Rush – R40 Live

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Rush - R40 Live(64:30 + 70:23 + 65:00, CD + DVD, Anthem Entertainment Group, 2015)
Zum 30-jährigen Jubiläum anno 2005 veröffentlichten Rush die überaus gelungene Doppel-DVD „R30“, die einige interessante historische Aufnahmen enthielt. Zehn Jahre später,  im Juni 2015, traten die Kanadier im heimischen Toronto im Rahmen ihrer „R40“-Tour auf und schnitten an zwei Abenden das vorliegende Album mit. Knapp zweieinhalb Stunden umfasste das reguläre Set, es präsentierte die Historie des kanadischen Trios mit einer relevanten Songauswahl chronologisch rückwärts. Dementsprechend veränderte sich der Bühnenaufbau, bis man bei Zugaben aus dem Jahr 1974 landete, wobei ein paar Verstärker auf Stühlen, eine Diskokugel und eine auf die Großbildschirme im Bühnenhintergrund projizierte Turnhalle auch optisch eine Rückkehr zu den Anfangstagen darstellte. Ein durchaus origineller Ansatz.

„R40 live“ beinhaltet kein historisches Material als Bonus, doch die Setlist kann sich wieder mal sehen lassen und wie gewohnt gibt es ein paar Überraschungen: Neben üblichen Klassikern wie ‚Tom Sawyer’, ‚The Spirit Of Radio’, ‚YYZ’, ‚Subdivisons’, ‚Xanadu’ oder Ausschnitten von ‚2112’ feiert hier ‚Losing It’ vom ´82er-Album „Signals“ mit dem schon bei der Studioaufnahme vertretenen Gast-Violinisten Ben Mink seine Livepremiere. Außerdem kehrte ‚Jacob’s Ladder’ („Permanent Waves“, 1980) endlich mal wieder auf die Bühne zurück, man hört nach vielen Jahren einen Ausschnitt von ’Cygnus X-1 Book I The voyage“ („A Farewell To Kings’, 1978), und bei den Zugaben werden mit ‚Lakeside Park’ und ‚What you’re doing’ ganz alte Klassiker immerhin in Medleys angespielt. Hinzu kommen einmal mehr recht selbstironische Projektionen und Einspieler: Beim Rap-Teil von ‚Roll The Bones’ u.a. mit ‚Game Of Thrones‘-Schauspieler Peter Dinklage und den Musikerkollegen Les Claypool und Tom Morello, den Zugabenteil leitet Schauspieler Eugene Levy („American Pie“) im 70er-Jahre-Outfit perfekt ein. In Sachen Performance, Songauswahl und optischer Präsentation gibt es absolut keinen Anlass zur Kritik.

Was jedoch spätestens beim alleinigen Anhören der CD stellenweise zum Problem wird, ist der Gesang von Geddy Lee. Gerade in höheren Passagen leiert seine Stimme doch ganz gewaltig, ist von den Texten teilweise gar nichts mehr zu verstehen. Eher mittelhoch angelegte Passagen gehen in Ordnung, aber besonders gegen Ende des Konzerts ist das Ganze nur noch sehr schwer erträglich. Schade, schade, schade. Umso bedauerlicher, da sein Leistungen an Bass und Keyboards einmal mehr überzeugen und auch seine Mitstreiter Alex Lifeson und Neil Peart (wieder mit einem sehr interessanten Schlagzeugsolo) immer noch vor Energie, Frische und Musikalität sprühen.

Zwar verzichten Rush gänzlich auf neues Material und lassen auch Songs aus den späten 80ern außen vor  – so findet sich hier kein Titel von den Alben „Power Windows“ bis „Presto“ -, doch mit dem Schwerpunkt auf den frühen 80ern und auf 70er-Jahre-Material ist die beste Bandphase am ausgiebigsten repräsentiert. Die dritte CD enthält einige Bonustitel, die man im Laufe der „R40 Live 40th Anniversary Tour“ spielte (u.a. ‚The Camera Eye’). Insgesamt eine lohnenswerte Anschaffung mit einem kleinen, aber streckenweise deutlich wahrnehmbaren Schönheitsfehler beim Gesang.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 10, KS 11)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Rush – R40 Live

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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