Marillion – Marbles In The Park (DoCD)

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(62:42, 67:46, 2 CDs, earMUSIC, 2017)
Drehte sich in den vergangenen Monaten in Sachen Marillion alles um deren aktuelles Album „F.E.A.R“, mit dem die Band für einige Furore verursachen konnte, so wirft man mit der anstehenden Veröffentlichung von „Marbles In The Park“ einen Blick zurück auf das im Albumtitel angesprochene Werk aus dem Jahr 2003.

Ähnlich wie „F.E.A.R“ ist „Marbles“ ein sogenanntes Leuchtturm-Album, das den Test of Time längst bestanden hat. Die jetzt erscheinende Liveversion reproduziert die komplette Deluxe-Edition inklusive jener Songs, die seinerzeit nur auf dieser von der Band selbst vertriebenen Version zu finden waren. Unter anderem sind das ‚Ocean Cloud‘ und ‚The Only Unforgiveable Thing‘. Dazu gibt’s im Zugabenteil noch einen kurzen Ausflug in die Zeit aus „Afraid Of Sunlight“ und das zur Zeit der Aufnahme aktuelle Album „Sounds That Can’t Be Made“.

Natürlich haben die meisten Fans alle gespielten Songs bereits im Schrank stehen. Dazu kommt, dass es bereits 2004 eine „Marbles Live“-CD gab und auch bereits eine Fanclub-CD mit dem Titel „Marbles By The Sea“ feilgeboten wurde. Braucht man „Marbles In The Park“ also? Nun ja, Welche CD braucht man schon? Es gibt aber dennoch gute Gründe dafür, sie zu haben zu wollen. Ein gewichtiges Argument ist die enthaltene Version von ‚The Invisible Man‘, die dermaßen kraftvoll aus den Boxen tönt, dass man die Studioversion in Zukunft verschmähen kann. Auch andere Stücke gewinnen durch die leidenschaftliche und engagierte Performance von Hogarth und Co. Steve Rothery ist bestens aufgelegt und teils deutlich präsenter als auf dem Studioalbum. Das fällt beispielweise in ‚The Only Unforgiveable Thing‘ auf. Selbst das eher umstrittene ‚Drilling Holes‘ entwickelt neuen Lebensmut, zumal Hogarth im Vorfeld eine launige Geschichte zum Besten gibt, in der sogar Fish als Bad Guy eine Nebenrolle hat.

Andererseits verdeutlicht diese Zweit-, Dritt-, oder Wie-auch-immer-Verwertung von „Marbles“ auch, dass man den einen oder anderen Song vielleicht schon zu oft gehört hat. Womöglich braucht auch ein ‚Neverland‘ mal eine Pause. Die Krux der Performance eines kompletten Albums liegt jedoch darin, auch diejenigen Songs spielen zu müssen, die man sonst in Setlisst tunlichst vermeidet. Dazu zählen die kurzen ‚Marbles‘-Parts, die allesamt keinen größeren Eindruck hinterlassen. Und wer liebt Marillion für einen Song wie the ‚The Damage‘ oder ‚Genie‘?

Grundsätzlich wird diese Veröffentlichung eher in der hier besprochenen Blu-ray Version über die Ladentheke gehen, die schlicht den größeren Kaufanreiz bietet. Wer über die Erstanschaffung von „Marbles“ nachdenkt, dem sei im Zweifel diese neue Liveversion empfohlen, denn sie hat eine Schippe mehr Dampf als das Original. Wer das Deluxe-Original besitzt, wird hier höchstens aus Sammelleidenschaft erneut zugreifen. Aus diesem Grund wird die Selbstvermarktung der Band immer wieder mal kritisiert. Das hält der Rezensent persönlich für Blödsinn. Ein Album wie „Marbles“ oder das aktuelle „F.E.A.R“ wäre in dieser Form ohne cleveres Marketing oder ohne eine große Company im Rücken schlicht unmöglich. Und wurde je irgendjemand zum Kauf eines Marillion-Albums gezwungen?
Bewertung 11/15 Punkten (DH 11, HK 11, KR 11, KS 11)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Marillion – Marbles In The Park (DoCD)

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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