Autumn Chorus/Robbie Lloyd-Wilson (1981-2016) – ein Nachruf

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Das letzte Jahr hat sich, was das Ableben berühmter Musiker angeht, einen bemerkenswert zweifelhaften Ruf erarbeitet. David Bowie und Prince sind sicher die bekanntesten Namen, Keith Emerson und Greg Lake waren in Prog-Kreisen wohl die am meisten betrauerten  Todesfälle. Das mediale Echo und die Reaktionen der Fans in sozialen Netzwerken waren dementsprechend groß.

Es wird wohl kaum einen Menschen wundern, dass die Musikszene neben diesen Ikonen 2016 auch etliche weniger bekannte und erfolgreiche Musiker verlor, von deren Ableben außer Familien und Freunden allenfalls Insider und treue Fans Notiz nahmen. Einer von ihnen ist Robbie Lloyd Wilson, der im Dezember im Alter von nur 35 Jahren an Krebs starb, gegen den er seit Oktober 2014 gekämpft hatte.

Warum ein Nachruf? Weil Robbie Lloyd-Wilson bis zuletzt ein leidenschaftlicher Musiker war. Wann immer es seine Krebsbehandlung zuließ, komponierte er neue Songs. Nur wenige Wochen vor seinem Tod erschien mit ‚Snake In The Grass‘ eine neue Single unter dem Namen Autumn Chorus. Seine einstige Band (vgl. z.B. „The Village To The Vale“, 2012), die aufgrund seiner Krankheit zum Soloprojekt wurde. Der schwedische Musiker und Multimediakünstler Thomas Feiner hat dazu einen unbedingt sehenswerten Video-Clip produziert, dessen Fertigstellung und Veröffentlichung im Februar 2017 Robbie leider nicht mehr erleben durfte.

Feiner hatte bereits auf dem einzigen Album von Autumn Chorus, „The Village To The Vale“, den Song ‚Never Worry‘ produziert. Jenes Debüt, erschienen auf dem in Mailand ansässigen Altrock-Label, hatte in Prog-Insider-Kreisen aufgrund seines eigenwilligen Stils – einer Mischung aus Postrock, Folk und Retroprog – für einige Aufmerksamkeit und Anerkennung gesorgt. Nur kurze Zeit nach Veröffentlichung des Albums und nur eine Woche vor seiner Hochzeit erfuhr Robbie von seiner Krebserkrankung. Neben der Single ‚A Snake In The Grass‘ veröffentlichte Robbies Frau Josie kurz nach seinem tragischen Tod ein Demo des Songs ‚Long Goodbye‚ auf der Bandcamp-Seite von Autumn Chorus, mit dem Aufruf und der Bitte für die Krebshilfe-Organisation bowel.cancer.co.uk zu spenden.

Nicht nur vor diesem tragischen Hintergrund unterstreichen jene beiden letzten Songs, welch talentierten Künstler die Musikszene mit Robbie Lloyd-Wilson verloren hat. Sein Kollaborator und Freund Thomas Feiner verabschiedete ihn mit den Worten „Though most of the world will not know it has now lost a truly magical voice and musician, I sincerely hope more people will discover his legacy in time.“ Dem ist wenig bis nichts hinzuzufügen. Das Album „The Village To The Vale“ ist noch über die Bandcamp-Seite von Altrock als CD erhältlich. Darüber hinaus ist „Snake In The Grass“ auf allen gängigen Download-Portalen zu finden.

Oh he said, the pain is brushed away. 
Thank you light, I’ve returned to joy.
(Robbie Lloyd Wilson – Snake In The Grass)

 

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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