England – The Last Of The Jubblies

0

(54:09, CD, New Music Green Tree, 2017)
Jeder Bewunderer sinfonischen Progressive Rocks der 70er-Jahre stößt irgendwann auf formidable Kleinode wie „Four Moments“ von Sebastian Hardie, das namenlose Debüt von Maxophone und unweigerlich auf „Garden Shed“ von England. Die Band lieferte mit ihrer einzigen Platte ein veritables Kultalbum ab, das sich vor Veröffentlichungen namhafter Genre-Größen jener Ära keineswegs zu verstecken brauchte.

England hatten jedoch das Pech, etwas zu spät – nämlich erst 1977 – auf den Plan zu treten. Zu einer Zeit also, als Progressive Rock auf dem absteigenden Ast war und Punk frischen Wind in die Musikszene blies. Da nützte es auch nichts, dass die Band beim damals recht bekannten Arista-Label landete. Die Gruppe war zur falschen Zeit am falschen Ort, auch das ließ sie scheitern.

Während „Garden Shed“ zurecht über ein gewisses Standing in der Szene verfügt und 2015 als „Golden Edition“ mit Bonus-CD zum wiederholten Male erschien, fristet das aktuell wieder veröffentlichte „The Last Of The Jubblies“ als Sammlung nie offiziell veröffentlichten Materials aus den 70ern ein Schattendasein.

Das hängt in erster Line mit der musikalischen Qualität zusammen. Denn während die Aufmachung dieses Re-Releases auf CD im Digipak in remasterter Überarbeitung und mit überaus ausführlichem Booklet keine Wünsche offen lässt, taugt der Inhalt eher als Ergänzung denn als Fortsetzung von „Garden Shed“. Ursprünglich erschien „The Last Of The Jubblies“ bereits Mitte der 90er, jetzt hat man es mit Bonusmaterial versehen in Anlehnung an die „Golden Edition“ von „Garden Shed“ nochmal als „Silver Edition“ herausgebracht.

Geboten ist hier verspielter, typischer 70er-Jahre-Prog mit jeder Menge analoger Keyboardsounds (u.a. Mellotron, Hammond Orgel, Fender Rhodes, Mini-Moog) und einigen interessanten Ansätzen. Doch vielfach wirken die Ideen nicht bis in letzte Konsequenz zu Ende gedacht, mancher Einfallwirkt zu zerfasert, eher spontan und leicht uneben umgesetzt – alles in allem wie Demoaufnahmen statt als komplett durcharrangiertes und damit packendes Material.

Somit bleibt „The Last Of The Jubblies“ wohl in erster Linie ein Album für Sammler und Chronisten – eine nachträgliche Randbemerkung zu „Garden Shed“.
Bewertung: 7/15 Punkten

Surftipps zu England:
New Music Green Tree
Prog Archives
Wikipedia

 

Teilen.

Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

Kommentar verfassen

England – The Last Of The Jubblies

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
0