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Huis – Abandoned

(72:45, CD, Unicorn Digital, 2019)
Drei Jahre ließen sich Huis für ihr drittes Album „Abandoned“ Zeit, dem Nachfolger des 2016er Werks „Neither In Heaven„. Dabei wird die musikalische Linie der Vorgängerwerke konsequent fortgesetzt, weswegen die Band aus Montreal wiederum auf ausschweifende Melodien und harmonischen, gleichzeitig druckvollen Neo Prog / Sinfonic Rock setzt. Bestehend aus Sylvain Descôteaux (Gesang), William Régnier (Schlagzeug), Michel St.Père (Gitarre), Johnny Maz (Keyboards) und Michel Joncas (Bass), die sich das Songwriting teilen, beschäftigt sich das Konzeptalbum mit den Themen Verlust, Verlassenwerden und Entfremdung.

Ganz dem thematischen Zusammenhang geschuldet, klingt dieses Album mitunter etwas schwermütig und traurig, rettet sich aber über weite Strecken in melodietrunkenen Überschwang. Wie ihre Landsleute Mystery setzen Huis auf die englische Sprache, wobei der folkloristische Einschlag, den man von anderen Bands aus dem franco-kanadischen Sprachraum kennt hier komplett fehlt. Gerade die direkte Verbindung zu Mystery durch Michel St.Père schlägt sich bisweilen auch im Sound von Huis nieder, da man wie die Kollegen auf mächtige Harmonien und geschmackvolle Soloparts an Gitarre und Keyboards setzt. Jedoch sind Huis weit mehr im sinfonischen Prog-Bereich verwurzelt, so findet man bei ihnen nahezu keine AOR-Einflüsse.

Bereits der 8,5-minütige Titelsong als Opener weist die Richtung für die nachfolgenden rund 73 Minuten. Der Track beginnt noch verhalten, steigert sich aber immer mehr, zieht das Tempo an, um in einen instrumentalen, zum Haare-trocken-föhnenden Bombastteil zu gipfeln. Genau mit diesen sorgsam ausgewählten Zutaten aus der Neo Prog-Küche, wird ein geschmackvolles, gut verdauliches und moderat gewürztes Menü in neun Gängen bzw. Songs präsentiert. Das geht von Anfang an gut ins Ohr, punktet trotz aller griffigen Songideen gleichfalls mit diversen solistischen Ausschmückungen. Selbst wenn es hier nicht grundlegend Neues zu entdecken gibt, der Wohlklang komplett dominiert und man auf Ecken und Kanten verzichtet, stimmt die musikalische Qualität.

Für die klangliche Verfeinerung sind weiterhin als Gäste Jean Pageau (Mystery) an der Flöte, Gabby Vessoni (Fleesh) am Gesang, Serge Locat (ex-Harmonium) am Klavier und Éloïse Joncas am Gesang zu hören. Besonders die gelegentlichen Flöteneinsätze setzen in den ruhigeren Parts noch einige Duftmarken. Ansonsten ist es vor allem Michel St.Père vorbehalten, mit gefühlvollen Gitarrensoli zwischenzeitlich die euphorische Dramatik zu steigern, wobei gleichfalls die Tasten keineswegs zu kurz kommen.

Mit ihrem dritten Album „Abandonded“ liefern Huis ein genretypisches Neo Prog-Album der gehobenen Art und Qualität ab. Wer’s also progressiv und hoch melodisch mit der richtigen Dosis Überladenheit mag, ist hier genau richtig.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 10, KS 10)

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Abbildungen: Huis / Unicorn Digital