Djam Karet – Sonic Celluloid

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(45:12, CD, HC Productions, 2017)
Wer schon in Indonesien war, dem mag der Begriff Jam Karet ein Begriff sein. In der ungefähren Bedeutung als „Gummizeit“ übersetzbar, passieren Dinge nicht immer sofort, ist nicht alles nach europäischen Maßstäben planbar. Seit mehr als 30 Jahren existiert die nach diesem Phänomen benannte amerikanische Instrumentalband Djam Karet, die sich im übertragenen Sinne auch viel Zeit für ihre Veröffentlichungen nimmt und bei deren Stilmix sich nicht alles in ein vorhersehbares Korsett zwängen lässt. Das letzte Studioalbum „Regenerator 3017“ liegt mittlerweile drei Jahre zurück.

Beim 18.Werk der in Südkalifornien ansässigen Gruppe waren wieder alle vier Gründungsmitglieder zu einem gewissen Maß involviert, wobei man jedem Musiker genau jenen Freiraum und jene Beteiligungsmöglichkeiten einräumte, mit der er sich einbringen wollte. Einen Großteil bzw. das Grundgerüst der Kompositionen übernahmen Chuck Oken jr. und Gayle Ellett. Sie arbeiten sehr viel mit Synthesizern und Sequencern, auch wenn Djam Karet in erster Linie für ihren Gitarrensound bekannt sind.

Durchzogen von einer lässigen Stimmung, stehen hier strukturierte, groovige Instrumentaltracks irgendwo zwischen Art- und Progressive Rock, Gitarrenrock und World Music neben Ambient-artigen Sequenzen mit Elektronik-Einflüssen. Dabei setzt man neben sanften, verträumten Melodien und fließenden, nie zu technischen Gitarrensoli auf traditionelle, analoge Keyboarduntermalung, die von Minimoog, Mellotron, Rhodes bis hin zu Hammondorgel reicht.  Wegen ihres cineastischen Ansatzes fehlt der Musik mitunter etwas der Biss und der rechte Punch. Lässt man sich jedoch auf diesen Klangkosmos ein, kann sich darin wunderbar treiben lassen.

„Sonic Celluloid“ ist ein stilistisch weit gefasstes Werk, bei dem die Band auf viele Facetten ihrer Vergangenheit zurückgreift. Der Albumtitel beschreibt den Ansatz sehr gut, denn Vieles hier klingt nach dem sphärisch-atmosphärischen Soundtrack zu einem imaginären Film.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 9, KS 10)

Djam Karet (Foto: Band)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Djam Karet – Sonic Celluloid

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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