Journey – Live In Japan 2017

(56:03, 72:43; 2 CD, 1 DVD,  Eaglevision/Universal, 2019)
Ähnlich wie und sogar noch vor den Prog-Urgesteinen von Yes standen die Stadion-Rocker und AOR-Helden Journey eines Tages vor der schweren Aufgabe, einen Lead-Sänger mit mehr als markanter Stimme ersetzen zu müssen. In Sachen Wiedererkennungswert und Assoziation zur Band spielte der 1997 ausgestiegene Steve Perry sicher in einer ähnlichen Liga wie Jon Anderson. Erstaunlicherweise fand man in Steve Augeri einen mehr als kompetenten Nachfolger, der Perry überraschend ähnlich klang. Leider hielt Augeris Stimme mittelfristig den anstrengenden Live Auftritten der Band nicht stand, was schließlich das Aus bei Journey für ihn bedeutete.

Seit 2007 steht nun der von den Philippinen stammende Arnel Pineda hinter dem Mikro von Journey. Zwar kommt er dem Timbre von Steve Perry nicht ganz so nahe wie zuvor Augeri, auf der Bühne ist er jedoch offensichtlich deutlich belastbarer und kommt auch beim Publikum gut an. Was an seiner Performance jedoch ab einem gewissen Punkt negativ auffällt, ist seine penetrante Publikumsanimation. An gefühlt jede zweite Textzeile fügt der gute Arnel ein “C’mon” an. Gerade wenn man das dazugehörige Bild nicht sieht, nervt das sehr schnell.

Die aktuelle Live Doppel-CD/DVD beinhaltet ein Konzert in dem berühmten Budokan aus dem Jahr 2017. Im Zentrum des Auftritts standen die beiden Erfolgsalben “Escape” (1981) und “Frontiers” (1983), die an diesem Abend beide jeweils vollständig gespielt wurden. Man könnte jetzt eine angestaubte Veranstaltung älterer Herren erwarten. Aber ganz im Gegenteil: Im Vergleich zu den bekannten Studioversionen legt man eine gute Schippe Rock’n’roll drauf. Neal Schon und Co. wirken erstaunlich vital. Immerhin hat die Karriere der Herren ja bereits in den frühen Siebzigern begonnen. Journey entstand gar als Spin-off der legendären ersten Santana-Band.

Inmitten von Gassenhauern wie ‘Don’t Stop Believin’ oder ‘Separate Ways’ und Schmachtfetzen à la ‘Faithfully’, sind gerade einige weniger radiostrapazierte Albumtracks besser gealtert. ‘Mother, Father’ rockt immer noch mächtig, genauso wie auch ‘Troubled Child’. Dass der eine oder andere Album Titel aus heutiger Sicht etwas angestaubt wirkt, ist natürlich auch nicht verwunderlich. Der Spaß überwiegt aber und ein wirklicher Höhepunkt ist kurioserweise eine Single-B-Seite. ‘La Rasa del Sol’, seinerzeit nur das Anhängsel auf der Rückseite von ‘Still They Ride’ , wird zum 13- minütigen Jam in dem die Latin-Rock Ursprünge der Band den AOR aus dem Budokan fegen.

Natürlich richtet sich eine solche Veröffentlichung in erster Linie an die eigenen Fans. Hat man ein offenes Ohr für 80-Jahre AOR, wird man hier gut bedient. Bedenkt man, dass auch in der aktuellen Prog-Szene angesagte Bands wie Subsignal oder Blind Ego durchaus durch Journey beeinflusst sind, darf man sich auch als Youngster mal für die Altvorderen des klassischen AOR interessieren.
Bewertung: 10/15 Punkten

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