Hinterlandt – Ode To Doubt

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(39:47, CD, Art As Catharsis, 2017)
Das australische Indie-Chamber-Ensemble Hinterlandt um Mastermind Jochen Gutsch veröffentlicht nach dem rein instrumentalen „Ensemble“ (2016) mit „Ode to doubt“ sein zweites Album. Manchmal offenbart die Musikwelt besondere Überraschungsmomente, die selbst Musikliebhaber mit über 30-jähriger Erfahrung schon nach dem ersten Hördurchgang mit großen Augen und offenem Mund fassungslos zurücklassen. Selten hört man heutzutage noch etwas völlig Einzigartiges und Neues, das in seiner Schönheit kaum in Worte zu fassen ist.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW13/2017

Das Ensemble besteht aus Brian Campeau (Gesang), Nicole Smede (Gesang), Natalya Bing und Susie Bishop (Geige, Xylophon), Simeon Johnson (Cello) und last but not least Jochen Gutsch (Gitarre, Trompete, Klavier, Glockenspiel). Jochen beschreibt die Musik als eine Suite in sieben Teilen, das sich thematisch mit den positiven Aspekten des Zweifels im Leben befasst. Zweifel als Form einer gesunden, kritischen Form des Denkens. Musikalisch handelt es sich um eine perfekte Symbiose aus verspieltem, Klassik-getränktem Chamber-Prog mit Beatles-artigen und US-Indie-Pop-Elementen. Der Name Sufjan Stevens fällt im Zusammenhang mit verspieltem Indie-Pop. Das passt mit Blick auf dessen Großtaten.

Das knapp 40-minütige Album bietet Musik aus einem Guss. Fließende Übergänge wahren den „One piece in seven movements“-Charakter zu jeder Zeit. Das Oeuvre bietet vier Instrumentalstücke und drei Titel mit Gesang. Einzelne Themen werden variiert und in Teilen verändert wiederholt. Die Klasse der Kompositionen ist überragend, die Arrangements sind unvorhersehbar, gelegentlich leicht disharmonisch und dennoch jederzeit absolut fesselnd.

Auf einzelne Passagen oder Songs im Detail einzugehen ist nicht notwendig. Jeder Neugierige, der auch ein Herz für Klassik hat, sollte sich diesem Hörerlebnis stellen. Reihenweises Herunterfallen der Kinnlade ist dabei sehr wahrscheinlich. Die ersten beiden Parts, ‚Take A Hint‘ und ‚Chase A Dream‘, eignen sich bestens als Anspieltipps. Bleibt noch zu erwähnen, dass die gesanglichen und instrumentalen Darbietungen genauso perfekt sind wie die glasklare Aufnahme.

Hinterlandt ist die Entdeckung des ersten Quartals 2017. Mit etwas Fantasie klingt die Musik gelegentlich so, als hätten die Beatles zwischen 1967 und 1970 die Liebe zur Kammermusik entdeckt und ihre Kreativität, Melodien und progressiven Ansätze mit Orchester umgesetzt. Der ergriffene Rezensent vergibt ohne Worte, aber mit Tränen in den Augen die Höchstpunktzahl.
Bewertung: 15/15 Punkten (KR 14, TS 15)

Hinterlandt (Foto: Band)

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Hinterlandt – Ode To Doubt

von Tim Stecher Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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