Miriodor – Signal 9

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(52:21, CD, Cuneiform Records, 2017)
Es gehört zum guten Service bei den Presseinfos von Cuneiform Records, dass man dort gleich mal die passende Stilrichtung vorgibt. Bei Miriodor hat man diesbezüglich Dreierlei parat, nämlich Rock, Avant Progressive und Rock In Opposition. Die Band sieht die Sache etwas abgehobener, wie es Keyboarder Pascal Globensky mit folgender Aussage manifestiert: „Metaphorisch gesprochen ist Miriodor ein Planet, bei dem die Außerirdischen auf mysteriöse Weise mit dem Planeten Erde kommunizieren“. Aha.

Nun ist die Gruppe aus Montreal beileibe kein unbeschriebenes Blatt, „Signal 9“ ist schon das neunte Album seit den frühen 80ern. Miriodor lassen sich aus Sicht des Rezensenten eindeutig der R.I.O.-Bewegung (Rock In Opposition) zuordnen, die durch Bands wie Henry Cow, Art Zoyd oder Univers Zéro etabliert wurde. Dort werden die Grenzen zwischen Jazz, Klassik, Rock und kammermusikalischen Ansätzen stets neu ausgelotet.

„Signal 9“ ist die konsequente Fortsetzung des Vorgängers „Cobra Fakir“. Die intellektuell fordernde reine Kopfmusik wartet mit jeder Menge unerwarteter Wendungen auf und die differenzierten Klanglandschaften weisen etwas Faszinierendes, Eigenständiges auf.

Miriodor sind mittlerweile als Quartett aktiv, denn neben Globensky, Schlagzeuger Rémi Leclerc und Gitarrist Bernard Falaise hat man mit dem Bassisten Nicolas Lessard jetzt ein weiteres vollwertiges Mitglied am Start. Bei aller Komplexität und wuchtigen Verschrobenheit webt die Band eine Prise Humor und melodische Schönheit in ihr Klang-Konglomerat ein. Ob nun kurze Funk-Momente, dunkle Zeuhl-Figuren, die für einige Augenblicke im Fahrwasser von Magma wandeln, oder crimsoneske Prog-Einflüsse – bei Miriodor ist alles erlaubt, was ihrem sprunghaften, rein instrumentalen Parforceritt gehörige Spannungsmomente verleiht.

Im Herbst werden Mirodor in Europa unterwegs sein und neben dem Rock In Opposition Festival in Carmeaux (Frankreich) auch beim Freakshow Festival in Würzburg auftreten.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

Miriodor (Foto: Band)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Miriodor – Signal 9

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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