Magenta – Chaos from the Stage

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(84:28,105:00, CD + DVD, Tiger Moth Productions/Just for Kicks, 2016)
Auch wenn der Titel des aktuellen Magenta-Albums „Chaos from the Stage“ gewisse Assoziationen zu läßt, muss der Rezensent die wilden Progger unter uns doch enttäuschen, sollten Sie gehofft haben, dass es jetzt einmal richtig ungeordnet abgeht. Nach unzähligen Alben der walisischen Band warten manche immer noch vergebens auf agressive oder gar schräge Töne, und das ist auch gut so.

Mit dieser Live-DVD bzw. der CD wird genau das geboten, was Freunde gradlinigen Neoprogs achten und lieben. Die im November 2015 in Leamington Spa live aufgenommenen Titel bieten einen Querschnitt der Studioalben „The Twenty Seven Club“, „Metamorphosis“ und „Chameleon“, dazu einige Klassiker von „Seven“ sowie „Home“. Weil Magenta in unseren Landen eher seltene Gäste sind, bleibt dem Fan nur der Griff zur DVD- oder Blu-ray-Konserve. Ohne wenn und aber: Es lohnt sich bei diesen Vollblutmusikern.

Da bleibt nichts dem Zufall überlassen, neben den zweifellos guten Songs bekommt man eine ausgewogene Produktion präsentiert. An Bildführung, Ton- und Bildqualität gibt es nichts zu bemängeln. Auf unnötige Spielereien oder Gimmicks wurde glücklicherweise gänzlich verzichtet. So ist der Weg frei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wer Magenta bislang noch nicht gehört hat, darf sich auf einen ausgewogenen Mix aus Yes, Marillion und u.a. auch IQ einstellen, also auf melodischen Neoprog der anspruchsvollen Art.

Frontfrau und Leadsängerin Christina Booth sowie der kreative Kopf der Band, Tastenmann Rob Reed wissen, wie man sich gut in Szene setzt. Die restliche Band, bestehend aus Chris Fry (Guitars), Andy Edwards (Drums) und Dan Nelson (Bass), braucht sich auch nicht zu verstecken.

Erfreulich, dass Magenta nicht jedem kommerziellen Trend nacheifern. Man orientiert sich seit ewigen Zeiten an schönen und durcharrangierten Melodiebögen. Das heißt: Augen zu, natürlich bei der DVD nicht unbedingt zu empfehlen, und einfach unbeschwert genießen. Wobei neben der markanten Stimme Christinas die melodisch-gefühlvollen Gitarrenparts, detailreiche Rhythmuselemente und die atmosphärisch bis virtuos gespielten Keyboards für Wohlfühlmomente sorgen.

Für Fans dieses Stils und selbstverständlich auch der sympathischen Waliser sollte dieses Package somit eine Pflichtanschaffung sein. Anderen, die Magenta bisher nur als Synonym für einen Anilinfarbstoff kennen, schadet es sicher nicht mal reinzuhören. Insgesamt ist mit „Chaos from the Stage“ ein schöner Konzertmitschnitt gelungen, der viel Zustimmung finden sollte.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 10, HR 10)

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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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Magenta – Chaos from the Stage

von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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