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Elephant9 With Reine Fiske – Silver Mountain

Elephant9 with Reine Fiske - Silver mountain(76:00, CD, rune grammofon / Cargo, 2015)
Bereits beim Vorgänger “Atlantis” (2012) werkelte das norwegische Jazz-Trio Elephant9 (u.a. mit dem Keyboarder Ståle Storløkken, der bereits mit Motorpsycho das epische Meisterwerk “The Death Defying Unicorn” entstehen ließ) überaus viel versprechend mit dem schwedischen Gitarristen Reine Fiske (u.a. Dungen, The Amazing, ex-Landberk) zusammen. Dabei entstand ein spannendes, rein instrumentales Album im Spannungsfeld zwischen Progressive Rock, Psychedelia, Jazz Rock und Improvisationsfreude. Drei Jahre später hat man sich nochmals zusammengetan, wobei die musikalischen Eckpfeiler die nahezu Gleichen geblieben sind, man vom Grundsatz her sie Sache jedoch bei weitem monolithischer anging. Sprich, gerade mal fünf Tracks auf 76 Minuten, die man entweder als CD oder auf Doppel Vinyl erwerben kann.

So wird man als ProgRock-Fan beim Opener ‘Occidentali’ gleich mit mächtigen Mellotron-Akkorden und von einem epischem Soundgewand gefangen genommen, während der Track nach spätestens fünf Minuten ganz überraschend komplett atonal zusammenbricht und anschließend in einen energetischen Parforceritt mit hektischen Rhythmen und wildem Georgel gehörig an Fahrt aufnimmt. Nach acht Minuten ein erneuter Bruch und in einem verträumten Part schwelgt fast man schon crimsonesk in schwermütigen 70s-Retro-Gefilden. Der Schlusspart legt wieder verzerrt und schwungvoll gehörig an Tempo zu. Bereits bei diesem Track wird deutlich, wie auch der Rest des Albums geraten ist. Das ist schwere, diffizile Kost, auf Dauer bisweilen auch recht anstrengend, aber immer unvorhersehbar und gehaltvoll ausgestaltet.

Neben vier Eigenkompositionen, gibt es auch eine etwas andere Coverversion zu hören: der Stevie Wonder-Klassiker ‘You Are The Sunshine Of My Life’ wurde bis zur Unkenntlichkeit defragmentiert und die zehnminütige Neuinterpretation hat nur noch sehr wenig, bis gar nichts mit dem schwebend weichen Original gemeinsam. In anderen Kommentaren ist was von “durchgeknallt” zu lesen, man könnte es auch als die komplette Vereinnahmung seitens Elephant9 umschreiben.

Wer mit freien Formen, psychedelischen Verläufen und verzerrten Gitarren und antiken Keyboardklängen etwas anfangen kann, ist mit diesem flächigen, düsteren, sehr dynamischen, immer irgendwie auf der Suche eines Themas, einer Struktur befindlichen Werk allerbestens bedient.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 12, KS 11)

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Abbildungen: Elephant9 / rune grammofon