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Emerald Lies – Different View – Live in Art of June

(70:10, CD, Eigenproduktion und Vertrieb, 2018)
Wenn man nach Emerald Lies googelt, so wird man in großer Hülle und Fülle fündig bei Marillions großem gleichnamigen Titel aus dem „Fugazi“ Album der Fish Ära. Am wenigsten denkt man aber, dass tatsächlich eine deutsche Rockband gemeint sein könnte. Das ist vermutlich so, weil die bereits Ende der 80er Jahre im hessischen Friedberg gegründete Band bislang noch nicht so einen hohen Bekanntheitsgrad über regionale Grenzen hinaus erworben hat.

Emerald Lies, wie gesagt seit gut 30 Jahren in der Wetterauer Musikszene fest verwurzelt, haben sich seit dieser Zeit der anspruchsvolleren Rockmusik gewidmet. Ihre Eigenkompositionen mit tiefsinnigen Texten hielten sich von Anfang an nicht an die sonst üblichen Modetrends. Man bewegt sich zwischen Art- und Hard Rock sowie dem Krautrock alter Prägung – ein Stilmix, wie man ihn von einigen deutschen Bands aus den guten alten 70er Jahren kennt.

Pünktlich zum 30-jährigen Bandjubiläum präsentieren die Hessen nach zwei Studioalben (2012 und 2014) ihre erste Live-Veröffentlichung mit dem Titel „Different View Live in Art of June“. Das ehemalige Prog Rock-Trio ist mittlerweile auf vier Musiker angewachsen: Claus D.Weber (Drums & Lead Vocals), Sebastian Roth (Rhythm Guitar), Thomas Küchenmeister (Leadguitar & Background Vocals) und Jörg Karl (Bass & Background Vocals).

Für die live im Frankfurter Art of June-Studio aufgenommene Bestandsaufnahme bedienten sich sich aus den beiden Vorgängeralben „Different View, Pt. I / Life On Earth?“ und „Different View Pt. II – Green Turn Blue“. Diese CDs sind dem Rezensenten allerdings bislang unbekannt, insofern muss ein Vergleich mit dem aktuellen Silberling entfallen. Die aktuelle Aufnahme erfolgte, wie sich durch die eingestreuten Ansagen und Publikumsreaktionen vernehmen lässt, in einer entspannten, persönlichen Atmosphäre. Das wiederum dürfte den Musikern den notwendigen Kick und Anreiz für dieses Live-Album gegeben haben, zumal ein Auftritt unter diesen Bedingungen höchste Konzentration erfordert und Fehler im Nachgang nicht so einfach zu retuschieren sind.

Das Quartett bietet komplexe, aber auch melodische Rockmusik mit progressiven bis krautigen Einflüssen und nachdenklich stimmenden bis surrealistischen Texten. Aufgrund der leider fehlenden Tasteninstrumente stehen die Gitarren, unterstützt durch den Leadgesang von Claus D. Weber, absolut im Vordergrund. Wobei sich am Gesang, wie so oft, vermutlich die Geister scheiden werden. Dieser gehört sicherlich nicht zum Besten, was die Szene zu bieten hat, wie gesagt ein Live-Mitschnitt ist auch eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten.

Das Jubiläumsalbum bietet überwiegend rockig-krautige Musik in Power-Manier mit melodisch-melancholischen Momenten. Wer sich gerne einmal zurück in die Vergangenheit der 70er bewegen möchte, ohne gleich altbacken zu sein, kann das ruhig einmal mit den Friedbergern versuchen.
Bewertung: 6/15 Punkten (KR 9, HR 6)

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