#VinylCorner Nr. 9: November 2016

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Sleeveface_Wilson

Sleeveface (im Bild: Dieter Wilson)

Fast könnte man denken, ein verrückter Professor hätte beim Spielen mit seiner Zeitmaschine für ein wenig Durcheinander im Raum-Zeit-Kontinuum gesorgt. Das Vinyl-Revival alleine sorgt schon seit einiger Zeit für Erstaunen. Aber damit nicht genug – Vinyl-Verrückte machen auch in den sozialen Netzwerken von sich reden.

Man möchte ja annehmen, dass diese Spezies eher einen Bogen um dieses merkel’sche #Neuland macht. Weit gefehlt! Gerade auf Instagram und Twitter zeigen Vinyl-Fans gerne unter dem Hashtag #nowspinning,was sich aktuell auf ihrem Plattenteller dreht. Ein gerne gespieltes Spiel ist auch das soggenannte #sleeveface (siehe Foto oben), bei dem der eigene Körper das Plattencover weiterführt. Hier kommen teilweise beeindruckende Fotos zustande. Auch der #catchoftheday vom Flohmarkt am Sonntag ist immer wieder Thema in den sozialen Netzwerken. Da soll noch jemand sagen, dass Vinyl-Fans aus der Zeit gefallen sind. Vielmehr zeigt sich, dass man als Jäger und Sammler in Sachen schwarzes Gold sowohl in der realen als auch in der virtuellen Welt am Start sein sollte, um Objekte der Begierde zu ergattern. Was wäre der Record Store day ohne Social Media?

Tull-Goodie zum Black Friday

Womit wir beim nächsten Thema wären: Der Black Friday steht an. Dieser wird von den Record Store Day-Machern gerne als zweites Standbein genutzt. Auch dieses Jahr erwartet man exklusive Veröffentlichungen namhafter Künstler. Allerdings macht der Progressive Rock dabei seinem Mauerblümchen-Dasein wieder mal alle Ehre. Die kürzlich veröffentlichte Liste der zu erwartenden Scheiben lässt den Prog fast gänzlich links liegen. Einzig und allein Jethro Tull halten mit der Wiederveröffentlichung der EP „Ring Out Solstice Bells“ die Fahne hoch. Diese enthält zwei von Steven Wilson remixte Songs.

Gute Nachrichten gibt es für Fans von Genesis, deren gesamter Katalog seit Ende Oktober wieder auf Vinyl verfügbar ist. Das dürfte vielerorts auf ein positiveres Echo stoßen, als Phil Collins‚ Ankündigung, uns im nächsten Jahr wieder mit Solo-Konzerten zu beglücken.

Mit Verwunderung durfte man auf die Vinyl-Veröffentlichung des aktuellen Kansas-Albums „The Prelude Implicit“ aus dem Hause InsideOut reagieren. Die zehn Songs des Albums wurden auf drei Seiten verteilt, die vierte Seite ziert ein sogenanntes Laser Etching. Soweit eigentlich eine schöne Sache, wären da nicht zwei weitere Songs – die der Special Edition-CD – die auf Seite vier deutlich mehr Sinn ergeben hätten. Der Vorteil wäre gewesen, dass man die im Gegensatz zu einem Etching abspielen kann.

Ein weitaus innovativeres Gimmick findet sich am Ende der vierten Seite des kürzlich auf Vinyl wieder veröffentlichtem Dream Theater-Klassikers „Metropolis Pt 2 – Scenes From A Memory“. Wer die CD kennt, weiß, dass an dessen Ende eine imaginäre Nadel über eine Schallplatte kratzt und das Album mit Schallplatten-Knistern endet. Auf der Vinyl-Ausgabe mündet dieses Knistern in eine Endlosschleife und knistert weiter, und weiter, und weiter.

Für den 18. November ist im Übrigen auch das Reissue vom Nachfolgealbum „Six Degrees Of Inner Turbulence“ auf orangem Vinyl angekündigt. Schon für den 11. November ist das hier kürzlich besprochene „Utopia Defeated“  von D. D. Dumbo auf dem legendärem 4AD-Label angekündigt.

Große Namen, die in den nächsten Wochen und Monaten auf den Veröffentlichungslisten stehen, darunter Neal Morse („Similitude Of A Dream“) und Kate Bush („Before The Dawn), werden ihre Oeuvres natürlich auch auf Schallplatte in die Läden stellen lassen.  Zu guter Letzt noch ein kleines Schmankerl für Sammler: Die November-Ausgabe des deutschen Rolling Stone enthält als Beilage eine Single mit dem R.E.M.-Gassenhauer ‚Losing My Religion‘. Auch wenn der eine oder andere Leser diesen Song schon einmal zu oft in seinem Leben gehört haben mag, ist das eine schöne Dreingabe. Darüber hinaus wird dort auch über unsere Neuentdeckung D. D. Dumbo berichtet.

Bild: Record Store Day Germany

Kürzlich besprochen Vinyl-Veröffentlichungen:
Pearl Jam – Yield
Pearl Jam – No Code
Pink Floyd – Obscured By Clouds
Pink Floyd – Meddle
Pink Floyd – Atom Heart Mother

PS: Alle bisher erschienenen Vinyl-Knusperecken.
PPS: Eine weitere leckere Ecke auf BP.de.

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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#VinylCorner Nr. 9: November 2016

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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