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Lee Abraham – Colours

Lee Abraham - Colours (2017)(58:10, CD, Festival Music/ Just for Kicks, 2017)
Der aus dem Süden Englands stammende Lee Abraham dürfte für eine große Zahl von Musikfreunden bereits ein fester Begriff sein. Der ehemalige Bassist und nach einer schöpferischen Pause seit 2017 Gitarrist der britischen Progressiv Rocker Galahad veröffentlicht mit „Colours“ nunmehr sein sechstes Studioalbum. Um es gleich vorweg zu sagen, wie auch bereits auf seinen Vorgängeralben ist hier kein klassischer Progressive Rock zu erwarten. Was selbstverständlich nicht automatisch bedeutet, dass sich das Dargebotene qualitativ weniger für die Gehörgänge eignet. Nach über 15 Jahren im Musikgeschäft versteht es Abraham mit seinen Mitstreitern immer wieder, ordentliche Alben im Bereich des melodischen fast poppigen Rocks zu veröffentlichen. Der Rückgriff auf altbewährte Wegbegleiter sorgte da bereits auf den Alben der Vergangenheit für Kontinuität.

Auf „Colours“ lautet die Besetzung: Lee Abraham (Guitars, Keyboards, Backing Vocals), Rob Arnold (Piano), Christopher James Harrison (Guitar, Backing Vocals), Alistair Begg (Bass) und Gerald Mulligan (Drums). Exzellente Gastsänger, wie Dec Burke (Frost, Darwin’s Radio), Marc Atkinson (Riversea/ Nine Stones Close/ Mandalaband), Gary Chandler (Jadis), Simon Godfrey (Tinyfish), Robin Armstrong (Cosmograf) sowie Steve Overland (FM) runden die Produktion ab.

Bei aller vorstellbarer Kritik (zu sanft, zu belanglos, zu wenig progressiv oder was auch immer zu bemängeln sich findet) gibt es doch eine große Gemeinde, die gerade diese Form des melodischen Rocks oder AOR immer wieder gerne hört. Da darf es auch schon mal etwas nostalgischer zugehen, Erinnerungen u.a. an die guten alten Zeiten mit Asia, Foreigner oder Toto sind durchaus erlaubt. Dass dieses bei einem guten und ausgereiften Songwriting in Ordnung ist und seine Berechtigung hat, beweist „Colours“.

Herauszuheben sind neben dem epischen 14-minütigen Longtrack ‘Mirror Fall’ auch ‘Find Another Way’. Der erstgenannte Song könnte auch den Prog Rockern mit seinen Tempiwechsel und ausgedehnten musikalischen Breaks gefallen. Die Hauptmelodie und der Refrain sind jedoch fest im melodischen Rock verankert. Aber auch die anderen teils etwas mehr mainstreamig, eingängigen Titel bieten keine flache Songkost. Instrumental beherrscht Lee Abrahams sein Geschäft. Sich ergänzende Keyboards, Gitarren und Vocals bestimmen zu jedem Zeitpunkt das Album.

Abraham ist hier sicher nicht der ganz große unvergessliche Wurf gelungen, was vielleicht auch gar nicht seine Absicht war. Dennoch ist ein sehr gut hörbares, eingängiges Werk entstanden, welches berechtigterweise seine Liebhaber finden wird, auch wenn es nicht gerade die Prog-Community sein wird.
Bewertung: 8/15 Punkten (JM 8, KR 6, HR 8)

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