VAK – Budo

(58:51, CD, Soleil Zeuhl, 2018)
Beim französischen Label Soleil Zeuhl setzt man von jeher auf Klasse statt Masse, zudem leider auf recht geringe Auflagen bei den Veröffentlichungen. Deswegen ist es zwar zuweilen etwas schwierig und zeitintensiv, an deren Veröffentlichungen zu kommen, dafür entschädigt aber die musikalische Qualität.

Auch bei “Budo”, dem ersten offiziellen Album nach zwei EPs und der Kompliation “Aedividea”, der bereits seit 2008 existierenden Formation VAK, ging es dem Schreiber dieser Zeilen ähnlich. Eine Bestellung bei einem namhaften deutschen Versender verlief dummerweise ins Leere, erst der direkte Kontakt über die Bandcamp Seite sorgte dafür, dieses bereits im Herbst letzten Jahres erschienene Album zu bestellen und nach wenigen Tagen in den Händen halten zu können. Doch wer die Mühe auf sich nimmt, der wird hier einmal mehr durch ein tief im Zeuhl-Mikrokosmos verwurzeltes – einem Genre, das in erster Linie von der französischen Kultband Magma begründet wurde – gleichzeitig überaus interessantes und spannendes Album überzeugt.

Die Rahmenbedingungen dieser Fusion-/Avant-Rock-Band aus Paris bestimmen die Musik der französischen Formation: es gibt nur drei Tracks – die beiden Monolithen ‘Budo’ und ‘Hquark’ bringen es auf über 27 bzw. 23 Minuten. Den musikalischen Kern bildet hier ein Quartett bestehend aus Aurélie Saintecroix (Gesang), Vladimir Mejstelman (Schlagzeug), Joël Crouzet (Bass, Gitarre) und Alexandre Michaan (Keyboards), welches durch die Gastmusiker bzw. ehemaligen Bandmitglieder Michaël Havard (Saxophon), Nora Froger (Flöte) und Hyder Aga (Gitarre) verstärkt wird. Für das Mastering zeichnete sich übrigens der nicht gerade unbekannte Udi Koomran zuständig, der in der Vergangenheit bereits Avantgarde Produktionen von Present, 5uu’s, Panzerpappa, Camembert oder Yūgen verfeinerte.

Die experimentelle, avantgardistische Musik von VAK präsentiert sich hauptsächlich als ergreifender, beschwingter Hybrid aus anspruchsvollem Jazz mit Progressive Rock und einer konzentrierten, klassischen Zeuhl-Interpretation. Es erfordert zwar etwas Zeit, um sich auf diese fordernde, unterschwellig unheilvolle Musik einzulassen, aber mit knarzendem, pulsierenden Bass und vor allem schwebender Rhodes-Tastenarbeit benötigen VAK nicht lange, um den Fan dieser Klänge für sich zu gewinnen.

Den lautmalerischen Gesang ansprechend ätherisch abgehoben in Szene gesetzt, bieten die beiden dynamischen, anspruchsvollen Longtracks ausgiebig Raum, um der eindringlichen, rhythmisch packenden Musik und dem typischen Zeuhl Sound Platz zum Atmen zu lassen. Überraschende Harmonien, sich langsam entwickelnde Songmonolithen mit nervösen, aber nie langweiligen Wiederholungen, bestimmen den einzigartigen, komplexen Soundkosmos der Franzosen. Dennoch fehlt es ebenso nicht an ätherischen, luftigen Passagen, die der stil- und genretechnischen Schwere doch etwas von seiner Gewalt und Wucht nehmen.

Definitiv nicht einfach, sondern fordernd, zugleich spirituell. Trotz alledem: ein beeindruckendes, absolut großartiges Album für Zeuhl-Aficionados.
Bewertung: 13/15 Punkten (KR 12, KS 13)

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