Klaus Schulze & Pete Namlook – The Dark Side of the Moog Vol. 1-4

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Dark side of the moog 1-4(51:21, 61:04, 59:00, 60:00, 78:31, 5 CDs, MIG , 2016)
MIG steht für „Made in Germany“. So passt es ins Bild, dass dieses Label viele Veröffentlichungen deutscher Künstler im Programm hat. Neben Bands wie Birth Control oder Epitaph sind dies auch Ash Ra Tempel, Agitation Free, Eberhard Schoener, oder eben Klaus Schulze. Ein neues Highlight ist die Wiederveröffentlichung dessen, was die Elektronikkünstler Klaus Schulze und Pete Namlook gemeinsam aufgenommen haben.

Die Veröffentlichung geschieht häppchenweise in Form umfangreicher Box Sets. Diese limitierte Box mit fünf CDs in einem fein aufgemachten Schuber macht den Anfang: Sie beinhaltet die Alben „The Dark Side Of The Moog, Vol. 1 – Vol. 4“ sowie eine fünfte CD mit dem Titel „The Evolution Of The Dark Side Of The Moog“. Das Booklet von CD1 bietet viel Information, ansonsten haben sich die Verantwortlichen weniger Mühe gegeben – die Cover sind fast identisch und das Innenleben enthält nur Werbung für andere Schulze-Alben.

Klaus Schulze war viele Jahre nur Solokünstler, Kooperationen mit anderen Musikern gab es lange nicht. 1994 kreuzten sich die Wege von Schulze und Pete Namlook, dessen richtiger Name sich rückwärts ablesen lässt: Er hieß Peter Kuhlmann und starb im November 2012. war durch das Album „Air II“ auf Namlook aufmerksam geworden. Schnell kamen die beiden überein, etwas gemeinsam zu machen. Eine Albumserie war ursprünglich nicht angedacht, dies ergab sich weil sich die Zusammenarbeit als ausgesprochen fruchtbar erwies. Namlook, der 1992 das Label Fax gegründet hatte, hatte sich auf die Fahne geschrieben, Sounds der 1970er-Jahre mit Beats und Klängen der 90er und später der 2000er zu verschmelzen. Schulze wiederum legte Wert darauf, dass sein Counterpart nicht in seinem Fahrwasser unterwegs war, sondern eigene Ideen einbrachte. Ein Grund dafür, dass er Namlook die Alben abmischen ließ. Die Zusammenarbeit vollzog sich weitgehend via Internet, nur selten trafen sich die Musiker persönlich. Dabei prallten zunächst verschiedene Vorstellungen aufeinander, so überredete Namlook Klaus Schulze beispielsweise dazu, wieder mehr analoge Instrumente zu benutzen. Im Booklet ist der Entstehungsprozess schön beschrieben, weitere Einzelheiten sind dort nachzulesen.

Schulze hatte laut eigener Aussage immer Schwierigkeiten damit, sich Platten- bzw. Songtitel auszudenken. So kamen die beiden auf die Idee, sich bei Pink Floyd zu bedienen, was zu einigen Schmunzlern führt. Allerdings beziehen sich ihre Anleihen nur auf die Titel, nicht auf die Musik. Der Projektname lag nahe – wegen des Moog Synthesizers als verbindendem Element.

Zu den einzelnen Alben: Vol. 1,  ist in zehn Sektionen aufgeteilt und trägt den Titel ‚Wish You Were There‘. Schulzes Handschrift ist unschwer zu erkennen. Die ersten Minuten klingen mit etwas Fantasie tatsächlich wie ein psychedelischer Floyd-Trip der Frühsiebziger. Nach einigen Synthi-Spielereien kommen sanfte Streicherflächen hinzu und Part 3 entwickelt sich zu einer melodischen Wohlfühlnummer. Auch der nächste Titel mit Mellotronchor bietet feinste Schulze-Kost, die zum Entspannen einlädt. Was aber nur von kurzer Dauer ist, denn gleich darauf hält rhythmisch Verspieltes, beinahe Technoartiges Einzug. Mit solch stetem Wechsel setzt sich dieses 1993 aufgenommene Album fort.

Im gleichen Jahr entstand Vol. 2 mit dem in zwölf Abschnitte gegliederten ‚A Saucerful Of Ambience‘. Die ersten drei Minuten sind erstmal nur Geräuschkulisse, in die dann Glockenschläge einfließen, und so geht es meist auch weiter – „Ambience“ im Titel macht Sinn. Klanglandschaften nehmen breiten Raum ein, im zweiten Drittel kommen typische Schulze-Synthie-Streicher zum Tragen, doch insgesamt wirkt das Album sehr abstrakt und teils kühl.

Auf Vol. 3 von 1995 geht es in ähnlichem Stil weiter. Es heißt ‚Phantom Heart Brother‘, sehr schön. Sechs Songs bringen es auf knapp eine Stunde Spielzeit. Auf den Ambient-artigen Beginn folgt eine symphonische Nummer mit breit angelegten Synthi-Streichern, gegen Ende sorgt eine elektrische Gitarre für ergänzende Farbtupfer – ein starker Titel. Part 4 ist recht rhythmisch gehalten, ihn prägen mächtige Keyboardklänge. Mit ziemlich eigenwilligen Klangskulpturen durchsetzt, ist auch dieses Album insgesamt nicht leicht konsumierbar.

Vol. 4 dauert genau eine Stunde, das in neun Sektionen aufgeteilte Stück heißt ‚Three Pipers At The Gates Of Dawn‘. Es beginnt sehr interessant mit jenem klassischen Sound, den Schulze auf seinem 1978er-Album „X“ exzellent zelebriert hatte. Im Zentrum steht der fast 22-minütige Part 2, in der zweiten Hälfte des Albums wechseln sich dann ruhige, experimentelle Momente mit lebhaften Ausflügen ins Technoartige ab. Insgesamt das lebhafteste der ersten vier Alben.

CD 5 trägt den Titel „The Evolution Of The Dark Side Of The Moog“ und wird mit einem von Robert Moog höchstpersönlich gesprochenen Text eingeleitet. Dann folgen Auszüge unter anderem aus ‚Wish You Were There‘ und ‚A Saucerful Of Ambience‘ sowie Titel wie ‚Obscured by Klaus‘ und – auch sehr schön – ‚Careful with the AKS, Peter‘. Auch auf dieser randvollen CD ist der gesamte bereits beschriebene Klangkosmos zu hören: ruhige und getragene Momente, technoartige hektische Sequenzen, abstrakte Klangexperimente und symphonische Arrangements. An dieser CD wirkte übrigens ein gewisser Bill Laswell mit. Fazit: Für Sammler eine Pflichtveranstaltung!
Bewertung: 10/15 Punkten (JM 10, KR 11)

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von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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