iNFiNiEN – Light At The Endless Tunnel

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(61:51, CD, Eigenverlag, 2017)
Ein psychischer Konflikt wütet in Finn – jenseits der 40-Grad-Marke bewegt sich das Fieber in seinem Körper, weshalb er träumt, dass Frank Zappa den Jazz in der Hölle erfand. Mittels eines Lichtblitzes erhellt sich die Szenerie und er erkennt nun, dass es sich bei dieser Hölle um die Erde handelt, die früher „Eden“ hieß, jetzt aber eher „Ende“ heißen sollte, falls nicht der Kreislauf wiederkehrender Gewalt und Zerstörung durchbrochen würde und jedes Wesen in Würde leben könnte. Der große Zappa-No trifft – nicht jetzt, aber gleich – in Finns Traum an des karminroten Königs Hof, der sich überall und nirgendwo befindet, völlig unerwartet auf die ebenfalls verblichene Band Unexpect. Zusammen beschließen die begnadeten Musiker ein Lied zu schreiben, um damit den Punkt der Nimmerwiederkehr zu markieren und auf diese Weise den oben erwähnten Kreislauf durchbrechen zu können.

Finn, der aus Heidelberg stammt, bemerkt, dass der Hesse Piktor ihn in Form eines Vektors in dieses Lied, das als immer währende Schwingung die kosmischen Weiten durchwabert und schließlich an seinen Startpunkt zurückkehrt, verwandelt, weil Piktor selbst keine Lust mehr hat, sich andauernd zu verwandeln und währenddessen sich innerhalb des mutti-dimensionalen Raumes ständig im Kreis zu drehen. Finn gelingt schließlich das unmöglich Erscheinende: Er verwandelt den Kreis in eine Spirale und rotiert dabei so schnell um seine eigene Mitte, dass sich die Spirale wiederum als Kreis höherer Ordnung darstellt und sich gleichzeitig in eine Art Tunnel verwandelt, weil es keine Zeit gibt und sich alles in der Ewigkeit des Moments ereignet. Dabei wird ihm bewusst, dass jedwede Verwandlung Verwandtes hervorbringt, weil alles mit allem verbunden ist.

Er erkennt weiterhin, dass das Licht am Ende dieses Tunnels der wiederkehrenden Inkarnationen darin besteht, eine Illusion der Trennung zu erzeugen, weshalb er es als ratsam erachtet, sich nicht in selbigen hinein zu begeben. Weiterhin wird ihm klar, dass ein solcher Tunnel die Inkarnation eines mikroskopisch kleinen Wurmloches sein könnte, dessen Existenz im Makrokosmos von Mathe-Realisten in Zweifel gezogen wird. Außerdem, dass dieser Tunnel mikrokosmisch betrachtet vielleicht nichts weiter als die jeweils eigene feinstoffliche DNS ist, die eine Seele zur Wiederverkörperung nötigt, weil sie als ganz spezielle Antenne diesbezügliche Signale ein- und aussendet. Für Finn ergibt sich daraus die Folgerung, dass diese DNS-Tunnel als Wurmlöcher in Parallelwelten führen, wobei die DNS einer jeden Körperzelle die Codierung einer anderen Parallelwelt enthält. Er begibt sich unverzüglich in des Diebes Küche, um dort das Wirk-Licht zu suchen und zurückzuholen, das der diebische Illusionskünstler namens Theo an sich gerissen hat, weil es eine allen Schein durchdringende Wirklichkeit erzeugt, die nicht nur sämtliche Schatten offenbart, sondern diese auch aufzulösen in der Lage ist.

Anstelle des allwissenden Lichts entdeckt der wackere Träumer eine sprechende Kirmes-Orgel, die ein selbst bestimmtes Leben führen wollte und deshalb Küchen-Asyl suchte. Der Dieb versprach der Orgel mit honigsüßer Stimme das Blaue vom Himmel. Schon bald stellte sich aber folgendes heraus: Theo log getreu der Devise „Jedes Versprechen ist ein Versprecher“ und knebelte den Tasten-Kasten, den er außerdem – nur zu dessen Sicherheit – an einen heißen Ofen kettete. Die Orgel von ihren Fesseln befreiend stiehlt sich Finn zusammen mit dem Instrument, das in der Lage ist, sich selbst zu begleiten, aus des Diebes Haus, um zu seiner Tante Polly zu fliehen.

Derweil passiert Aghora aus Miami – gewandet in Bermudas und im Dreieck springend – das inder-galaktische Portal vor Tante Pollys Hütte und kommt zeitgleich mit Finn, der die singende und klingende Orgel zieht, an der Eingangstür der Hütte an. Die Indianerin Holly und die Inderin Bolly treffen sich währenddessen im Wald; beide sind ebenfalls auf dem Weg zu Tante Polly, um ihr ein Fläschchen Heidelbeerwein, eine Flasche Rotkäppchen Sekt sowie das polypheme Album „Light At The Endless Tunnel“ der Band iNFiNiEN zu schenken. Polly hat nämlich Wiedergeburtstag und feiert dieses ganz besondere Ereignis mit bewusstseinserheiternder Musik. Alle Gäste geben sich – zum Hirsch werdend – den Klängen hin und tanzen sich auf der Reh-Inkarnationsfeier einen Wolf, der sich schließlich als Peter, der ei(n)-äugige Band-IT aus Österreich vorstellt und sich beschwert, dass man ihn häufig Sergej nennt. Auf seinem Rücken trägt Peter, der auch als armer Deus bekannt ist, Herrn Zappa sowie sieben durchsichtige Särge, die wie ein Gefängnis aus Glas wirken und in denen sich die Musiker von Unexpect bis zu ihrer Wiederbelebung ausruhen. Nach dieser Tanz-Orgie der Narren des Schicksals lauschen alle körperlich An- und geistig Abwesenden zusammen mit der Gastgeberin dem neuen iNFiNiEN-Album und sind hellauf begeistert, weil ein jeder andere Einflüsse heraushört: Für Frank Zappa sind die iNFiNiEN-Musiker die beste Band, die er nie hatte zu seinen Lebzeiten, für Finn die Reinkarnation von Unexpect light, für Unexpect die Tom Sawyer-Version von Rush mit echtem Frauengesang, für Aghora ein Mix aus Thieves‘ Kitchen und Portal; Holly bemerkt indische Einflüsse, Bolly brasilianische und Polly arabische. Irgendwie hat jeder mit seiner Einschätzung den Panther ins Schwarze getroffen.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW12/2017

Finn erwacht aus seinem Traum, als er Frank Zappa ganz deutlich sagen hört: „Nicht jede Stimme in deinem Kopf hat mit dir zu tun; ich darf, weil es um Musik geht, dem kosmischen Bewusstsein meine Stimme leihen und bin damit quasi die innere Stimme des Kosmos. Lass dir Folgendes gesagt sein: Der Neoprog braucht dringend eine Runderneuerung durch eine Erweiterung seines musikalischen Bewusstseins. Einflüsse aus der klassischen und ethnischen Musik, dem Jazz und dem Extreme Metal sind in dieser Hinsicht absolut erste Sahne. Sei du fortan mein Prophet und verkünde der tönenden Scheiben-Welt diese Botschaft, denn ihr Menschen seid das Licht der Welt, völlig unabhängig von jedem Tunnel, wohin er auch immer führen mag.“
Bewertung: 15/15 Punkten (FB 15, KR 13)

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iNFiNiEN – Light At The Endless Tunnel

von Frank Bender Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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