Vola – Inmazes

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Vola - Inmazes(51:44, CD, Mascot Label Group/Rough Trade, 2016)
Nachdem die Dänen von Vola im letzten Jahr schon mit ihrem selbstveröffentlichten Erstling kurfristig auf das Billing des ehrwürdigen ProgPower-Festivals in Baarlo rutschen konnten, bekommt eben jenes Debütalbum, das auf den Namen „Inmazes“ hört, nun endlich über Mascot eine wohlverdiente Labelveröffentlichung.

Auf dem Promo-Sticker ist etwas von klassischem Pink-Floyd-Sound gemischt mit Rammstein und einem Schuss Meshuggah zu lesen. Das trifft es zwar nicht ganz auf den Punkt, ist aber nicht weit hergeholt oder abwegig. Die Gewichtung der verschiedenen Einflüsse erscheint dem Rezensenten nach eingehender und wiederholter Betreuung jedoch etwas anders gelagert zu sein. Dreh- und Ankerpunkt sind auf jeden Fall von Anfang an moderne, recht ‚djentige‘ und komplexe Riffs, die jedoch meilenweit von der ursprünglichen, kohlrabenschwarzen Aggressivität der Genre-Urväter Meshuggah entfernt sind. Dafür sorgen einerseits die ungewöhnlichen Gesangsmelodien und -harmonien (gegrowlt wird zum Glück nur sehr sparsam), die tatsächlich hier und da an Pink Floyd denken lassen. Ungewöhnlich im besten, schönsten Sinne, nicht erzwungen dissonant, im Gegenteil. Auf der anderen Seite darf die Synthesizer-Fraktion auch nicht unerwähnt bleiben.

Wirkten die Keyboards und elektronischen Soundspielereien beim eingangs erwähnten ProgPower-Auftritt noch etwas deplatziert und irgendwie erratisch, so fügen sie sich nahtlos in die sauber produzierten Studioversionen ein. Mehr noch, sie sind manchmal das moderne i-Tüpfelchen (z.B. leichte Dubstep-Tendenzen in ‚Your Mind is a Helpless Dreamer‘) und manchmal schwelgen sie in traditionellerem Sympho-Bombast (das Intro und Main Riff von ‚Stray the Skies‘), die modernen Riffs konterkarierend, was im Live-Mix völlig unterging. Vielseitig, doch homogen und immer passend, mal elektronisch-modern, dann wieder klassisch-atmosphärisch.

Exemplarisch herausgehoben hört sich das dann z. B. beim ersten Song, ‚The Same War‘ etwa so an: Ein Meshuggah-Riff morpht sich förmlich in eine Tool-Strophe, die in einen Bombast-Refrain mündet, an dessen epische Ausmaße sich die Herren um Maynard James Keenan nie herangetraut hätten, weil sie ja ach so introvertierte Musik machen. Und dann wird mit spielerischer Leichtigkeit ein Salto nach vorne vollzogen in eine Bridge, die Devin Townsend alle Ehre machen würde. Für das folgende, keinen Cent abfallende ‚Stray the Skies‘ ist in monatelanger Handarbeit ein wunderschöner gezeichneter Videoclip entstanden, der (visuell) Erinnerungen an Jollys’s ‚Where Everything’s Perfect‘ weckt. ‚Starburn‘ und ‚Owls‘ setzen vor allem was Gesangslinien und -harmonien angeht fast noch einen drauf, ehe in der Mitte die Hit-Dichte leicht abfällt.

Die erste Hälfte des vorletzten Songs lässt dann wieder aufhorchen. Das klingt doch auf einmal sehr nach Porcupine Tree/Steven Wilson. Aber warum auch nicht, es fügt sich hervorragend in den Gesamtsound ein und der Übergang zum härteren Teil des Liedes könnte nicht fließender sein. Der Titelsong ‚Inmazes‘, mit siebeneinhalb Minuten auch der Längste, spannt dann nochmal den ganz großen Bogen von komplexem Riffing über einen atmosphärischen Mittelteil, in dem endlich auch der Bass mal glänzen darf, hin zur abschließenden Übermelodie.

Trotz des im Laufe des Reviews doch recht massiven Name-Droppings lässt sich der erfrischende, moderne Sound von Vola schwer in Worte fassen, da sie es eben tatsächlich geschafft haben, schon mit ihrem Debüt eine absolut eigenständige Identität zu formulieren. Sie präsentieren sich damit äußerst sympathisch als talentierte, moderne, zukunftsgerichtete Band mit Wurzeln im Prog. Eine vorzügliche Mischung.
Bewertung: 13/15 Punkten (DA 13, KR 12)

Vola (Foto: Band)

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Vola – Inmazes

von Dario Albrecht Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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