Phase II – Fleeting Spirits

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(49:23, CD, Eigenproduktion, Hau Ruck/Tesco, 2016)
Die australische Band Phase II wurde 1978 als Akustik-Duo von Mark Andrews und Nicholas Tesluk gegründet. 1979 erweiterten die jungen Musiker Instrumentarium und Besetzung der Band und nahmen ein Mini-Album auf. Die Band zerbrach 1981 und verschwand zunächst völlig von der Bildfläche. 2010 kehrte sie mit einer Retrospektive ihrer Kompositionen zurück. Die Zusammenstellung „Afterglow“ läutete eine neue Phase der Bandgeschichte ein.

2016 veröffentlichte das Duo ein komplett neues Studioalbum namens „Fleeting Spirit“. Im Netz finden sich dazu einige sehr gute Kritiken, die neugierig machen und die Erwartungshaltung einer potenziell neuen Hörerschaft anheizen.

Es fällt schwer, das Album eindeutig dem klassischen Progressive Rock der späten Siebzigerjahre zuzuordnen. Die gefälligen, sehr melodiösen Kompositionen sind meist einfach strukturiert und stilistisch näher am Folk-Prog der Strawbs, von Amazing Blondel oder Mike Oldfield orientiert. Der Gesangsstil erinnert stark an Dave Cousins von den Strawbs und Ian Anderson von Jethro Tull, ohne deren Niveau zu erreichen. Während das instrumentale Intro ‚The Creation‘ an Oldfield erinnert, denkt man bei den Balladen ‚My Friend‘ und ‚You Are Gone‘ sowie beim ersten längeren Stück ‚White Horse Warrior‘ unweigerlich an die Strawbs.

Der Longtrack des Albums – ‚Berlin ’70‘ – ist der einzige Song mit komplexeren, sehr Keyboard-lastigen, klassisch-progressiven Instrumentalpassagen. Ein Höhepunkt des Albums, wenn man Defizite bei der Aufnahmequalität sowie beim Drum-Sound in Kauf nimmt.

Die Aufnahmequalität wirkt nicht durchgehend homogen. Vielleicht wurden neue Kompositionen aus verschiedenen Phasen und Aufnahme-Sessions der Band verwendet. Konkrete Hinweise dazu bietet das Booklet der CD nicht. Das verträumte ‚I Am The Mirror‘ ist balladesk gehalten und wird von Klavierbegleitung und verspielten Keyboardsounds getragen. Der Hörgenuss dieser sehr guten Ansätze wird aber durch überzogene Keyboard- und Gitarrensounds eingeschränkt. Manchmal ist weniger einfach mehr, schade! Das Album endet mit ‚Silent Are The Oars Tonight‘, einer leichteren Komposition. Leider klingen Aufnahme und Gesamtsound erneut deutlich unausgewogener und schlechter. Gute, atmosphärische Keyboardparts und Gitarrensoli konkurrieren mit dumpfem, schlecht abgemischten Schlagzeugspiel. Das passt leider nicht gut zusammen.

Progressive-Hörer mit einem besonderen Faible für die Strawbs können ein Ohr riskieren. „Fleeting Spirits“ hat seine besten Momente in der Albummitte (Tracks 4-6), krankt aber etwas an musikalischen und Aufnahme-technischen Schwankungen und kann deshalb nicht mit den qualitativ hochwertigen Veröffentlichungen des Genres mithalten.
Bewertung: 7/15 Punkten (KR 7, TS 7)

Surftipps zu Phase II:
Bandcamp

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Phase II – Fleeting Spirits

von Tim Stecher Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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