Steve Thorne – Island Of The Imbeciles

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Island of the imbeciles(50:25, CD, White Knight Records/Just for Kicks, 2016)
Der Kreis schließt sich. Mit seinen fünften Album „Island Of The Imbeciles“ verabschiedet sich Steve Thorne als Interpret aus dem Musikzirkus, in Zukunft möchte er als Songwriter im Hintergrund für jüngere Künstler arbeiten. Das hatte er bereits vor geraumer Zeit in einem Interview mit den DPRP angekündigt. Getreu dem Motto „Never say never“ warten wir mal ab, ob es wirklich ein Abschied für immer bleibt.

Dass er sein Handwerk versteht, hatte er bereits auf dem Debüt „Emotional Creatures, Part One“ bewiesen. Auf „Island Of The Imbeciles“ zeigt sich Thorne jetzt nochmals in Hochform. Dass seine Werke der Vergangenheit nicht immer so gewürdigt wurden wie sie es verdient hätten mag daran liegen, dass er immer nur durch die Prog-Brille betrachtet wurde. Aber seien wir ehrlich – Steve Thornes Musik steht jener eines Al Stewart oder Gerry Rafferty deutlich näher, als der von IQ, Jadis, Peter Gabriel oder Spock’s Beard. Da er seine Begleitmusiker (u.a. Tony Levin, Nick D’Virgilio) aber immer aus diesem Umfeld rekrutierte und zudem auf dem GEP-Label debütierte, landete er eben in der Prog-Schublade. Folglich scheiterte er nicht selten an der falschen Erwartungshaltung der Rezensenten. Nimmt man die rosarote (oder war es eine andere Farbe?) Prog-Brille aber ab, dann hinterlässt uns der gute Steve ein paar zeitlose Hochkaräter in Sachen Songwriter-Kunst. Stücke wie ‚Therapy‘ vom Debüt oder ‚White Dove Song‘ von „Emotional Creatures, Part 2“ sprechen für sich.

Auch auf „Island Of The Imbeciles“ finden sich große Melodien – eingängig aber clever, größtenteils gradlinig und trotzdem anspruchsvoll arrangiert. ‚Colours Of Torment‘ ist so ein Schmuckstück, dessen Refrain den Hörer einfach nicht mehr loslässt. Der zarte Titelsong ist dagegen ein wunderbares Beispiel für Thornes Fähigkeit, beißenden Zynismus in eine blumige Verpackung zu stecken. Waren in der Vergangenheit des Öfteren die United States of A. sein Lieblingshassobjekt, so nimmt er sich jetzt seine britische Heimat vor. Daneben findet man in ‚Ancestors‘ ein großartiges melodisches Gitarrensolo, das auch Steve Rothery nicht besser hätte spielen können. Wenn das letzte Stück ‚They Are Flesh‘ schließlich ausgeklungen ist, wünscht man sich, dass Steve Thorne in einem besseren Music-Biz  mehr Beachtung entgegengebracht worden wäre.

Im Hier und Jetzt verabschiedet er sich als Interpret mit einem Album am oberen Ende des Spektrums gewohnter Thorne-Qualität. Neben „Emotional Creatures, Part 1“ ist „Island Of The Imbeciles“ sein kompositorisch dichtestes Werk. Wenn man überhaupt etwas kritisieren will, dann die Tatsache dass Steve Thorne auf fünf Alben nie seine musikalische Rezeptur geändert hat. Da ist er jedoch in guter Gesellschaft anderer üblicher Verdächtiger. Wie auf Thornes Homepage zu erfahren, ist „Island Of The Imbeciles“ nur in sehr begrenzter Stückzahl als CD hergestellt worden. Hierzulande ist das Werk nur über Just for Kicks zu beziehen. Wer also zu spät kommt …
Bewertung: 12/15 Punkten (DH 12, , HK 10, KR 11)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Steve Thorne – Island Of The Imbeciles

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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