für ein Autogramm des Sängers und Autors.

 

Chandelier

Chandelier

Chandelier

Chandelier

Chandelier

Chandelier

Chandelier

Chandelier (feat. Toni Moff Mollo von Grobschnitt)

Chandelier (feat. Toni Moff Mollo von Grobschnitt)

Chandelier (feat. Toni Moff Mollo von Grobschnitt)

Chandelier

Chandelier

Chandelier (feat. Toni Moff Mollo von Grobschnitt)

Später folgte dann auch der Auftritt dieser Truppe, die sich in den 90ern mit immerhin drei Alben anschickte, dass Fish-Marillion-Erbe anzutreten. Stimmlich kann man Martin Eden tatsächlich auch die Nähe zu Fish, aber auch zu Peter Gabriel nicht absprechen. Faszinierend war es zu sehen, wie sehr sich die fünf Musiker über diesen Auftritt freuten. Musikalisch war es aber auch ein Hochgenuss! Eingeläutet wurde das Konzert übrigens mit den ersten zwei Zeilen aus Genesis’ ‘The Lamia’, bei denen das Wort “Chandelier” dann in einem Echo ausklingt. Offenbar der Hinweis darauf, woher die Band ihren Namen hat. Sänger Martin Eden ist sicherlich der auffälligste der Truppe, immer in Bewegung, rhythmisch gekonnt und abgestimmt zur Musik, teils wie ein Harlekin wirkend, teils wie ein Entertainer, der nie weg war von der Bühne. Überhaupt machte die ganze Band einen sehr eingespielten Eindruck, als hätten sie in den letzten 20 Jahren doch heimlich im stillen Kämmerlein weitergeübt. Auch der Gitarrist der Truppe Udo Lang wusste mit einem gefühlvollen Gitarrensolo, in dem er sich auch an Steve Hacketts Signature-Solo aus ‘Firth of Fifth’ heranwagte, zu begeistern. Für ein Stück kam dann auch noch Grobschnitts Toni Moff Mollo auf die Bühne, um sich mit Eden ein energetisches Due(ll)tt zu liefern. Wirklich ein schönes Konzert von diesen gestandenen Mannsbildern, in einer tollen Atmosphäre. Die auf rotem Vinyl mitgebrachte “Facing Gravityging wohl auch nicht zuletzt deshalb am Merch-Stand gut weg und die T-Shirts mit der prägnanten Hummel waren dann auch irgendwann ausverkauft. Wenn man im Publikum auf für das Standard-NOTP-Publikum untypische junge Frauen oder gar Kinder gestoßen ist, die dieses T-Shirt trugen, konnte man sicher davon ausgehen, dass sie Familienmitglieder der Band waren. Aber auch T-Shirts aus den guten alten Tagen der Band waren nicht selten im Publikum anzutreffen, offenbar ist also immer noch eine ordentliche Fanbasis vorhanden. Es wäre also ein Jammer, wenn dieser Auftritt tatsächlich einmalig bliebe… Aber wer weiß, vielleicht hat die Truppe durch den umjubelten Auftritt auf dem Felsen ja wieder Blut geleckt?!

Ein Dauerbrenner auf dem Festival ist die nächste Band: IQ. Bereits zum vierten Mal gaben sich die Mannen um den charismatischen Peter Nicholls auf dem Loreley Felsen die Ehre. Über die Jahre hat sich die Band hier eine große Anhängerschaft erarbeitet. Für viele, wenn nicht die meisten Zuschauer, ist somit auch deren Konzert das Highlight des ersten Festivaltages und nicht die eigentlichen Headliner Tangerine Dream. Zu Beginn des Konzertes hatte Nicholls jedoch sichtlich mit dem nicht funktionierendem In-Ear Monitor zu kämpfen. In den ersten drei Stücken bekam er dadurch stimmlich echte Probleme. Auch wirkte die mitgebrachte Videopräsentation leider überhaupt nicht richtig, da es dafür noch viel zu hell war und man somit fast gar nichts erkennen konnte. Hier böte sich für den Veranstalter zukünftig der Einsatz von helleren LED-Screens, anstelle der für Open-Air-Konzerte zu lichtschwachen Projektoren an. Herauszuheben ist von dem soliden Set das mittlerweile zum echten IQ-Klassiker gewordene ‘Road Of Bones’. Hier entfaltete sich auch erstmals die Theatralik von Frontmann Nicholls in ihrer ganzen Faszination. Auch bemerkenswert, der eigentliche Bassist der Truppe Tim Esau war erkrankt und musste äußerst kurzfristig durch den hervorragenden John Jowitt, der als Bassist von Tim Bowness angereist war, ersetzt werden. Wenn Nicholls das nicht entsprechend erwähnt hätte, wäre es dem ein- oder anderen Festivalbesucher wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, so gut fügte sich Jowitt in die Band ein (Jowitt war auch bereits von 1992 bis 2011 Mitglied der Truppe). Für einige Stücke kam aber dann der Bass doch aus dem Rechner. Die konnte sich Jowitt dann wohl doch nicht mehr innerhalb weniger Stunden draufschaffen. Zum Abschluss des ca. 2-stündigen Sets spielten IQ dann noch zwei neue Songs von dem im Herbst erscheinenden Album “Resistance”. Keine leichte Kost und für Nicht-IQ-Fans, zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Nachdem IQ die für den späten Nachmittag angesetzte Signing-Session leider kurzfristig abgesagt hatten, kamen Nicholls und der sehr witzige Gitarrist Michael Holmes nach dem Gig dann doch noch hoch zum Zelt des Künstlers und neuen NOTP-Plakatdesigners Frank Grabowski, der seinen Verkaufsstand bereitwillig für die Autogrammstunden zur Verfügung gestellt hatte. Viele Fans ließen es sich nicht nehmen, dass ein- oder andere Selfie mit Nicholls und Holmes mitzunehmen. Eine witzige Anekdote dabei: Ein Fan aus Spanien ließ sich die gerade erst erworbene CD auf dem Booklet signieren und legte dabei das Booklet in die Bierpfütze, die wohl durch Holmes’ schwappenden Bierbecher auf dem Tisch entstanden war. Bei dem hektischen Versuch von Holmes selber, das Booklet an seiner Hose schnell abzutrocknen, zerriss das mittlerweile aufgeweichte Papier… Zunächst war der Fan etwas geschockt und Holmes vergrub sein Gesicht scheinbar untröstlich und peinlich berührt in seine Hände, danach wirkte der Fan aber doch sehr zufrieden, kann er doch künftig über dieses nun kaputte Booklet einiges erzählen.

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

IQ

Signing IQ Peter Nicholls

“Signingunfall” IQ Michael Holmes

Zum Abschluss des mittlerweile fast 8 Stunden alten Festivaltages kamen dann Tangerine Dream auf die Bühne und füllten das Rund mit elektronischen Klängen, erzeugt auf ihren teils analogen, teils neueren digitalen Synthesizern und Sequenzern, ergänzt durch eine Elektrovioline. Entweder ermattet durch den mittlerweile doch recht langen Tag oder weil der Progfan an sich nicht so viel mit der rein elektronischen Musik anfangen kann, wurde es doch merklich leerer auf dem Gelände. Die Lightshow war sehr stimmungsvoll und wirkte bei der mittlerweile eingetretenen Dunkelheit auch richtig gut. Die Soundqualität war auch wirklich top, Stimmung wollte jedoch keine mehr aufkommen und es bleibt bei dem Bühnen-Setup leider auch der Verdacht, dass da möglicherweise gar nicht alles live war, was eigentlich live gespielt sein sollte. Deswegen entschlossen sich der Autor und seine Mitstreiter auch, vorzeitig den Ort des Geschehens zu verlassen und sich schon mal geistig auf den zweiten Festivaltag vorzubereiten.

Tangerine Dream

Tangerine Dream

Tangerine Dream

Tangerine Dream

Sonnenuntergangsstimmung am Rhein

I love Blasmusik

Picknick-Atmo

Progromantik

Samstag, 20.07.2019:

Der zweite Festivaltag beginnt traditionell früher und so fand man sich schon gegen 11:30 Uhr vor Ort ein, sollten doch die Tore bereits um 11:45 Uhr den Zugang zum Festivalgelände freimachen! Diesmal fluppte es mit der Sicherheitskontrolle richtig gut, weil sich, wie oben bereits erwähnt, zu den vier angeheuerten Sicherheitskräften weitere vier Helfer von WIV-Entertainment hinzugesellten. Somit konnten zwei weitere Tore geöffnet und die Taschenkontrolle zügig abgewickelt werden. Diesmal musste niemand, noch in der Schlange stehend, den Klängen der ersten Band des Tages lauschen.

F.O.R.S. (Abkürzung für Famous Or Random Stars) ist eine vierköpfige Band aus der Schweiz, die sich laut eigener Beschreibung dem Instrumental Sphere Rock widmen. Vorbilder sind eindeutig Genesis und Yes der 70er-Jahre, eben aber komplett ohne Gesang. Das 45-minütige Set war eine wunderbar stimmungsvolle Einstimmung auf den Tag und kam beim frühen Festivalvolk auch bereits sehr gut an. Offenbar so gut, dass sich das mitgebrachte Merchandise der Band sehr schnell verkaufte und später dann auch komplett ausverkauft war. Gegründet im Jahre 2016 hat die Band im Juni 2018 ihr Erstlingswerk “Before” herausgebracht, welches mit 12 Stücken randvoll gepackt wurde.

Weiter ging’s nach kurzer Umbaupause mit den Finnen von Overhead. Bereits seit über 20 Jahren gibt es die Truppe, die auf der Bühne aber immer noch sehr jung, fast jugendlich wirkte. Aktivposten war eindeutig der Sänger und Querflötist Alex Keskitalo, der dann doch das ein oder andere Mal, natürlich vor allem wegen der Querflöte, an den jungen Ian Anderson erinnerte. Die Musik selber hat tatsächlich auch Tull-Einflüsse, hebt sich aber durch viel eigenständige Kompositionsarbeit deutlich ab. Als eingängig, aber doch durchaus komplex ist die Musik des Quintetts zu beschreiben. Die Finnen genossen es sichtlich, vor diesem Publikum und auf dieser Bühne zu stehen. Das aktuelle Album “Haydenspark” ist bereits ihr fünftes und 2018 erschienen. Sehr zur Freude und unter tosendem Jubel des Publikums ballerte die Truppe zum Ende ihres ca. einstündigen Gigs ein energiegeladenes ’21st Century Schizoid Man’ von King Crimson in das Amphitheater. Ein Abschluss ganz nach dem Geschmack des anwesenden Progvolks.

Overhead

Overhead

Overhead

In der Zwischenzeit begann bereits die erste Autogrammstunde mit der später noch aufspielenden Band Karcius aus Kanada. Die Gruppe mit der weitesten Anreise gab sich sehr volksnah und sympathisch, mit der typisch offenen und herzlichen kanadischen Art! Einige Fans reihten sich in die Schlange ein, um Unterschriften und Selfies zu ergattern.

Signing Sessions Samstag

Einschub “Essen und Trinken”:

Die in dem weiten Rund aufgestellten Fressbuden waren nicht besonders einladend und außerdem nicht gerade billig. Der Verfasser dieser Zeilen hat deshalb selber auch keinen Gebrauch davon gemacht, sondern lieber auf die hervorragenden selbst mitgebrachten (und im Auto in der Kühltasche deponierten) Hühnchensandwiches zurückgegriffen. Auf der hoch frequentierten (zumindest unmittelbar vor und nach dem Festival) Facebook-Seite der Festival-Freunde ist nachzulesen, dass die “Qualität” der verkauften Waren allgemein als suboptimal und keineswegs als preiswert bezeichnet wird. Auch die Bierpreise wurden im Vergleich zum Vorjahr um einen Euro angehoben, was auch nicht eben ein Grund zu überschäumender Freude war. Dennoch bleibt es einfach eine Wonne, auf der Terrasse des Biergartens hinter der Bühne mit diesem unvergleichlichen Blick auf das Rheintal, das ein oder andere frisch gezapfte Grevensteiner zu genießen. Der Veranstalter des Festivals (WIV-Entertainment) hat jedoch kaum bis gar keinen Einfluss auf diese Fressbuden, da sich der örtliche Betreiber (Loreley Venue Management GmbH) damit auseinandersetzt und die Buden und Stände verpachtet… Das ist offenbar jedes Jahr ein Kampf gegen Windmühlen.

Fressbude “Pommes Pervers” (Der Name ist Programm)

Nach Overhead folgte nun mit Tim Bowness der erste bekanntere Name des Festivaltages. Der sehr introvertierte Brite ist keine Rampensau, stimmlich aber eines der Highlights des Festivals. Die sehr eigene und mit einem großen Wiedererkennungswert versehene Stimme ist somit auch sein absolutes Markenzeichen. Bereits durch die Kollaboration mit Steven Wilson und Peter Hamill im Projekt No Man, hatte er dies unter Beweis gestellt. Eine großartige Liveband begleitete ihn an diesem Nachmittag. Unter anderem der bereits bei IQ am Vortag aktive John Jowitt am Bass. Funfact: Die fleißigen Bühnenarbeiter, die sich für den reibungslosen Wechsel der Bands verantwortlich zeichneten, hatten am Vortag bereits ganze Arbeit geleistet und sämtlich Instrumente von IQ, darunter natürlich auch Jowitts Bässe, verpackt und verladen. Deswegen stand Jowitt nun ohne Instrumente da und musste Yenz Strutz (Bassmann von Crystal Palace und ‘t’) anpumpen. Der tat das natürlich bereitwillig und so konnte Jowitt dann doch mit der Band von Tim Bowness ohne Verzögerung oder Probleme auftreten. Bowness’ Solowerk neben No Man umfasst bereits fünf Alben und demzufolge hatte er ein großes Repertoire aus dem er schöpfen konnte. Nach den doch zum Teil sehr rauen und teilweise härteren Klängen von Overhead, war der Auftritt von Tim Bowness doch eher von der ruhigeren Sorte. Dennoch musikalisch auf sehr hohem Niveau und demzufolge auch vom begeisterten Publikum gefeiert.

Tim Bowness

Tim Bowness

(Die Band von t flachst im Hintergrund)

Tim Bowness

Tim Bowness

Tim Bowness

Tim Bowness

Tim Bowness

Tim Bowness

Parallel zu diesem Gig fand die nächste Signing-Session statt. Diesmal eine gemeinsame mit den Finnen von Overhead und den Schweizern von F.O.R.S.! Auch hier standen wieder zahlreiche Fans friedlich an, um ein wenig mit den Musikern zu plauschen, Fotos zu machen und natürlich Tonträger signieren zu lassen. Es ist wirklich bemerkenswert, wie offen und zugänglich nahezu alle Musiker waren, die für diese Sessions gewonnen werden konnten. Einfach eine großartige Idee und Bereicherung, dass WIV-Entertainment sich dazu entschlossen hat diese Sessions zu organisieren.

F.O.R.S. und Overhead Signing Session

F.O.R.S. und Overhead Signing Session

Mit großer Spannung erwartet wurde nun der Auftritt von Thomas Thielen alias ‘t’ mit seiner Liveband. Der Selfmade-Musiker und Multiinstrumentalist, der seine mittlerweile sieben Alben nahezu komplett alleine aufgenommen hat und sich eigentlich nicht vorstellen konnte, überhaupt mit seinem Material einmal live aufzutreten, hatte sich aufgrund seiner komplexen Kompositionen in der Szene bereits einen Namen gemacht. Eben auch aufgrund der Komplexität erschien es ihm wohl schwierig bis unmöglich, seinen Klangkosmos auf die Bühne zu bringen. Nachdem aber Ende letzten Jahres bekannt wurde, dass er genau das tun wolle, war er angeblich der erste Act den Winfried Völklein für dieses Festival festgemacht hat. Klar ist Thielen Frontmann, Sänger und Gitarrist. Seine Bandmitglieder müssen sich aber keineswegs verstecken. Jan Steiger an der Lead- und Sologitarre, Dominik Hüttermann an den Keyboards, Thomas Nußbaum an den Drums und der bereits erwähnte Yenz Strutz am Bass, zeigten, dass sie eine hervorragende Liveband sind. Leider hatte Hüttermann während des Gigs doch arg mit seinem Monitorsound zu kämpfen, der wohl häufiger abschmierte und den ein- oder anderen Einsatz eines Bühnentechnikers erforderte. Das fiel aber nicht weiter ins Gewicht und tat diesem wundervollen Auftritt keinen Abbruch. Nach Bowness’ muss man auch Thielens Stimme hervorheben. Er hat einfach eine riesige Range und erreicht sehr hohe Lagen. Vergleiche mit Bowie, Hollis oder auch Hogarth hinken natürlich, aber irgendwie will der Leser solcher Berichte ja immer etwas zum Vergleichen haben, damit er sich etwas vorstellen kann.

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Thomas Thielen aka ‘t’

Die nächste Signing-Session stand nun an und war wahrscheinlich die am besten besuchte des gesamten Festivals. Die Musiker von Lazuli gaben sich die Ehre und wurden friedlich bestürmt. Hier zeigte sich, dass nicht nur Headliner eine große Fangemeinde aufzubieten haben. Dass der Zuspruch so groß war, ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass Lazuli auf dem Felsen zu den absoluten Publikumslieblingen gehörten.

Signing Session Lazuli

Signing Session Lazuli

Signing Session Lazuli

Nun waren die Kanadier von Karcius an der Reihe die Bühne zu übernehmen. In diesem Jahr die Band mit der weitesten Anreise. Mit einer ganz eigenen Melange von Art-, Prog- und Jazzrock, versehen mit einigen afrikanischen Rhythmusparts, begeisterte die Truppe das gut gelaunte Festivalpublikum. Ein sehr aktive Liveperformance vor allem vom “hyperaktivem” Keyboarder Sébastien Cloutier, der den inoffiziellen Titel für den bewegungsfreudigsten Keyboarder des Festivals locker für sich gewinnen konnte. Fünf Stücke des insgesamt neun Stücke umfassenden Sets beleuchteten das aktuelle Album “The Fold”, welches vor einem Jahr erschienen ist. Auch hier ist eine Nähe zu Bands wie Porcupine Tree nicht von der Hand zu weisen. Den Abschluss des Gigs bildete das nahezu zehnminütige Epos “Goodbye”, mit dem sich die sympathischen Kanadier von der Bühne verabschiedeten.

Zwischendurch ging es wieder zu einer Autogrammsession, diesmal setzten sich Thomas Thielen und Tim Bowness zusammen an den Tisch des Zeltes von Frank Grabowski. Sichtlich überrascht und begeistert über die Länge der Schlange, gaben die beiden äußerst bereitwillig und gut gelaunt ihre Unterschriften auf Tonträgern, T-Shirts, Festivalplakaten oder auch in Festivaltagebüchern. Zu Bowness gesellte sich später auch noch Bassmann John Jowitt und zwei weitere Bandmitglieder, die ebenfalls fleißig signierten oder sich mit den Fans zusammen ablichten ließen.

Signing Session ‘t’ und Tim Bowness

Signing Session ‘t’ und Tim Bowness

‘t’ mit den freundlichen Festival-Helferleins (Foto: Christian Gerhardts)

Nun folgte für sehr viele Festivalbesucher eines der absoluten Highlights dieser drei vollgepackten Tage: Lazuli. Bereits zum vierten Mal nach 2009, 2012 und 2015 gaben sich die Publikumslieblinge aus Frankreich die Ehre, auf diesem Festival zu spielen. Lazuli ist einfach eine Livetruppe, vom ersten Ton an haben sie das Auditorium voll im Griff. Sonst eher selten auf Prog-Konzerten, aber hier waren häufig die Arme der Fans in der Höhe anzutreffen und das Mitklatschen und Mitschwingen war bei diesem Auftritt fast schon Pflichtprogramm. Ein richtige Party ging nun im Sonnenuntergang auf dem Felsen ab, Seifenblasen schwirrten durch die Luft, eine wirklich wunderschöne Atmosphäre, die man einfach mal selber erleben muss. Die Band ist bereits in ihrem 21. Jahr seit ihrer Gründung, aber nach wie vor mit einer unbändigen Spielfreude unterwegs. Für ein Rockkonzert ungewöhliche Musikinstrumente waren zu bewundern, z.B. ein Horn, das Marimbaphon und die Leode, ein von Gitarrist Léonetti Claude eigens erfundenes Gerät, das er einhändig bedienen kann. Seit einem Motorradunfall 1986 kann er seinen linken Arm nicht mehr bewegen und entwickelte somit dieses Instrument, welches er ausschließlich mit der rechten Hand spielt. Mit einem Fünf-Mann-Marimba-Ensemble endete dieser fulminante Auftritt und zu Ehren des Tages-Headliners Nick Mason, spielten die fünf Franzosen eine wundervolle Version des Floyd-Klassikers ‘Money’, quasi als Überleitung zum Abschlusskonzert des zweiten Festivaltages. Wie Backstage-Pass-Inhaber zu berichten wussten, holte Guy Pratt (Bassmann von PF und Nick Mason), der sich das ganze Lazuli-Konzert wohl von der Bühnenseite angeschaut hatte, schnell seinen Chef dazu, damit dieser sich die Hommage selbst anhören konnte. Es wurde von einem breiten Lächeln der Schlagzeuglegende berichtet.

Lazuli

Lazuli

Lazuli

Lazuli

 

Nick Mason lauscht Backstage der Marimba-Version von ‘Money’ (Foto: Christian Gerhardts)

Und dann kam auch schon der Höhepunkt des Tages selbst auf die Bühne: Nick Mason’s A Saucerful Of Secret. Ein Bandprojekt der mittlerweile 75-jährigen Pink Floyd -Schlagzeuglegende, welches sich ausschließlich den ersten Jahren der wohl bekanntesten und erfolgreichsten Art- und Progrockband aller Zeiten widmet. Während David Gilmour und Roger Waters auf ihren Konzerten diese, auch als Syd Barrett-Ära zu bezeichnende Periode, nahezu vollständig ausblenden, will Mason mit seiner Allstar-Band dieses Erbe pflegen und mit moderner Sound- und Lichttechnik dem gegenwärtigen Publikum näher bringen. Dieses Ansinnen ist aber sowas von gelungen! Ein fulminantes Konzert brach über die anwesende Proggemeinde herein und anders als bei dem Headliner des Vorabends (Tangerine Dream) schien das Amphitheater nun eher voller als leerer zu werden. Offenbar hatten sich doch einige nur wegen der Pink Floyd-Legende mit Tageskarten versorgt. Ein glasklarer Sound perlte nun aus der jetzt ausgereizten, großartigen Soundanlage. Es begann mit NASA-artigen Soundschnipseln, wahrscheinlich ein Hinweis auf die erste Mondlandung vor genau 50 Jahren. Die Kakophonie dieser Sounds mündete in das erste Stück ‘Interstellar Overdrive’, welches dann in eine gekürzte Version von ‘Astronomy Domine’ überging. Die gesamte Setlist kann unter Setlist-FM (siehe unten) nachgelesen werden. Wirklich eine fulminante Setlist und eine großartige Hommage an Syd Barrett, dem kreativen Kopf der frühen Pink Floyd.

Die Nutzung modernster Sound- und Lichttechnik verlieh den Stücken eine vollkommen neue Präsenz und Frische und brachten dem gebannten Zuhörer die Erkenntnis, wie großartig diese Stücke auch heute noch sein können. Nach einem Gig dieser Truppe wird man die alten Scheiben sicher mit ganz anderen Ohren hören als vorher und mehr kann und will Nick Mason wohl auch nicht erreichen! Großartig! Die Band war in einer Top-Verfassung, allen voran Gary Kemp (ja, der Gitarrist von Spandau Ballet!) an Gitarre und Gesang und  der unermüdliche Guy Pratt am Bass und Gesang, der ja nun auch bereits auf eine sehr lange Historie im Dunstkreis von Pink Floyd zurückblickt, nicht zuletzt ist er ja sogar der Schwiegersohn des viel zu früh verstorbenen Rick Wright und hat somit eine sehr enge persönliche Bindung zu Pink Floyd. Ergänzt werden die beiden um Lee Harris an der Gitarre, der im Übrigen auch die Idee für dieses Bandprojekt gemeinsam mit Mason entwickelt hatte und Dom Beken an den Keyboards. Nick Mason selbst war hinter der Schießbude grundsolide, wie eigentlich immer. Ein großer Virtuose oder Geschwindigkeitskünstler war er nie. Zwischendurch schnappte er sich ein ums andere Mal das Mikrofon um “very british” einige launige Ansagen zu machen, immer mit typisch britischem Humor und mit einem Augenzwinkern. Zum Beispiel vor ‘Set The Controls…’, dass er sich freue, endlich mal alleine seinen Gong zu bedienen und nicht Roger (Waters).

Die Chemie innerhalb der Band schien mehr als intakt zu sein und der mehr als zweistündige Auftritt ging somit wie im Flug vorbei. Highlight war ‘One Of These Days’ welches als letztes Stück vor den Zugaben sehr energetisch in die gebannte Zuhörerschaft geknallt wurde. Als Zugaben folgten dann noch ‘A Saucerful Of Secrets’ und ‘Point Me At The Sky’. Die Truppe um den alten Herrn stellte hier ganz klar, dass es sich bei ihrem Auftritt um DAS Festival-Highlight gehandelt hat. Nichts davor und auch nichts, was am nächsten Tag noch folgende würde hätte dies toppen können. Sehr zufrieden verließ die Proggemeinde zum Abschluss dieses zweiten Festivaltages dann auch die Felsen-Tribüne, um am Ausgang noch von dem anscheinend unsterblichen Jeff Silvertrust und seinem One-Man-Bandauftritt in die Nacht begleitet zu werden. Bereits seit Mitte der 80er taucht dieser charmante Entertainer bei dem ein oder anderen Event oder Festival immer mal wieder auf, um abströmendes Konzertpublikum zu begeistern. Ein echter Typ!

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

Nick Masons A Saucerful Of Secrets

 

Backstage

Abendstimmung

Bühne im Sonnenuntergang

 

Sonntag, 21.07.2019:

Ähnlich wie am Samstag fluppte der Einlass wieder wie am Schnürchen, so dass sich das Progvolk sofort der ersten Band des letzten Festivaltages, The Windmill, widmen konnte. Die große Truppe aus Norwegen ist regelmäßiger Festivalgast, aber bisher immer nur als Zuschauer. Diesmal konnten sich die Bandmitglieder nun erstmals das Publikum von der Bühne aus anschauen. Teilweise kostümiert, traten die sechs Skandinavier auf die Bühne und stimmten das bereits zahlreich erschienene Publikum wunderbar mit folkig-proggigen Klängen auf den Festivaltag ein.

The Windmill

The Windmill

The Windmill

The Windmill

Überhaupt sollte dieser zunächst ganz von Musik aus dem europäischen Norden bestimmt werden. Nach der Windmühle folgten die wesentlich jüngeren Landsleute mit dem Bandnamen OAK. Alle mit weißen Oberteilen und schwarzen Hosen bekleidet, wirkten sie tatsächlich zunächst wie eine Boygroup. Es wurden dann auch erstmal poppige Stücke angestimmt, bis es dann im zweiten Teil des gut einstündigen Sets durchaus komplexer und härter wurde. Das Publikum war jedenfalls sehr angetan von den fünf jungen Norwegern.

 

OAK

OAK

OAK

OAK

OAK

Danach wurde es italienisch. Die Kino-Progger von RanestRane betraten die Felsenbühne und beschallten das neugierige Publikum mit ihrem sphärischen und immer von großen Kinofilmen inspirierten Klangkosmos. Alle bisher erschienenen Platten der Italiener befassen sich mit Kinoklassikern. “Nosferatu”, “Shining” und “2001-A Space Odyssee” standen hier Pate. Leider traf auch hier wieder die Kritik an der nicht ausreichend hellen Projektionstechnik voll zu. Die eigens von der Band hergestellten Clips, die die Kompositionen untermalen sollten, waren im hellen Nachmittagslicht kaum bis gar nicht auszumachen. Es ist klar, dass so ein Act auf so einem top besetzten Festival nicht erst spielt, wenn es dunkel ist. Schade um die visuelle Kunst war es dennoch, zumal bei RanestRane die filmischen Clips immer exakt zur Musik abgestimmt sind. Hier müssen für die Zukunft einfach LED-Wände her, um auch den kleineren und unbekannteren Bands die Möglichkeit zu geben, ihre visuellen Ideen dem Zuschauer nahe bringen zu können! Musikalisch war die Truppe an dem Nachmittag voll auf der Höhe und das Publikum wieder einmal sehr angetan. Mit dem Keyboarder Riccardo Romano haben sie auch einen echten Könner in ihren Reihen, der auch bereits als Mitglied der Steve Rothery-Band Erfolge feiern konnte und sogar einmal bei einem Marillion-Konzert in Essen (2018) für den verunfallten Mark Kelly einspringen musste und das seinerzeit auch mit Bravour zu erledigen wusste.

Nun waren wieder die Skandinavier an der Reihe. Die Schweden von All Traps On Earth enterten die Bühne, um ihr Debüt-Album “A Drop Of Light” dem erstaunten Loreley-Publikum entgegen zuwerfen. Was hier abging, kann man als progressiv in Reinkultur bezeichnen. Eine schwere Melange aus Freejazz, Avantgarde, aber letztlich doch Retro Prog schallte aus der PA. Auf Rockkonzerten eher seltene Intrumente wie Flöten, Klarinetten, Saxophone, Flügelhörner und Trompeten kamen zum Einsatz und beanspruchten doch sehr stark die Gehörgänge des durchaus offenen Publikums. Das war schwere Kost, führte aber doch zuweilen zu großen Beifallsbekundungen. Man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man dieses Konzert als das ungewöhlichste dieser drei vollgepackten Tage bezeichnet. Änglagard-Mastermind Johan Brand, der dieses Bandprojekt zunächst als Soloprojekt geplant hatte, verlangte den Mitmusikern und dem Publikum tatsächlich einiges ab.

Auch am Sonntag waren über den Tag verteilt wieder vier Signing-Sessions angesetzt. The Windmill, OAK, RanestRane und All Traps On Earth standen für Autogramme, kurze Gespräche und einige Selfies zur Verfügung. Vor allem der Andrang bei den Italienern von RanestRane war ziemlich groß und kam nahezu an die Aufmerksamkeit für Lazuli am Vortag heran.

Schlange bei den Signing Sessions

Signing Session OAK

Signing Session OAK

Signing Session The Windmill

Signing Session RanestRane

Signing Session All Traps On Earth

Zur Erholung der akustischen Sinnesorgane kamen Anathema dann gerade recht. Die diesmal nur mit fünf Bandmitgliedern angereisten Liverpooler, um die drei Cavanagh-Brüder Danny, Vince und Jamie, mussten auf ihren Keyboarder und/oder Schlagzeuger John Douglas verzichten. Dessen Schwester Lee war aber als fulminante Sängerin (bereits zwei Mal vom britischen Prog-Magazine zur “Best-Female-Prog-Voice” gekürt) natürlich mit von der Partie. Den Schlagzeugpart übernahm (wie schon häufiger) Daniel Cardoso. Das bedeutete für Danny Cavanagh eine dreifach-Belastung: Keyboards, Gitarre und Hauptgesang (im Wechsel oder Duett mit Lee). Die Rolle des Frontmannes teilte er sich brüderlich (Achtung Wortwitz!) mit Danny, der als absoluter Aktivposten mit seiner Gitarre häufige Ausflüge durch den Fotograben hin zum Publikum und zurück unternahm und sichtlich die Nähe und die Kontaktaufnahme zu den Fans genoss. Ähnlich wie am Vorabend bei Lazuli entfachte sich nun wieder diese unwiderstehliche Loreley-Gänsehaut-Atmosphäre im Sonnenuntergang.

Die hypnotischen Songs, die sich häufig zum Ende hin steigern, rissen das Publikum förmlich von den Steinstufen. Hier blieb kaum noch einer sitzen und es kam zu einer regelrechten Mitmach-Stimmung. Wenn Nick Mason am Vorabend das Rundum-Highlight des Festivals war, so war der Auftritt der sympathischen Briten der absolute emotionale Höhepunkt dieser drei an Höhepunkten nicht gerade armen Tage. Witzige Ansagen von Danny und Vince trugen zu der heiteren, gelösten Stimmung bei, z.B. als sie sich ob der überschaubaren Komplexität ihrer Arrangements selbst als Status Quo des Prog bezeichnteten. Als Song muss “A Simple Mistake” hervorgehoben werden, mit diesem großartigen Gitarrenmantra im Mittelteil: Danny stand äußerst links, fast schon nicht mehr auf der Bühne, ganz nah am Publikum und zelebrierte regelrecht dieses Meisterwerk eines sich steigernden Rocksongs. Unwiderstehlich! Da wippten sogar die Progrentner (als Kompliment gemeint) im Publikum mit ihren ergrauten Häuptern. Mittlerweile kann die Truppe auf eine fast 30-jährige Bandgeschichte zurückschauen und hat eine wirklich faszinierende Entwicklung vom einstmaligen Doom-/Gothicmetal, über Alternative Rock hin zum heutigen Prog-/Artrock vollzogen. Der Auftritt hier auf der Loreley wird jedenfalls noch lange in Erinnerung bleiben, sowohl bei den Musikern, als auch beim begeisterten Publikum. Danny, der sich mit einigen seiner Bandkollegen nach dem Konzert unters Volk mischte, sprach später gegenüber dem Autor vom “best gig of this tour”, aber das könnte ja auch so kurz nach dem Konzert noch dem Adrenalin geschuldet gewesen sein…

Anathema

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Nach diesem emotionalen Auftritt, die Sonne war nun endgültig untergegangen und es dämmerte bereits, folgte das Abschlusskonzert des Festivals mit dem Tagesheadliner Steve Hillage und seiner Band. Die mittlerweile ergraute und stramm auf die siebzig zugehende Gitarrenlegende aus England betrat die Bühne gemeinsam mit der aktuellen Besetzung von Gong, der Band mit der Hillage Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts seine ersten Erfolge feiern konnte. So stand das Konzert auch ganz im Zeichen der Musik aus dieser Ära, die Hillage seit über 40 Jahren nicht mehr live gespielt hatte. Als großer Bühnenderwisch fiel dem Zuschauer vor allem der zweite Gitarrist und aktueller Gong-Chef Kavus Torabi (den man auch von Knifeworld kennt) auf, der sich mit Hillage einige Gitarrenduelle lieferte und der Legende ein ums andere Mal beinahe die Show stahl. Die Lightshow als quietschbunt und äußerst psychedelisch zu bezeichnen wäre wohl stark untertrieben. Die durch die Dunkelheit nun auch gut sichtbaren Videoprojektionen förderten den psychedelischen Charakter der Show außerdem. Der Sound war sehr gut abgemischt und die Proggemeinde wirkte doch sehr zufrieden.

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Steve Hillage Band

Fazit: Ein vollgepacktes und stimmungsvolles Festival ist da von Winfried Völklein und seinem Team wieder einmal auf die Beine gestellt worden. Das Wetter hat mehr als gepasst (in Koblenz, nur einige Kilometer nordwestlich von der Loreley auf der anderen Rheinseite gelegen, musste am Samstag wegen Gewitter und Starkregen eine Großveranstaltung evakuiert werden…), Petrus scheint also tatsächlich ein Progger zu sein. Stimmung und Atmosphäre waren wieder großartig, das konnten auch die angehobenen Bierpreise und die mäßig bis schlechte Qualität der Imbissbuden nicht verhindern. Die vom Veranstalter im letzten Jahr bereits eingeführten Signing-Sessions erfreuten sich großer Beliebtheit und waren für viele Fans eine willkommene Ergänzung. Das Line-Up war wieder ausgewogen aufgestellt worden, sehr international und mit einer guten Mischung aus Newcomern, alten Bekannten und Legenden versehen. Mal sehen was uns 2020 erwartet, die Vorfreude ist bereits groß.

 

Die Bühne

Alle Fotos vom Autor selbst wenn nicht gesondert gekennzeichnet

Surftipps zur NotP 2019:

Offizielle Festivalhomepage

Rückblick (Youtube-Video)
Facebookseite des Festivals
Internationale Facebookseite der Festivalfreunde
Bericht Festivalvorbereitung von Jan Steiger (Gitarrist bei ‘t’)
Erfahrungsbericht von Christoph Rombach (Bassist bei Chandelier)
Profifotos von Alexander Moell
Wikipedia Eintrag zum Festival
Fotoalbum des Autors auf Facebook (Tag 1)
Fotoalbum des Autors auf Facebook (Tag 2)
Fotoalbum des Autors auf Facebook (Tag 3)

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Über den Autor

Schappy

Echter 68´er! Passionierter Konzertgänger, nicht nur Prog... Möchtegern-Bassist

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Night Of The Prog 2019 – Festivalbericht

von Schappy Artikel-Lesezeit: ca. 29 min
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