Huis – Neither in Heaven

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Huis - Neither in Heaven Cover(68:57, CD, Unicorn Digital/Just for Kicks, 2016)
Die franko-kanadische NeoProg-Interessengemeinschaft Huis lädt auf ihrem Zweitling „Neither in Heaven“ erneut zum Bad in epischen Synthie-Flächen ein. Die Band um Gründer und Bassist/Keyboarder Michel Joncas und Sänger/Keyboarder Sylvain Descôteaux hatte mit ihrem 2014er-Debüt „Despite Guardian Angels“ schon ein kleines Ausrufezeichen in der Szene setzen können, jetzt legt sie mit dem Nachfolger noch ein paar Schippen drauf. Auch der von den Kollegen von Mystery ausgeliehene Gitarren-Gott Michel St-Père ist zum Glück wieder (bzw. immer noch) am Start. Er ist ein absoluter Qualitätsgarant, sowohl was sein Gitarrenspiel als auch seine Produktions- und Mixing-Künste angeht.

Nach einem kurzen Intro geht’s auch schon mit dem ersten Epos los. ‚Synesthesia‘ braucht allerdings erstmal knapp zehn Minuten, bis es Fahrt aufnimmt. Ein suboptimaler Einstieg für alle, die sich ein bisschen mehr Wumms in der ganzen keyboardlastigen Angelegenheit wünschen. Das mega-epische Finale entschädigt dann aber schnell für die Anlaufschwierigkeiten. Im weiteren Verlauf des Albums wird dann schnell klar, wo die Stärken von Huis liegen und die setzen sie zum Glück zuhauf ein. Das sind zum einen die „großen“ Midtempo-Parts, Sylvains Gespür für absolut zwingende Melodien, die das Album veredeln. Und nicht zuletzt zeigt Michel St-Père mal wieder, warum er zu den besten seines Faches in diesem Genre gehört. Wie kaum ein Zweiter, am ehesten noch sein britischer Kollege John Mitchell, schafft er es, mit jedem einzelnen Ton, den er seiner Gitarre entlockt, Gänsehaut hervorzurufen.

Ab der Mitte des Albums zieht der Härtegrad  deutlich an, was der eher den härteren Tönen zugeneigte Rezensent wohlwollend begrüßt. Ein Song wie ‚The Man On The Hill‘ würde auch Arena gut zu Gesicht stehen. So feuert die Band in der zweiten Hälfte einen Volltreffer nach dem anderen ab. Nur beim etwas straighter geratenen ‚The Red Gypsy‘ gibt’s noch ein paar Abstriche in der Punktwertung. Das wunderbar schwebende ‚Memories‘ kann melodisch mit jeder Mystery-Großtat mithalten, und Sänger Sylvain glänzt mit einer astreinen, kristallklaren und emotionalen Performance. Michel St-Père darf sich gegen Ende auch noch austoben und kommt mal wieder ganz nah an David Gilmour heran. Definitiv das Highlight des Albums. Auch das abschließende zweite Mini-Epic und Quasi-Titelstück ‚Nor on Earth‘, von Drummer William Régnier komponiert, nimmt sich Zeit für einen stimmungsvollen Aufbau. Es mündet in einen von der melancholischen Atmosphäre her an Dream Theaters ‚Repentance‘ erinnernden Schlussteil mit wunderschöner Piano-Coda.

Fazit: mit „Neither in Heaven“ legen die Kanadier ein starkes zweites Album in der Schnittmenge zwischen Mystery und Arena vor. In der ersten Hälfte ist noch nicht alles Gold, was glänzt, dafür überzeugt die zweite Hälfte umso mehr. Unbedingte Kaufempfehlung für NeoProg-Aficionados.
Bewertung: 10/15 Punkten (DA 10, KR 7)

Huis (Foto: Band)

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Huis – Neither in Heaven

von Dario Albrecht Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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