Steve Jansen – Tender Extinction

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(48:20, CD, A Steve Jansen Production, 2016)
Bereits im April dieses Jahres erschien das aktuelle Soloalbum des Ex-Japaners Steve Jansen. War der Vorgänger „Slope“ noch auf Samadhi Sound, dem Label seines Bruders David Sylvian herausgekommen, ist „Tender Extinction“ im Eigenverlag über Bandcamp veröffentlicht worden.

Erneut versammelte Jansen eine ganze Reihe hochkarätiger Gäste für sein Album. Es sind dieses Mal hauptsächlich Gast-Vokalisten und -Vokalistinnen. Sein Bruder David gibt allerdings weiterhin den Waldschrat und war dieses Mal nicht dabei. Zum Einstieg gibt sich der Schwede Thomas Feiner die Ehre und liefert Gesang und Text zu  ‚Captured‘. Das dunkel-symphonische Stück gibt die Marschrichtung des Albums vor und wirkt geradezu beschwörend bedrohlich – „Something left, and died out there“. Auch das von Perkussion dominierte ‚Her Distance‘ mit Gastsänger und Texter Perry Blake setzt auf beschwörende Gesangslinien und dunkle Atmosphäre. Insbesondere dieses Stück lässt Erinnerungen an das Cameo-Japan-Album „Rain Tree Crow“ aufkommen.

Zwischen den gewichtigen Vokalstücken platzierte Jansen Ambient-artige Instrumentals und Miniaturen, die dem Werk einen sanften Fluss geben. Tim Elsenburg (‚Give Yourself A Name‘) und Nicola Hitchcock (‚Faced With Nothing‘) verleihen den von ihnen gesungenen Stücken mit ihrehn markanten Stimmen einen sehr eindringlichen Charakter. Jansen selbst am Mikrophon beendet das Album mit dem sanften ‚And Bird Sing All Night‘, wobei er wiederum seinem berühmten Bruder zum Verwechseln ähnlich klingt. Tja, die Gene.

Dass „Tender Extinction“ nicht als Stimmungsaufheller taugt, versteht sich somit von selbst. Herbstlicher Schwermut durchzieht dieses Werk. Das quirlig-elektronische Element, das Steve Jansens Album „Slope“ auszeichnete, wurde für „Tender Extinction“ ersatzlos gestrichen. Die Zusammenarbeit mit den genannten Sängern und Sängerinnen und eine eher sparsam symphonische Ausrichtung bringt hier Spannung auf einem anderen Terrain hervor. Zwar braucht es eine Reihe von Durchläufen bis sich die Stücke vollends erschließen, was allerdings für Musik aus dem Post-Japan- und Sylvian-Umfeld typisch und quasi auch elementar wichtig ist. Ist man angekommen, dann hat man ein Werk, das sich vor Genre-Großtaten wie Talk Talks „Spirit Of Eden“ oder Sylvians „Secrets Of The Beehive“ nicht verstecken muss.

So mancher Fan von David Sylvian würde sich wohl ein Werk wie „Tender Extinction“ vom Meister selbst wünschen. Jansen legt es vor und fügt seiner eigenen Diskographie damit ein Ausrufezeichen hinzu. Freunde der genannten Alben und Interpreten sollten sich „Tender Extinction“ nicht entgehen lassen, die passende Jahreszeit dafür ist jetzt sowieso. Vinyl-Freunde könnten sich für ein von Jansen persönlich signiertes und auf 500 Exemplare limitiertes Doppelalbum interessieren, das ebenfalls auf der Bandcamp-Seite des Künstlers geordert werden kann.
Bewertung: 12/15 Punkten (DH 12, KR 11)

Steve Jansen (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Steve Jansen – Tender Extinction

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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