#VinylCorner Nr. 7: Juni 2016

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Bild: Peter Gabriel.com

Bild: Peter Gabriel.com

Reissue, Remaster, Remix – mit diesen Schlagworten befeuert die Musikindustrie auch das Vinyl-Revival. Zeitzeugen der CD-Einführung in den frühen 80er-Jahren wird das irgendwie bekannt vorkommen. Die Zweit-, Dritt- oder Viertverwertung des Backkatalogs arrivierter Künstler erfolgt nach bewährtem Muster. Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass auch beim zweiten Frühling der schwarzen Scheiben im großen Stil geschludert wird, zumal in den vergangenen Jahrzehnten viele erfahrenen Leute aus der Industrie  in den Ruhestand gegangen sind. Doch inzwischen – und gerade weil einem die Rock-Ikonen wie die Fliegen wegsterben – herrscht dort wieder Handlungsbedarf, denn der Backkatalog muss umgehend nach deren Begräbnis auf Vinyl in den Läden stehen. Da kann ordentliches Remastern schon mal auf der Strecke bleiben. Erinnern wir uns: Dass die CD in audiophilen Kreisen ein gewisses negatives Image nie ganz ablegen konnte, liegt weniger im Kern der Sache als daran, dass gerade in deren Anfangstagen alle möglichen Alben ohne ordentliches Remastering auf den Markt geworfen wurden. Das erhoffte Klangerlebnis blieb aus und schon war der Ruf dahin. Man kann also nur hoffen, dass die Musikindustrie aus Fehlern der Vergangenheit lernt.

Dass heutzutage 40 bis 45 Minuten Musik auf vier LP-Seiten verteilt werden, darf man als Verschwendung von Ressourcen bezeichnen – der klangliche Mehrwert wird sich in Grenzen halten. Dass die für den 15. Juli angekündigten Vinyl-Reissues der Peter-Gabriel-Alben „Us“ und „Up“ gar auf drei LPs, respektive fünf LP-Seiten verteilt werden (die sechste Seite enthält ein Etching des Orginal-Labels), ist wegen des daraus resultierenden durchschnittlichen Preis von ca. 45 Euro Abzocke.  Dass der „natürliche“ Fluss eines Albums durch die Verteilung auf fünf Seiten erheblich gestört wird, versteht sich zudem von selbst. Sollte dieser Trend Schule machen, darf sich jeder durchschnittliche Vinylkäufer mittelfristig Gedanken um eine größere Wohnung oder einen Anbau machen.

Auch in Sachen Pink Floyd rollt die Reissue-Welle weiter. Nach den kürzlich hier vorgestellten ersten vier Alben waren, wie der Blog Superdeluxeedition berichtet, auf der Amazon-UK-Website bis vor kurzem sechs weitere Alben vorbestellbar. Inzwischen wurden diese Artikel aber wieder von der Seite entfernt. Die dort genannten Veröffentlichungstermine waren der 1. und der 29. Juli. Daraus lässt sich schließen, dass die Veröffentlichungen wohl verschoben worden sind. Interessant ist auch, dass offensichtlich nicht in chronologischer Reihenfolge weiter veröffentlicht wird. Die Megaseller „Dark Side Of The Moon“, „Wish You Were Here“ und „The Wall“ scheinen als letzte Alben möglicherweise erst im Herbst auf den Markt zu kommen.

Ein interessantes Kuriosum ist auf der Vinyl-Ausgabe des neuen Frost*-Albums „Falling Satellites“ zu finden. Die vierte LP-Seite enthält einen instrumentalen Hidden Track, der auf der CD-Version nicht zu finden ist.

Bild: Dual

Bild: Dual

Der Markt an neuen Plattenspielern ist weiterhin recht übersichtlich. Insbesondere besteht immer noch ein gewisses Vakuum zwischen dem Low-Cost- und dem High-End-Bereich. Die Zeitschrift Mint hat in der April-Ausgabe einen Test veröffentlicht, der eine recht gute Übersicht über erschwingliche und trotzdem qualitativ hochwertige Plattenspieler gibt. Da es in der Printausgabe einen Druckfehler gab, steht der Test jetzt kostenlos als PDF zum Download bereit. Empfohlen werden insbesondere Geräte der Firmen Rega, Denon und TEAC. Verwunderlich ist es allerdings, dass der Dauerbrenner unter den Plattenspielern, der „echte“ Dual 505-4, nicht im Teilnehmerfeld des Tests auftaucht. Dieser seit 1980 in Deutschland hergestellte Plattenspieler wurde allerdings vor nicht allzu langer Zeit von Hifitest.de begutachtet. Wer also über die Anschaffung eines neuen „Drehers“ nachdenkt, findet in den genannten Tests die eine oder andere Entscheidungshilfe.

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Bild: Tonzonen Records

Eine interessante Meldung kam dieser Tag von einem kleinen, feinen und umtriebigen Vinyl-Label aus KrefeldTonzonen Records wird laut Labelchef Dirk Raupach seine Aktivitäten künftig hauptsächlich auf die Produktion und Förderung eigener Veröffentlichungen/Label-Künstler verlagern. Der Bereich Mailorder wird daher stark eingeschränkt. O-Ton Dirk Raupach: „Die Unterstützung von Bands sehe ich als die wichtigere Aufgabe, als den Bereich des Mailorders aufzubauen. Sehr gute Mailorder gibt es reichlich. Gänzlich schließen werde ich die Kategorie nicht, nur sorgfältiger bei der Auswahl der Produkte für den Shop sein. Selbstverständlich besorge ich weiterhin für alle Stammkunden Alben auf Wunsch.“

Zu guter Letzt noch ein Mode-Tipp für das diesjährige Sommermärchen: Wer sich beim Public Viewing als Vinyl-Junkie outen möchten, dem bietet JPC eine echte Alternative zum DFB Trikot. Mit Vinyl Master Vinyl-Master-Merchandise geht man zudem auch geschickt und gut gekleidet eventuellen Hooligan-Angriffen aus dem Weg.

Bild: JPC

Bild: JPC

In diesem Sinne und frei nach Sepp Herberger: Das Runde muss auf den Teller.

PS: Die zuletzt hier besprochenen Vinyl-Veröffentlichungen:
Indica: „Stone Future Hymns
Pink Floyd: Remasters, Part 1
Placebo: „Meds“
Carole King: „Tapestry
Pearl Jam: „Vs.“
Them: „Again“
Ihre Kinder – „Werdohl“

PPS: Alle bisher erschienenen VinylKnusperecken

 

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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#VinylCorner Nr. 7: Juni 2016

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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