Karmakanic – DOT

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Dot
(50:20, LP/CD, InsideOut/Sony Music, 2016)
Nach „Invention of Knowledge“ von Anderson/Stolt erscheint mit „DOT“ von Karmakanic innerhalb kürzester Zeit ein weiteres Album aus dem näheren Umfeld der Flower Kings. Karmakanic ist bekanntermaßen die Spielwiese von Floki-Bassist Jonas Reingold. Für das mittlerweile fünfte Studioalbum unter diesem Namen hat er wieder eine illustre Besetzung an üblichen InsideOut-Verdächtigen um sich geschart.

Darunter sind u.a. Andy Tillison (The Tangent), Morgan Årgren (Kaipa), Krister Jonsson (Ex-The Tangent) und Lalle Larsson (Agents Of Mercy). Letzterer hat zusammen mit Reingold auch an dem eingangs erwähnten Anderson/Stolt-Album mitgearbeitet. Nun könnte man sich fragen, ob „DOT“ eventuell in kreativen Mittagspausen während der „Invention Of Knowledge“-Sessions entstanden ist. Braucht man aber nicht, denn „DOT“ kann sich durchaus mit dem vielbeachteten Werk von Jon Anderson und Roine Stolt messen. Das Nachsehen hat „Dot“ lediglich in der Besetzung des Sängers, was in Anbetracht der Qualitäten von Jon Anderson aber keine Schande ist. Damit wird Göran Edman sicher gut leben können.

Dafür hat das Werk mit ‚Dot_God The Universe And Everthing Else No One Really Cares About‘ einen echten Longtrack-Hochkaräter zu bieten, der alleine die Anschaffung dieses Longplayers wert ist. Dieses Epos bietet alles, was man in Sachen Retro-Prog auf der Speisekarte haben sollte. Tempowechsel, elegische Soli, große Melodien, Chöre etc. pp. Reingolds Bassspiel ist sowieso eine Klasse für sich. Dazu bietet das Stück einige charmante Zitate von Pink Floyd und King Crimson. Etwa bei Minute 10:30 (CD, Track 2) schimmert dann auch ganz deutlich das Flower-Kings-Masterpiece ‚Stardust We Are‘ durch.

Die zweite Hälfte des Album startet mit ‚Higher Ground‘ und ‚Steer By The Stars‘ etwas leichtgewichtiger. Letzteres ist eine Co-Komposition von Reingold und Tillison. ‚Travelling Minds‘ und der abschließende zweite Teil von ‚God The Universe And Everthing Else No One Really Cares About‘ (‚Dot_‘ fällt hier im Titel weg) nehmen die Atmosphäre des Titel-Epos wieder auf und beschließen das Album emotional.

Reingold gelingt mit „DOT“ neben „Who’s The Boss In The Factory“ das bislang stimmigste Karmakanic-Album. Er macht auch nicht den alten Flower-Kings-Fehler, das Werk mit Füll-Stücken zu verwässern, sondern beschränkt sich mit etwa 50 Minuten Laufzeit auf die klassische LP-Länge. Auf Vinyl füllt ‚Dot_God The Universe And Everthing Else No One Really Cares About‘ die gesamte erste LP-Seite, was dem Album sogar noch dieses Gefühl mitgibt, man hielte etwas wie „Close To The Edge“ oder „Relayer“ in den Händen.

Wie bei InsideOut üblich, liegt der Vinyl-Ausgabe auch eine CD bei. Full Service! Fazit: Mit „DOT“ kommt man gut unterhalten über das Prog-Sommerloch.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 11/Longtrack 13, DH 12, HK 11, JM 11, KR 12, KS 11)

PS: Die „Special Edition CD+DVD Digipak“ hingegen trumpft mit einem fünf Titeln langen Konzertfilm auf, der beim RoSFest 2012 mitgeschnitten wurde, ergänzt um ein „Making Of“-Feature sowie Interviews. Auch lecker!

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Karmakanic – DOT

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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