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Arch Echo – You Won’t Believe What Happens Next

(45:39, Digital, CD, Eigenveröffentlichung, 2019)
Mitunter kommen einem recht eigenartige gedankliche Verbindungen in den Sinn. Ende der 90er gab es vom Rödelheim Hartreim Projekt den Titel “Höha, schnella, weita” und diese Umschreibung trifft komplett beim Anhören von Arch Echo zu. Hier wird versierte Technik und instrumentales Können geradezu auf die Spitze getrieben. Und große Überraschung: es funktioniert und überzeugt.

Das amerikanische Quintett aus Nashville (Richie Martinez – Schlagzeug, Joe Calderone – Bass, Joey Izzo – Keyboards, Adam Bentley – Gitarre, Adam Rafowitz – Gitarre) liefert rein instrumentale, sehr technische Musik in kompletter Überdrehtheit ab, die zwischen Djent, Prog Metal und Jazz Rock schwankt und trotzdem irgendwie alles richtig macht. Denn man erkennt hier zweifellos Seele, Humor und Lockerheit, hat nicht den permanenten Eindruck hier reinen Hightech Freaks bzw. intellektuellen Musikstudenten, die es allen zeigen wollen, zuzuhören. Der nervöse und hyperaktive Parforceritt durch die Noten versprüht nämlich immer noch ein gewisses Maß an Lässigkeit.

Trotz aller technischer Finesse und überbordender Vertracktheit scheinen elegante Melodiebögen durch, so dass die 8 Tracks keineswegs nur ein rein instrumentaler Overkill durchzieht. Auch finden sich in der Musik von Arch Echo immer wieder verspielte Ruhepole, die Tempo und Expressivität kurzfristig zurücknehmen. Der Fünfer spielt einfach nur erstaunlich schnell, womit die musikalischen Ideen eben recht komprimiert werden. Das ist sicherlich bisweilen sehr anstrengend und sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack. Hat man sich aber mal auf die flotte Rhythmik und Riffattacken eingelassen, kann man daran durchaus nachhaltigen Gefallen finden.

Die eigene Belastungssteuerung wird hier immer wieder auf neue Herausforderungen gestellt. Rasiermesserscharfe Riffs mit großartiger Melodik bieten ein musikalisches Abenteuer der besonderen Art. Der Albumtitel ‘You Won’t Believe What Happens Next’ ist definitiv Programm. Wer’s komplex mag, kommt an diesem fordernden, aber sehr interessanten Album definitiv nicht vorbei.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, KS 12)

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Abbildungen: Arch Echo