Karakorum – Karakorum

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Karakorum (63:53, CD, Eigenveröffentlichung, 2016)
Seit September 2014 spielen Karakorum aus Bayern handgemachten Prog-/Krautrock. Mitglieder des Quintetts aus Mühldorf formierten sich zunächst unter dem Namen Foreign Faces, bevor sich die aktuelle Besetzung Karakorum taufte und sich in die komplexe Welt der vertrackten ungeraden Rhythmen, sprich des Progressive Rock, vertiefte. Die Keyboards und der Gesang werden von Axel Hackner bedient, die beiden Gitarristen Bernhard Huber und Max Schörghuber sowie der Bassist Jonas Kollenda begleiten ihn gesanglich oft, was schöne Harmonien erzeugt. Und Drummer Bastian Schuhbeck sorgt für den passenden progressiven Einsatz von kräftigem, teils vertracktem Schlagzeugspiel und innovativen Percussion-Elementen. Im März hat die Band ihr in Eigenregie produziertes und vertriebenes selbstbetiteltes Debütalbum herausgebracht. Es besteht aus fünf Songs – einem Opener und einem Closer sowie der dazwischen liegenden dreiteiligen ‚Beiteigeuze‘-Suite.

‚Phrygian Youth‘ beginnt mit harten Riffs und mehrstimmigem Gesang, bevor es groovy weitergeht. Dann ein Gitarren-, gefolgt von einem Keyboardsolo. Dieser Zyklus wiederholt sich einige Male und weckt Erinnerungen an Bands wie The Animals oder Deep Purple. Knackiger 70er-Rock. Richtig proggig wird es später, wenn der Bass eine ungerade Rhythmuslinie spielt, über der der Rest sich austobt.

Es folgt der Dreiteiler ‚Beiteigeuze‘. Der erste Part beginnt ruhig mit Harpsi-Sounds und erinnert an ELPs ‚Take A Pebble‘. Die Keyboards leisten hier ganze Arbeit und erzeugen die richtige Tiefe für solch eine Stimmung. Der mehrstimmige Gesang lässt mitunter an Porcupine Tree denken, vor allem auch, wenn die Gitarre später über die sphärischen Keyboardsounds einsetzt. Plötzlich wird es wild und hektisch. Und dann fast jazzig. Schöner Einsatz der percussiven Elemente! Es folgen lange Instrumentalpassagen, unterbrochen von gelegentlichem Gesang, die live sicherlich besonders gut zur Geltung kommen, bevor wieder ins das ruhige Anfangsmotiv zurückgekehrt wird.

‚Part II‘ beginnt Pink Floydig, bevor es später abwechselnd wild und zurückhaltender weitergeht. Der Übergang zu ‚Part III‘ ist fließend, er besticht durch eine besonders schöne, fast melancholische ruhige Stimmung. Vor allem der sich gegenseitig ergänzende Gesang ist hervorragend. Die harten Parts haben wieder etwas Aufwühlendes, das Keyboardsolo erinnert an den kürzlich verstorbenen Keith Emerson. Plötzlich setzen verrückte, durcheinander rufende Stimmen ein, die Nonsens von sich geben. Avantgardistisches Chaos! Spacige Sounds, dann setzt die ganze Bands in den krummen Takt ein und rockt ab. Was folgt ist Prog-Kino bis zum letzten Ton. ‚Fairytales‘ beschließt das Album. Es mutet orientalisch an, mit verzerrtem Gebetgesang, über den die Instrumente langsam einsetzen und in eine märchenhafte Welt entführen. Das ist die wohl eingängigste Nummer des Albums und ein würdiger und passender Abschluss.

Trotz all unserer Vergleiche: Karakorum haben einen bandeigenen Stil gefunden. Man kann die Formation getrost in einer Reihe mit Bands wie Birth Control oder Can nennen. Hoffen wir, dass man in Zukunft mehr von ihnen hört und sieht!
Bewertung: 7/15 Punkten (PR 7, KR 11)

PS der Schlussredaktion: Phils Wunsch ging schnell in Erfüllung – die Band wird künftig beim Krefelder Label Tonzonen erscheinen, eine wunderbare Entwicklung.

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Über den Autor

Philipp Roettgers

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Karakorum – Karakorum

von Philipp Roettgers Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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