Pink Floyd – Atom Heart Mother (Vinyl-Reissue)

0

(51:01, LP, Pink Floyd Records/Warner, 1970/2016)
Es ist ein Genuss: Die Musik schallt glasklar aus den Boxen. Die LP zieht ihre Kreise. Der Tonarm liegt ruhig in der Rille. Aurale Perfektion. Derweil schaut die Kuh auf der Hülle bedächtig ins Wohnzimmer.

„Atom Heart Mother“ endlich wieder auf LP – ein Gesamtkunstwerk. Sowohl Roger Waters als auch David Gilmour haben sich in der Vergangenheit eher negativ über dieses Album geäußert, das ändert aber nichts daran, dass es ein besonderes Werk in der Diskographie der Band ist. Die zusammen mit Ron Geesin komponierte titelgebende Suite lässt sich weder mit älteren Werken noch mit nachfolgenden Longtracks der Herren von Floyd vergleichen. Die zweite LP-Seite ist so etwas wie der Schwanengesang auf die psychedelischen Pink Floyd inklusive Frühstück und Spiegelei. Aber im Grunde soll hier auf die Musik auch gar nicht weiter im Detail eingegangen werden. Dazu ist andernorts schon alles gesagt worden. Den Leser werden Klang- und Fertigungsqualität dieser Wiederveröffentlichung interessieren.

Diese Frage wurde in Kurzform eingangs ja bereits geklärt. Im Detail fällt auf, dass die Aufnahme im Vergleich zu einer älteren CD-Veröffentlichung aus dem Jahr 1987 und einer alten italienischen LP-Ausgabe (ca. 1976) deutlich weniger rauscht. Nick Mason darf statt auf Pappkartons endlich auf einem Schlagzeug trommeln. Im Part ‚Funky Dung‘ von ‚Atom Heart Mother‘ sind sowohl Waters‘  Basslauf als auch Gilmours Solo-Gitarre wesentlich prägnanter, als man das bislang gewohnt war. Das gilt beispielsweise auch für die Akustik-Gitarre in ‚If‘. Letztlich ist „Atom Heart Mother“ jedoch klanglich längst noch kein „The Dark Side Of The Moon“, auch wenn da und dort in übertriebenen Kommentaren dieser Eindruck gerne erweckt wird.

Trotzdem und völlig subjektiv aus Sicht eines Vinyl-Liebhabers ist „Atom Heart Mother“ auf Schallplatte ein ganz anderes Erlebnis als von CD oder gar iPod. Schließlich ist es ein Trip zurück in die frühen Siebziger, als man ein solches Album mit Segen der Plattenfirma aufnehmen konnte. Da schiebt man keine kleine silberne Scheibe in eine Schublade und schaut sich eine Miniatur-Kuh im Jewel Case an? Nein, dazu muss sich ein Plattenteller drehen, und man muss ein großes Klappcover in Händen halten dürfen. Genau dafür ist diese Reissue da.

Die Pressung von Record Industry ist nahezu perfekt und steckt in einer gefütterten Innenhülle. Das Cover glänzt und ist bis in Detail dem Original nachempfunden. Einziger Wermutstropfen für Nostalgiker ist das fehlende, vertraute gelb-grüne Harvest-Label auf der LP. Doch damit kann man leben. Diese Wiederveröffentlichung kann man sowohl in musikalischer als auch in klanglicher, optischer und haptischer Hinsicht besten Gewissens empfehlen.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 13, DH 12)

Surftipps zu Pink Floyd:
Homepage
Facebook
Twitter
YouTube
Spotify
Wikipedia

 

Teilen.

Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

Kommentar verfassen

Pink Floyd – Atom Heart Mother (Vinyl-Reissue)

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
0