Karfagen – Spektra

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(63:07, CD, Caerllysi Music/Just for Kicks, 2016)
Seit Jahren, scheinbar ohne jegliche schöpferische Pause, ist der ukrainische Multiinstrumentalist Antony Kalugin unterwegs. Eine Vielzahl von Projekten wie z.B. Sunchild, Hoggwash, Antony Kalugin’s Kinematics Orchestra, kurz AKKO genannt und natürlich Karfagen (bedeutet Karthago) bestimmen bislang sein Musikerdasein. Dabei sollte man aber auch seine frühe sicherlich auch musikalisch prägende New Age-/Electronica-Phase nicht außer Acht lassen.

Musikalisch bewegt er sich stets in den unterschiedlichsten Musikstilen. Dieser Umstand zeigt deutlich seine Vielfältigkeit, Kreativität und nicht zuletzt sein unbestrittenes Können. Belege hierfür sind die unzähligen Veröffentlichungen und diverse Live Auftritte. Allein von 2003 bis 2005 komponierte und spielte Kalugin auf mehr als 40 Alben, die in Russland und der Ukraine veröffentlicht wurden. Stilistisch versucht er jedem Projekt einen eigenen Stempel aufzudrücken. So verarbeitet Kalugin bei Hoggwash Elemente von u.a. Melodic Rock/AOR, Neoprog, Rock, Pop/Mainstream, Sunchild hingegen hat eher den Schwerpunkt beim Neoprog, ArtPop bzw. beim New Artrock. Karfagen zeichnet sich durch einen zumeist instrumentalen Mix aus Folk; Klassik; Neoprog; ein wenig Progmetal; sowie symphonischen RetroProg aus. Erstmalig 1997 tauchte die von Kalugin als Schulband gegründete Formation auf. Bereits 1998 erfolgten die ersten Aufnahmen für das Debütalbum.

Nach dem vielsagenden letzten Albumtitel „7“ aus 2015 folgt hier das aktuelle Werk namens „Spektra“. Auch hier erwartet den Hörer ein sehr abwechselungsreiches Werk, bei dem alle Register der zuvor genannten Genres gezogen werden. Allein das hübsche, bunt gestaltete Digipackcover weckt Interesse auf neue Klangerlebnisse. Wie Kollege Meurer in seiner Besprechung zu „7“ bereits zutreffend anmerkte, ist auch dieses Kalugin-Album nicht ganz einfach zu rezensieren. Sowohl die Zusammenstellungen der Kompositionen, als auch der Stilmix erfordern mehrfache geduldige Hördurchgänge. Zwischen wunderschön melodisch, klassisch harmonisch bis anspruchsvoll anstrengend ist die Bandbreite angelegt. Dass dabei nicht unbedingt Langeweile angesagt ist, versteht sich von selbst. Das Album ist unterteilt in ‚Phase 1, 2 und 3‘ diese bestehen aus insgesamt 16 Titeln. Bis auf den Longtrack ‚Olympia‘ mit knapp 21 Minuten sind die anderen Stücke für Progverhältnisse allerdings eher kurz. Die akustisch, folkig, klassisch angelegten Stücke sind sicherlich die Ruhepole des Albums und laden zeitweise immer wieder zum träumerischen Verweilen ein. Die eingestreuten Breaks und Wendungen geben dem Album dennoch Dynamik und Abwechselung. Durchgängiger Gesang und hier in lateinischer Sprache findet nur beim 4.Titel ‚Terra Incognita‘ statt. Beim instrumentalen Rest darf man sich u.a. über viele Keyboardspielereien, Gitarren, Flöte, Fagott, Violine und selbstverständlich das Akkordion von Sergii Kovalov freuen, dem langjährigen Wegbegleiter Kalugins.

Albumbesetzung:
Antony Kalugin – keys, percussion, arrangements
Max Velychko – electric, acoustic & 12 str. guitars
Sergiy Balalayev – drums
Ivan Rubanchuk – drums
Kostya Shepelenko – drums
Oleg Prokhorov – bass
Kostya Ionenko – bass
Olha Rostovska – keys, vocalis, Latin vox
Sergii Kovalov – accordion, Latin vox
Roman Gorielov – Latin vox tenor
Maria Baranovska – violin
Alexandr Pastuchov – basson
Oleg Pashkovskiy – grand piano
Lesya Kofanova – flute
Michail Sidorenko – alto sax
Olga Vodolazhska – rainstick, shakers, triangle.

Trotz der beschriebenen Ecken und Kanten handelt es sich bei „Spectra“ um ein hörenswertes und größtenteils sehr melodiöses Album, welches vor allem in den ruhigeren Passagen seine Stärken hat. Es erübrigt sich fast zu betonen, dass deutliche Einflüsse von Camel, IQ und The Flower Kings, um nur wenige zu nennen, erkennbar sind. Antony Kalugin und Will Mackie, der nimmermüden guten Seele von Caerllysi Music, ist damit eine insgesamt gute Produktion gelungen.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 8, HR 10)

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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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Karfagen – Spektra

von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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